Wirtschaft

Es geht auch anders Warum Athen keinen Schuldenschnitt braucht

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Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras.

(Foto: REUTERS)

Angesichts des gigantischen Schuldenbergs Griechenlands wird die Forderung nach einem Schuldenerlass lauter. Gibt es keine Alternative? Doch, die gibt es.

Die Zahlen klingen erschreckend: Griechenland hat 240 Milliarden Euro Schulden, das sind knapp 180 Prozent der Wirtschaftsleistung. Nach dem neuen milliardenschweren Hilfspaket werden es mehr als 200 Prozent sein. Bleibt den Gläubigern also nichts anderes übrig, als Griechenland einen Großteil der Schulden zu erlassen? Nein. Ein Schuldenschnitt ist nicht nur teuer für Europas Steuerzahler, er ist zudem unnötig.

Entscheidend für die Tragfähigkeit von Schulden ist nicht deren Höhe, sondern wie teuer der Schuldendienst ist. Wer jeden Monat 500 Euro für seine Kredit zahlen muss, kann Probleme bekommen. Bei 100 Euro sieht die Sache schon viel entspannter aus - egal, wie hoch die Schulden sind.

Griechenland hat mehrfach Erleichterungen bekommen. Laufzeiten wurden verlängert, Zinsen gesenkt. So muss Griechenland für einen Großteil der Kredite, die beim Rettungsmechanismus EFSF liegen, erst 2023 mit Zinszahlungen und Tilgung beginnen. Das bedeutet, dass das Land trotz der hohen Schulden vergangenes Jahr nur 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Tilgung und Zinsen ausgegeben hat. Das ist etwas weniger als Portugal und Italien - und etwas mehr als die USA, wo niemand einen Schuldenschnitt fordert.

Das ändert nichts daran, dass Griechenlands Verschuldung in Höhe des Doppelten des Bruttoinlandsprodukts zu hoch ist. Das lässt sich allerdings auch ohne Schuldenerlass ändern: durch Wachstum. Dass die Schuldenquote Griechenlands so hoch ist, liegt zu einem Großteil daran, dass das BIP in den Krisenjahren um rund ein Viertel eingebrochen ist. Wenn Griechenlands Wirtschaft wächst, sinkt die Schuldenquote entsprechend.

Zu harte Sparauflagen haben dazu beigetragen, dass Griechenland in eine schwere Rezession stürzte. Deshalb kommt es vor allem darauf an, dass die Wirtschaft nachhaltig wächst. Im zweiten Quartal hat das BIP zwar um 0,8 Prozent zugelegt. Doch angesichts des monatelangen Streits zwischen Gläubiger-Troika und Athen, der in Bankenschließungen gipfelte, wird Griechenland dieses Jahr aller Voraussicht nach wieder in die Rezession zurückfallen.

Eine Frage des Vertrauens

Das Krisenland braucht zweierlei: Wachstum und dauerhaft niedrige Zinsen. Es geht darum, Griechenland zu ermöglichen, seine Schulden zu bedienen. Hilfreich sind deshalb eine Lockerung der Austeritätspolitik und durch europäische Mittel finanzierte Investitionen. Nötig ist auch, dass die griechische Regierung Reformen umsetzt, um die Bedingungen für nachhaltiges Wachstum zu schaffen.

Zugleich ist es durchaus sinnvoll, die Schulden Griechenlands umzustrukturieren, um die Belastung langfristig tragbar zu halten. Das kann durch längere Laufzeiten oder niedrigere Zinssätze gelingen. Zudem könnte der Schuldendienst an das Wirtschaftswachstum gekoppelt werden.

Gegen einen Schuldenschnitt spricht außerdem, dass er ein zweiter Wortbruch wäre. 2012 hatten private Gläubiger auf mehr als 50 Milliarden Euro verzichtet. Der mit einem neuen "Haircut" einhergehende Vertrauensverlust würde wohl dazu führen, dass sich die Regierung auf lange Zeit kein Geld zu bezahlbaren Zinsen an den Kapitalmärkten leihen kann und weiterhin auf die Unterstützung des europäischen Steuerzahlers angewiesen ist – derselbe Steuerzahler, der durch einen Schuldenschnitt geliehenes Geld nicht zurückbekommt.

Quelle: n-tv.de

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