Wirtschaft

VW greift bei Tochter durch Vier Audi-Vorstände vor Rauswurf

Audi-Hauptversammlung

Auch Audi-Boss Stadler (r.) gilt als angeschlagen. Bislang hält VW-Chef Müller jedoch an ihm fest.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Nach dem Abgas-Skandal bei Volkswagen versucht Konzernchef Müller, das Riesenunternehmen neu aufzustellen. Bei der Tochter Audi läuft das nicht zur Zufriedenheit der Zentrale in Wolfsburg. Auch beim Absatz gibt es Probleme. Nun greift Müller durch.

Audi baut Insidern zufolge seinen Vorstand massiv um. Mehr als die Hälfte der Topmanager müssen demzufolge gehen. Wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen gegenüber Reuters sagten, werden in Kürze vier von sieben Vorständen ihre Posten räumen: Finanzvorstand Axel Strotbek, Produktionschef Hubert Waltl, Personalvorstand Thomas Sigi und Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter.

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Einen formalen Beschluss dazu gibt es demzufolge noch nicht. Matthias Müller, Chef der Audi-Mutter Volkswagen und Aufsichtsratschef in Ingolstadt, soll die vier betroffenen Vorstände aber im Umfeld einer Audi-Aufsichtsratssitzung am 26. Juli über ihre bevorstehende Abberufung informiert haben. Audi und VW lehnten Stellungnahmen ab.

Wie die Insider sagten, stehen noch keine Nachfolger fest. Der angeschlagene Audi-Chef Rupert Stadler werde vorerst nicht ausgetauscht, auch weil es derzeit keine Alternative gebe, hieß es weiter. Über Stadlers baldiges Aus an der Spitze des Autobauers wird seit Bekanntwerden des Dieselskandals spekuliert: ihm wird eine unglückliche Hand bei der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen.

Stadler will China-Delle schnell ausbügeln

Zuletzt war bekannt geworden, dass Audi-Mitarbeiter laut einem Bericht schon seit dem Beginn mutmaßlicher Abgas-Manipulationen bei Dieseln im vergangenen Jahrzehnt intern vor den Konsequenzen gewarnt haben. Schon 2008 soll ein Mitarbeiter einen mittlerweile angeklagten Ex-Audi-Manager in den USA gewarnt haben, wie aus der Anfang Juli veröffentlichten Anklage des Justizministeriums hervorgeht: Die "Dosierstrategie" sei eine Abschaltvorrichtung und in den USA "nicht zertifizierbar". Im Oktober 2013 soll der angeklagte Ex-Manager dann eine Präsentation für einen Audi-Vorstand vorbereitet haben, in der die problematischen Eigenschaften der "Dosierstrategie" genau beschrieben wurden.

Abgesehen von der Diesel-Affäre und den Kartellvorwürfen hat Audi auch im Alltagsgeschäft mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Im ersten Halbjahr verkaufte die VW-Oberklasse-Tochter weltweit über 44.000 Autos weniger als im Vorjahreszeitraum. Grund waren Streitigkeiten in China, weil Audi dort sein Vertriebsnetz mit neuen Partnern umstrukturiert hat. Der Umsatz stagnierte bei 30,1 Milliarden Euro. Bis zum Jahresende will Audi-Chef Stadler die China-Delle ausbügeln, Ziel ist ein leichtes Plus bei Auslieferungen und Umsatz.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/rts