Wirtschaft

Zum Schnäppchenpreis  Werden deutsche Firmen Übernahmeziel?

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An den Börsen ging es in den vergangenen Wochen kräftig abwärts.

(Foto: dpa)

Die Corona-Krise setzt deutschen Unternehmen schwer zu. Die angeschlagenen Firmen könnten das Ziel feindlicher Übernahmen werden. EU-Kommission und Bundesregierung sind alarmiert.

Durch den Kurssturz an den Aktienmärkten haben sich Milliarden an Börsenwert in Luft aufgelöst - besonders kräftig ging es in Deutschland nach unten. Der Leitindex Dax, in dem die 30 größten börsennotierten Unternehmen des Landes gelistet sind, rauschte in den letzten vier Wochen rund 40 Prozent in die Tiefe. Das bedeutet auch: Investoren können nun billig bei deutschen Konzernen einsteigen - und sogar versuchen, die Mehrheit zu übernehmen.

"Deutsche Unternehmen wurden in den letzten Wochen überproportional abgestraft", sagt Thomas Meier, Fondsmanager bei Main First, im Gespräch mit ntv. "Das bedeutet, dass sehr potente Investoren an hervorragende Unternehmen und gute Unternehmen sehr günstig herankommen." So seien etwa einige private Beteiligungsgesellschaften derzeit gut mit Kapital ausgestattet. Auch Staatsfonds oder ausländische Staatsunternehmen hätten ausreichend Liquidität, um zuzukaufen - etwa aus China oder dem Mittleren Osten.

Begehrt ist vor allem der Mittelstand. Dort sind viele Unternehmen gut in Schlüsseltechnologien aufgestellt - beispielsweise im Werkzeug- und Maschinenbau oder in der Automatisierung. Doch nicht nur deutsche Unternehmen stehen im Visier, sondern Firmen in ganz Westeuropa. Die EU-Kommission will deshalb europäische Unternehmen besser vor Übernahmen schützen. Viele seien von der Virus-Krise "vorübergehend geschwächt", sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. "Deswegen müssen wir wissen, welche Investoren außerhalb Europas in Not geratene Firmen aufkaufen wollen und zu welchem Zweck." Die EU müsse ihre wichtigen Technologien und Konzerne schützen. Die Kommission habe deshalb Leitlinien für die Mitgliedstaaten herausgegeben, um "ausländische Direktinvestitionen zu prüfen", sagte von der Leyen.

Schutz vor "unliebsamen Überraschungen"

Die Kommissionspräsidentin forderte die EU-Staaten auf, rasch entsprechende Schutzinstrumente für Unternehmen zu beschließen, wenn sie solche Regelungen noch nicht hätten. Die Mitgliedstaaten könnten den Kapitalverkehr einschränken, wenn außereuropäische Investitionen die Sicherheit und öffentliche Ordnung in der EU untergraben könnten. Die Kommissionspräsidentin betonte aber auch, die EU sei und bleibe offen für ausländische Investoren. "Mit der Leitlinie wollen wir beides in Einklang bringen, die Offenheit und den notwendigen Schutz." Nähere Einzelheiten zu den Leitlinien veröffentlichte die Kommission zunächst nicht.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hält vor diesem Hintergrund auch Verstaatlichungen von Unternehmen für möglich, bezeichnet das aber als "allerletzten Ausweg". Solche Übernahmen seien etwa denkbar, wenn deutsche Interessen "vital gefährdet" seien, so der CDU-Politiker. Altmeier sagte im ZDF, manch internationaler Spekulant habe es vielleicht darauf abgesehen, ein "billiges Schnäppchen" in Deutschland zu machen; in solchen Fällen wird die Regierung nach Angaben des Ministers tätig werden. Dies werde sie aber "nicht groß in der Öffentlichkeit" bekannt geben, sagte Altmaier weiter.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz teilt diese Sorge vor unerwünschten Übernahmen. Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Hilfspaket solle die Unternehmen "auch vor unliebsamen Überraschungen" schützen, sagte der SPD-Politiker der "SZ".

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa