Wirtschaft

VW-Konzern in der Werkstatt Wolfsburg gibt Macht ab

Europas größter Autobauer verpasst sich eine neue Struktur. Die Marken sollen in Gruppen gebündelt werden. Der Vorstand wird umgebaut, die Regionen bekommen mehr Macht. Konzernchef Winterkorn bereitet seinen Wechsel vor.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn konkretisiert seine Pläne für den Umbau des Konzerns. So sollen die zwölf Marken in vier Einheiten zusammengefasst werden, um den weltumspannenden Konzern mit rund 600.000 Beschäftigten besser steuern zu können, wie drei Insider Reuters sagten.

VW Vorzüge
VW Vorzüge 157,16

Die einzelnen Gruppen sollen künftig unabhängiger von der Konzernzentrale in Niedersachsen über das Modellangebot in den einzelnen Ländern entscheiden dürfen. VW erhofft sich davon höhere Verkaufszahlen, wenn die Autos stärker dem Geschmack in den verschiedenen Region angepasst werden.

Den Informationen zufolge sollen im Konzernvorstand die Chefs der einzelnen Dachgesellschaften sitzen. Der Vertrieb, über den künftig die einzelnen Regionen stärker selbst bestimmen sollen, entfiele als eigenes Ressort in der obersten Führungsetage.

Wird Vorstand verkleinert?

Wie es weiter hieß, soll der Posten des Produktionsvorstands nicht wieder besetzt werden. Produktionschef Michael Macht war bereits vor knapp einem Jahr ausgeschieden. Unklar ist, ob das Ressort von China-Chef Jochem Heizmann im Konzernvorstand im Zuge der Regionalisierung langfristig bestehen bleibt. Zusammen mit den zentralen Funktionen für Personal, Finanzen und Einkauf würde der Vorstand künftig aus acht oder neun Mitgliedern mit Heizmann bestehen. Aktuell sind es neun.

Nach dem Beispiel der Holding für die Lkw-Töchter MAN und Scania sollen die Volumenmarken VW, Skoda und Seat unter einem Dach zusammengefasst werden. Deren Leitung dürfte an den früheren BMW-Manager Herbert Diess gehen, der am 1.Juli in Wolfsburg anfängt. Audi-Chef Rupert Stadler würde weiterhin auch die Sportwagenmarke Lamborghini und den Motorradhesteller Ducati führen. Porsche-Chef Matthias Müller, der ebenfalls bereits im Vorstand sitzt, bekäme Bentley und Bugatti zugeschlagen. Für eher unwahrscheinlich halten Kenner des Konzerns ein Modell, bei dem Porsche und Audi in eine Einheit übergehen sollen. Die beiden Hauptertragsbringer wären sonst zu mächtig, sagte ein Insider.

Experte: Umbau verkauft nicht mehr Autos

Analysten sind uneins, ob Winterkorn mit dem Umbau das Ei des Kolumbus gefunden hat. Marc-Rene Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg sagt, der Konzern werde dadurch flexibler. VW habe in der Vergangenheit oft spät reagiert. Für Arndt Ellinghorst von Evercore ISI ist dagegen nicht ausgemacht, dass VW allein durch die Umorganisation mehr Autos verkaufen kann. Hauptproblem der Wolfsburger sei nach wie vor die Renditeschwäche der Hauptmarke VW.

Tonn geht davon aus, dass in jeder Holding eine Marke die Federführung bei der technischen Entwicklung übernehmen wird. Die anderen müssten sich an die Vorgaben halten. Der mächtige Betriebsratsratschef Bernd Osterloh hatte bemängelt, dass die Marken bei der Baukaustentechnik noch aus der Reihe tanzten. Dadurch könne VW die von der neuen Technik erhofften Kostenvorteile nicht einfahren.

Winterkorn hatte seine Pläne für den Konzernumbau am Freitag bei einem Treffen mit dem engeren Führungszirkel vorgestellt. Der Aufsichtsrat soll das Vorhaben Ende September genehmigen. Danach soll die Neuausrichtung dem Management präsentiert werden. Winterkorn selbst gäbe in der neuen Struktur einen Teil seiner Macht ab. Zugleich ebnet der 68-Jährige damit den Weg für einen Wechsel in den Aufsichtsrat, wo er Firmenpatriarch Ferdinand Piech als Aufsichtsratschef beerben könnte.

Der 78-jährige Porsche-Enkel hatte bei Volkswagen einen nie gekannten Machtkampf gegen Winterkorn angezettelt, den er jedoch verlor. Er zog sich daraufhin Ende April zusammen mit seiner Ehefrau Ursula Piech von allen Ämtern bei Volkswagen zurück.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts

Mehr zum Thema