Wirtschaft

Baumwolltaschen mit Ethiksiegel dm fertigt in Indien - und sieht kein Problem

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Taschen für glückliche Menschen: Über die dm-Einkaufsbeutel gibt es Diskussionen.

(Foto: dm)

Die indischen Textilindustrie ist berüchtigt. Kinder schuften täglich 12 Stunden und mehr. In diesem Land lässt nun die Drogeriekette dm ihre Baumwoll-Einkaufstaschen produzieren. Doch das sei gar nicht so schlimm, sagt das Unternehmen.

Ausgerechnet ein bisheriger Ausweis der Nachhaltigkeit bringt die Drogeriemarktkette dm in Erklärungsnöte. Wie "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung" berichten, stammen die an der Kasse verkauften Baumwolltaschen neuerdings aus indischer Produktion. Die indische Textilindustrie ist wegen der dort herrschenden Produktionsbedingungen in Verruf geraten. Eine Bloggerin war die Erste, die auf diese Information gestoßen war.

Bisher hatte dm die Taschen bei dem Augsburger Modelabel "Manomama" fertigen lassen. Die Firma beschäftigt Mitarbeiter, die auf dem Arbeitsmarkt nur noch wenige Chancen haben - Langzeitarbeitslose, Kranke, bisherige Leiharbeiter. dm warb stets damit, dass dadurch innerhalb einer "regionalen Wertschöpfungskette" produziert werde.

All das sind Reizworte für die bewusste Kundschaft der Drogeriekette. Deren Gründer und Chef, Götz Werner, gilt als ausgewiesener Anthroposoph. Er ist Vorkämpfer für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Seine Gattin ist Schirmherrin des Projekts "Singende Kindergärten", das Liedgut und Musikalität in der frühkindlichen Erziehung fördert.

Schlechte Bedingungen - jetzt erst recht

Dass nun womöglich unterbezahlte indische Kinder Taschen für dm produzieren, passt schlecht ins Bild. Laut dm-Internetseite kommen sie nun aus dem Produktionsstandort Tirrupur. In diesem südindischen Textilzentrum arbeiten laut Terre des Hommes 120.000 Kinder und Jugendliche. In vielen Betrieben bis zu 70 Stunden in der Woche. Unter erbärmlichsten Bedingungen.

dm verteidigt sich: "In der Diskussion zur Entwicklungshilfe wird oft kritisiert, dass aus den Dritte-Welt-Ländern lediglich Rohstoffe bezogen werden, die Veredelung aber bei uns stattfindet", sagt Geschäftsführer Christoph Werner, der Sohn von Gründer Götz Werner. Veränderung ist also nur möglich, wenn man sich weiter in diesen Ländern engagiert?

Genau so will dm den Schritt nach Indien verstanden wissen. Die Global Organic Textile Standard Group gibt dem Unternehmen damit zumindest Recht. Die erteilt den indischen Taschen ihr Gütesiegel, das angeblich herstellerunabhängig nach ökologischen und sozialen Kriterien prüft. Die dm-Taschen sind also ethisch offenbar nicht zu beanstanden. Den ehemaligen Langzeitarbeitslosen und chronisch Kranken bei "Manomama" hilft das allerdings nicht.

Quelle: ntv.de, jog