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Milliardenhilfen für Tui Industriepolitik auf Kosten der Kleinen

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Die Tourismus-Branche steckt in einem tiefgreifenden Wandel.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit immer neuen Steuer-Milliarden will der Staat den deutschen Tourismus-Riesen Tui vor einer Pleite bewahren. Das ist riskant - und unfair.

Es gibt gute Gründe, weshalb der Staat den Tui-Konzern mit weiteren Steuer-Milliarden rettet. Doch er misst mit zweierlei Maß. Immer mehr Steuergeld in den Reisekonzern zu pumpen und andere im Regen stehen zu lassen, ist ungerecht.

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Daran ändert nichts, dass der Hannoveraner Konzern das größte Tourismusunternehmen des Landes ist, sogar der größte Urlaubsanbieter weltweit. Tausende Arbeitsplätze in Verwaltung, Reisebüros, Hotels, auf Kreuzfahrtschiffen und in der Logistik werden nun erst einmal gesichert. Würde man dem Konzern eine Rettung verweigern, wäre eine Pleite wohl unvermeidbar. Ist die Corona-Pandemie überwunden, würden ausländische Konkurrenten vom Tui-Ausfall profitieren. Das will die Regierung nicht - Industriepolitik.

Durch den Salami-Lockdown geraten aber nicht nur der Tui-Konzern, sondern auch kleinere Reiseunternehmen, Hoteliers, Gastronomen und Busfirmen in Existenznot. Ihnen wird nicht so üppig geholfen. Sicher, Zusagen aus der Politik gab es viele. Doch selbst bei den November-Hilfen, die weitgehend unbürokratisch ausgezahlt werden sollten, stockt es. Zurzeit sind nur gut ein Viertel der beantragten Hilfsgelder angekommen.

Gewaltige Herausforderungen

Ob der Tui-Konzern nach der Corona-Krise wieder zu alten Höhen aufsteigt, ist nicht sicher. Der Tourismusbereich wächst zwar, steckte aber auch schon vor der Corona-Krise in einem tiefgreifenden Wandel. Online-Anbieter bedrohen das Reisebüro an der Ecke, der stärker werdende Wunsch nach individuellen Reisen setzt Pauschalanbietern und riesigen Hotelanlagen gehörig zu. Kreuzfahrt-Reeder kamen durch den Trend zu verstärktem Klima- und Umweltschutz schon vor der Pandemie in Nöte. Aus heutiger Sicht ist es unvorstellbar, dass die Kreuzfahrtflotte des Tui-Konzerns wieder zum Gewinnbringer mutiert.

Es besteht vielmehr die Gefahr, dass der Konzern sich aufgrund der üppigen Hilfen in Sicherheit wiegt und dem durch die Krise beschleunigten Strukturwandel nicht entschlossen begegnet - auf Kosten der Steuerzahler. Wenn die Corona-Gefahren im Griff sind, ist der Staat gut beraten, bei Tui zügig den Ausstieg einzuleiten. Alles andere wäre nicht zu rechtfertigende Wettbewerbsverzerrung. Und den vielen anderen Reise- und Urlaubsanbietern in Deutschland nicht zu vermitteln.

Quelle: ntv.de