Wirtschaft

Nach dem Hellas-Comeback Was wird aus den Bundesanleihen?

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Auch mit kleinen Renditen bleiben Bundesanleihen attraktiv

(Foto: dpa)

Griechenland wagt sich wieder an den Kapitalmarkt. Die Nachfrage ist riesig, die Renditen liegen weit über denen der Bundesanleihen. Werden jetzt deutsche Staatsanleihen zu Ladenhütern?

Erst Irland, dann Griechenland - und im kommenden Jahr auch wieder Zypern: Die Euro-Krisenländer kehren Schritt für Schritt zurück an den Kapitalmarkt, von dem sie lange Zeit abgeschnitten waren. Allein Griechenland lieh sich bei seinem Comeback am Donnerstag drei Milliarden Euro - es hätten auch 20 Milliarden sein können, so stark war die Nachfrage der Investoren. Auch Spanien und Italien kommen wieder leichter zu Geld. Was aber wird aus den deutschen Staatsanleihen, in die viele Anleger seit Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise geflüchtet sind?

Schon zwei Mal blieb die Finanzagentur als oberster Schuldenmanager des Bundes in diesem Jahr bei Auktionen auf einem Teil seiner Anleihen sitzen. Es kamen nicht ausreichend Gebote zusammen. "Das waren Ausnahmen", ist sich NordLB-Analyst Matthias Kreie jedoch sicher. "Wir sehen keinen Käuferstreik. Deutsche Anleihen werden weiter gekauft, wenn auch von einigen Investoren wegen der niedrigen Zinsen eher zähneknirschend." Die fünfjährige Bundesanleihe wirft derzeit am Markt eine Rendite von rund 0,6 Prozent ab, die neuen Hellas-Bonds dagegen 4,95 Prozent.

"Schuldenkrise ist noch nicht vorbei"

So attraktiv die Zinsen für spekulative Anleger wie Hedgefonds auch sind, so wenig dürfen Pensionskassen und Versicherungen in großem Stil in sie investieren und so das ihnen anvertraute Geld von Rentnern und Sparern riskieren. Der Grund: Das Ausfallrisiko ist zu groß, weshalb staatliche Vorschriften hochspekulativen Investitionen einen Riegel vorschieben. Ein Drittel der neuen Griechenland-Papiere ging nach Angaben des Finanzministeriums in Athen deshalb an Hedgefonds, 14 Prozent an Banken - aber nur vier Prozent an Pensionskassen und Versicherer. "Viele Anleger wollen solche spekulative Investitionen gar nicht tätigen", sagt NordLB-Analyst Kreie. "Vielfach dürfen sie es gar nicht." Sein Haus etwa rät schon seit 2009 vom Erwerb hellenischer Staatsanleihen ab. "Wir sehen auch jetzt keinen Grund, davon abzuweichen."

Viele Experten zweifeln daran, ob Griechenland angesichts eines Schuldenbergs von 175 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung seine Probleme jemals in den Griff bekommen kann. "Diese Schuldenkrise ist mit der Rückkehr Griechenlands an die Kapitalmärkte noch nicht vorbei", sagt der langjährige Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

Dass die Bundesanleihe für viele Anleger ein Muss bleibt, zeigt gerade auch die Rendite. Für zehnjährige Papiere liegt sie bei gerade einmal 1,5 Prozent. "Wenn zu wenig Nachfrage da wäre, würde der Markt das korrigieren, indem die Rendite nach oben geht", erklärt Commerzbank-Analyst Christoph Rieger. Das Gegenteil ist der Fall: Die ohnehin niedrigen Renditen sind erst in dieser Woche auf ein Jahrestief gefallen.

"Nahezu ohne Konkurrenz"

Dass Investoren trotz historisch niedriger Zinsen die Papiere kaufen, liegt aber nicht nur an der Bestnote bei den Rating-Agenturen, mit der Deutschland ein extrem niedriges Ausfallrisiko bescheinigt wird. Denn mit der Schweiz, den Niederlanden oder Finnland stehen auch andere europäische Staaten ähnlich gut da. "Der Markt für deutsche Staatsanleihen ist der liquideste und damit die Benchmark in der Euro-Zone", betont der Chef der Finanzagentur, Tammo Diemer. 2012 wurden Papiere im Volumen von fast 5,3 Billionen Euro am Markt gehandelt. Das entspricht etwa dem Fünffachen dessen, was der Bund an Geldmarkt-Papieren und Staatsanleihen im Umlauf hat.

Anleihen des Bundes sind für viele Marktteilnehmer wichtige Absicherungs- und nicht in erster Linie Rendite-Instrumente. Papiere aus kleinen Staaten wie Finnland lassen sich dagegen nicht so leicht losschlagen, weil der Markt für sie viel kleiner ist. Käufer sind daher nicht so leicht zu finden.

Neu: Hier geht es zur Anleihen-Übersichtsseite von Telebörse.de, mit Benchmarkanleihen (unten)

Quelle: ntv.de, sla/rts