Marktberichte

Bilanzen mit begrenztem Wert Aktienmarkt fordert weiter starke Nerven

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Am Aktienmarkt geht es derzeit bergauf und bergab. Das hat saisonale Gründe, liegt aber auch an der anhaltenden Unsicherheit wegen der Corona-Pandemie.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Noch vor wenigen Tagen schiebt sich der deutsche Leitindex Dax nahe an sein Allzeithoch - bricht dann aber ab. Zu groß sind inzwischen wieder die Unsicherheiten rund um die Corona-Pandemie. Händler rechnen auch künftig mit starken Schwankungen - Gründe sind unter anderem die Sommersaison und die Kleinanleger.

Anleger dürfen weiter nicht auf eine Sommerpause an den Märkten hoffen. Grund dafür ist unverändert das Coronavirus. In der kommenden Woche stehen dem Aktienmarkt nach Einschätzung von Analysten sogar turbulente Tage bevor. "Das Virus hat den Aktienmarkt weiter fest in der Hand", sagte Tobias Basse, Aktienstratege bei der NordLB. "Und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben." Wieder stärker steigende Infektionszahlen in Europa schürten hier zuletzt die Furcht vor einer zweiten Welle.

Hinzu kommt, dass die Sommermonate ohnehin als schwierig für den Aktienmarkt gelten - und in der kommenden Woche sind in fast allen Bundesländern gleichzeitig Schulferien, viele Händler sind im Urlaub, die Umsätze sind geringer als sonst, die Schwankungen dafür größer. Anleger werden daher wohl starke Nerven brauchen.

In der abgelaufenen Woche verlor der deutsche Leitindex Dax vier Prozent, das ist der größte Wochenverlust seit Mitte Juni. Auf die Stimmung drückten die in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern wieder zunehmenden Infektionen sowie der Einbruch der Wirtschaft im zweiten Quartal. Die Kontaktbeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus haben weltweit die Wirtschaftsleistung so stark sinken lassen wie nie zuvor und die Arbeitslosigkeit in die Höhe getrieben.

Die alles entscheidende Frage sei, wie sich die Neuinfektionen vor allem in den derzeit besonders betroffenen US-Bundesstaaten im Süden entwickelten, sagte Basse. "Sollten weitere Lockdowns nötig werden, ist die erhoffte Wirtschaftserholung im zweiten Quartal in Gefahr." Immerhin scheine US-Präsident Donald Trump "inzwischen begriffen zu haben, dass eine Eindämmung der Pandemie seine Wahlchancen im November eher erhöht", schrieb Matthias Krieger, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg. "Insofern besteht Hoffnung auf ein Gegensteuern."

Berichtssaison läuft auf Hochtouren

Zuletzt schienen die Aktienmärkte von einer schnellen und kräftigen Wirtschaftserholung auszugehen, sagte Rainer Weyrauch, Experte bei der Fürst Fugger Privatbank. Vor wenigen Tagen fehlten ihm nur noch weniger als 500 Punkte zu einem Rekord, über den 13 000 Punkten haben die Anleger dann aber doch kalte Füße bekommen - berechtigterweise, wie einige Experten sagen. Anzeichen dafür, wie es im Sommerquartal weitergehen könnte, liefern in der kommenden Woche unter anderem die Daten zum Auftragseingang und zur Produktion der deutschen Industrie sowie zum Außenhandel in Deutschland und den USA.

Getrieben seien die Kurse zuletzt auch von den massiven Geldspritzen von Regierungen und Notenbanken. "Hinzu kommt, dass bemerkenswert viele Privatanleger die Börsen gerade neu für sich entdecken", sagte Weyrauch. "Traditionell führt das übrigens zu Fehlentwicklungen. Daher ist es gut, dass zumindest viele professionelle Marktteilnehmer skeptisch sind und wir so von einer gefährlichen Euphorie weit entfernt sind."

Für weiteren Gesprächsstoff sorgt die Bilanzsaison der Firmen: Mit unter anderem der Allianz, BMW, Infineon, Siemens, Adidas und der Münchener Rück legen eine Reihe hochkarätiger Dax-Mitglieder ihre Geschäftszahlen vor. Für viele der Unternehmen dürften dabei im zweiten Quartal tiefrote Zahlen in den Büchern stehen. Börsianer achten daher wohl vor allem auf den Ausblick für Anzeichen, wie schnell es wieder aufwärtsgehen könnte.

Quelle: ntv.de