Kolumnen

Schluss mit zu viel Haut Playboy braucht Nackte nicht mehr

Wie sich die Zeiten ändern. Der US-Playboy verzichtet künftig auf Fotos nicht bekleideter Damen. Was nach einem radikalen Schritt klingt, ist im Grunde nur konsequent.

Die Bunnies müssen sich warm anziehen. Nun, zunächst ist schon einmal bedauerlich, dass sie sich überhaupt etwas anziehen müssen: Hugh Heffner nimmt die nackten Mädels aus dem "Playboy" - well, now I've seen everything.

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Ab März kommenden Jahres müssen zumindest US-amerikanische Männer das Hochglanzmagazin wirklich wegen der tollen Reportagen kaufen. Spaß beiseite: Wer den "Playboy" liest, der hat das deshalb größtenteils längst getan. Denn wer wirklich nur Nackte sehen will, der braucht dafür keine sechs Dollar auszugeben. Im Internet gibt es unbekleidete Damen zuhauf, dazu auch Herren, in allen möglichen Posen, auch im Bewegtbild. Und umsonst.

Der "Playboy" war einmal revolutionär: die nackte Monroe, Jane Mansfield, Ursula Andress, später die Bikini-Girls von Baywatch ... Dazwischen aber auch Nabokov und Ian Fleming, Martin Luther King und Malcolm X, Jimmy Carter und John Lennon. Und alles, was sich manche Männer erträumten: die schnellsten Autos, die teuersten Uhren, die dicksten Zigarren. Auf Lifestyle will sich "Playboy" künftig konzentrieren - mit Recht, denn Sex bringt kein Geld mehr. Jedenfalls nicht am Kiosk. Und schon gar nicht in den prüden USA, wo das Heft bis heute im diskreten Umschlag verkauft werden muss. (Im Gegensatz zu "Guns and Ammo" und "Combat Handguns", übrigens, die ganz offen über den Ladentisch gehen.)

Interessanterweise braucht "Playboy" auch keine Nackten mehr. In China war das Magazin seit jeher verboten. Doch ist die Marke mit den Häschen ein Dauerbrenner. Die China-Lizenzen für Mode und Parfüm sorgen für 40 Prozent des Konzernumsatzes. Das Magazin hingegen - bisher eben freizügig - macht Millionenverluste. Wer weiß: Mit familienfreundlichem Inhalt steigt die Auflage vielleicht. Fallen kann sie ja nicht mehr so sehr. Von 5,5 Millionen Lesern in den 70er-Jahren sind keine 800.000 mehr übrig.

Und eines hat wohl auch Hugh Hefner erkannt: Sex sells ... aber in Verbindung mit High Tech. Die Porno-Industrie boomt, und der größte Wachstumsmarkt heißt Virtual Reality (VR). Die Brille aufgesetzt, und da liegt die schöne Nackte, in 3-D, hoch aufgelöst. Fast echt. Das ist dann ein Genuss, der bis 2025 zu einem Milliardengeschäft werden soll. Die Analysten von Piper Jaffray glauben, dass Sex der drittgrößte Sektor im VR-Bereich wird, gleich hinter Videospielen und Football-Content, deutlich vor Filmen, Fernsehen und Musik.

Die entsprechende Hardware gibt es längst: Samsung, Google und Facebook haben erste Produkte vorgestellt - und Forscher an der Stanford University sprechen von einem Wettrüsten. Dass schon die ersten Anwendungen mit Sex zu tun haben, ist alles andere als erstaunlich. Die Pornobranche gehörte immer wieder zu den Pionieren, nicht zuletzt im Internet.

Magazine spielen da längst keine Rolle mehr. Insofern löste das Aus für die "Playboy"-Bunnies auch im "Old Boys Club" der New Yorker Börse nicht mehr als ein Schulterzucken aus.

Quelle: n-tv.de

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