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Neuer Corona-Stress-Test Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren!

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In Deutschland werden Covid-Patienten nach dem sogenannten Kleeblattkonzept verlegt.

(Foto: imago images/Die Videomanufaktur)

Die in Südafrika aufgetauchte Variante des Corona-Virus verheißt nichts Gutes - auch für die Wirtschaft. Weil Konjunkturausblicke längst Pandemieprognosen sind, schwindet die Hoffnung auf eine rasche Erholung. Von allen - von Unternehmensführern wie Verbrauchern - ist ein weiteres Mal Nervenstärke gefragt.

Auch das noch! Als hätten für uns die vergangenen knapp zwei Jahre Corona-Modus nicht schon genug der Entbehrung, Sorge und Aufregung bedeutet, wird die Welt ein weiteres Mal einem Corona-Stresstest ausgesetzt. Die in Südafrika aufgetauchte neue Virus-Variante, von Virologen mit dem kryptischen Kürzel B.1.1.529 bezeichnet, schickt neue, bis dato unerwartete, nahezu panikartige Schockwellen - in alle Teile der Welt. Auch zu uns. Dabei sind die Gesundheitssysteme in vielen Teilen Deutschlands schon jetzt am Limit. Nicht unbedingt notwendige Operationen werden verschoben, die Bundeswehr fliegt Intensiv-Patienten durchs Land.

Ist die Sorge, dass die neue Virusvariante viel gefährlicher ist als die bisher kursierenden Covid-Mutanten, berechtigt? Glaubt man den Forschern, lässt sich das bislang noch nicht mit Gewissheit sagen. Manches spricht dafür. Virologen haben festgestellt, dass das neue Südafrika-Virus auffallend starke Veränderungen im Spike-Protein aufweist. Die Sorge der Experten: Die neue Omikron-Variante könnte gefährlicher sein als ihre Vorgänger und gar den Schutz durch bisherige Impfungen unterlaufen. Doch sicher ist das alles nicht. Wenn es gut geht, wird in ein paar Wochen kaum noch jemand über B.1.1.529 reden. Vielleicht ist aber auch das Gegenteil der Fall.

Auch wenn Biontech versichert, sein Corona-Impfstoff könne im Falle des Falles sehr schnell an die neue Variante angepasst werden: Bis die Adaption erfolgt und erste Chargen verimpft werden können, gehen nach Angaben des Unternehmens mehr als drei Monate ins Land. Ergo: Das zieht sich dann hinein bis ins kommende Frühjahr. Die Nervenstärke von uns allen wird auf eine harte Probe gestellt. Schon wieder.

Nicht zu verzagen und den Optimismus zu behalten, scheint wichtiger denn je. Schon jetzt lastet die Pandemie wie Blei auf den Gemütern so ziemlich aller. Diskussionen über Impfpflicht, Rohstoffknappheit, Inflation und fragile Lieferketten währen lange. Jetzt sorgen sich viele Menschen noch stärker als bislang um ihre Gesundheit. Bei vielen machen sich wohl zusätzlich - ausgerechnet in der Weihnachtszeit - ein weiteres Mal Existenzsorgen und andere Zukunftsängste breit.

Auch bei Wirtschaftsführern und Ökonomen. Zwar ist sich die Politik einig, die etablierten Wirtschaftshilfen bis ins kommende Frühjahr hinein zu verlängern. Aber reicht das? Und was wird aus dem Potpourri an, mitunter überzeugenden, Projekten, die die künftige Ampelregierung in ihrem vor wenigen Tagen vorgestellten Koalitionsvertrag formulierte? Die Finanzierung der vielen Vorhaben für Wirtschaftsaufschwung, Klimawandel und sozialer Gerechtigkeit war schon bislang kaum überzeugend. Was, wenn die Welt - auch unsere - ein weiteres Mal in einen Lockdown rutscht? Sicher: Die neue Bundesregierung wird wohl Zeichen setzen und an so manchen Wahlversprechen festhalten wollen. Aber die politischen Umbauarbeiten drohen dann erst einmal zur Makulatur zu schrumpfen. Wenn sich der Globus in einen Ausnahmezustand versetzt wird, stehen andere Themen an.

Zuversicht ist wichtig!

Einen kleinen Vorgeschmack, was kommen könnte, gab es am Ende der Woche. Mit Ausnahme von Stay-at-Home-Aktien und Papieren von Impfstoff-Herstellern, brachen Börsenkurse weltweit ein. Für viele Investoren war das ein schwarzer Freitag. Dass er ausgerechnet auf den von Einzelhändlern zur Shopping-Ekstase ausgerufenen "Black Friday" fiel - Ironie der Geschichte. Konjunkturforscher werden ohnehin nicht zum Einkaufen gekommen sein. Ihre routinemäßig für die kommenden Tage terminierten Konjunkturprognosen müssen an die neuen Corona-Risiken angepasst werden. Bislang zeigten die konjunkturellen Hoffnungskurven für das kommende Jahr mehr oder weniger stark nach oben. Die Grafiken wird man jetzt umzeichnen und abflachen müssen. Konjunkturausblicke sind längst zu Pandemieprognosen geworden. Steigen die Corona-Risiken trübt das die Hoffnung auf eine rasche wirtschaftliche Erholung ein.

Trotzdem: Trübsal blasen nützt nichts. Zuversicht ist gefragt, auch in der Wirtschaftswelt. Bislang gelebte Drei-Jahres-Pläne und Excel-Charts mit Jahres-Projektionen sind von gestern. Schon kurz nach der ersten Corona-Welle im vergangenen Jahr warb der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Klaus Schweinsberg nicht nur bei Unternehmensführern für den Erwerb einer "Ungewissheitskompetenz". In Zeiten, wo nichts mehr planbar sei, müsse man eben kurzfristig gestalten und reagieren. Könnte so kommen. Klingt vielleicht banal: Aber Nervenstärke und Optimismus helfen dabei.

Quelle: ntv.de

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