Marktberichte

"Grexit" sticht Deutsche Bank aus Dax-Anleger fürchten um 11.000er Marke

Es gibt sie noch: positive Schlagzeilen von der Deutschen Bank. Aber selbst ein Kurssprung der Aktie kann den Dax nicht aus seinem Tief hieven. Zu schwer lasten die Dauer-Sorgenthemen.

Der Start in die neue Handelswoche ist daneben gegangen. Erleichterung bei den Aktionären der Deutschen Bank, Verunsicherung wegen der Griechenland-Krise bei den Anlegern am deutschen Aktienmarkt - diese zwei Themen bestimmten den Montagshandel. Selbst ein zeitweiliger Kurssprung von mehr als 8 Prozent bei der Aktie der Deutschen Bank und damit eine Steigerung der Marktkapitalisierung um rund drei Milliarden Euro auf einen Schlag konnte den Dax nicht ins Plus ziehen. Das Minus wurde dadurch noch größer, denn neben Griechenland belastete nun auch das nächste Dauerthema, die möglicherweise anstehende Zinswende in den USA.

Der Dax, der am Morgen nur ein leichtes Minus vorwies, weitete das bis zum Nachmittag deutlich aus. Nach dem Tagestief bei 11.059 Punkten, schloss der deutsche Leitindex dann 1,2 Prozent leichter bei 11.065 Zählern. Charttechnisch ist nun ein weiterer Rutsch möglich, 11.000 Punkte werden am Markt als Zielwert diskutiert. Der MDax gab indes 1,1 Prozent auf 19.793 Stellen nach. Der TecDax präsentierte sich lange stark, wies zeitweise sogar ein Plus auf, verabschiedete sich dann aber auch schwächer aus dem Handel: -0,5 Prozent bei 1661 Punkten.

Dauerzwist mit Griechenland

Als zu starker Belastungsfaktor wurde das endlose Gezerre zwischen Griechenland und seinen Gläubigern gesehen. Regierungschef Alexis Tsipras hatte am späten Freitagabend vor dem griechischen Parlament die Forderungen aus Brüssel einmal mehr als "absurd" bezeichnet. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte derweil, es werde keine neuen Gespräche geben, bis Griechenland einen Gegenvorschlag vorgelegt habe. Das die Lage ernst ist, bewies auch eine Aussage von Frankreichs Finanzminister Michel Sapin, der in einem Grexit "kein Drama" sieht.

Das Hilfsprogramm für Griechenland läuft Ende des Monats ab. Zu diesem Zeitpunkt muss das Land zudem gebündelte IWF-Kredite über rund 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Die Societe Generale schätzt die Wahrscheinlichkeit einer Pleite Griechenlands mit 40 Prozent ein. Das nächste wichtige Ereignis sei nun das Treffen Tsipras mit den Gläubigern am kommenden Mittwoch. Außerdem geben die Kurse am Anleihemarkt wieder nach, die Renditen stiegen also weiter, was zusätzlich für Verunsicherung sorgt. Die deutsche Zehnjahresrendite liegt mittlerweile bei 0,86 Prozent, nachdem sie Mitte April nur noch minimal im Plus gelegen hatte. Steigende Marktzinsen machen Investitionen am Aktienmarkt relativ betrachtet unattraktiver.

Als tendenziell belastend wurden im Handel auch neue Wirtschaftsdaten aus China eingestuft. Die Importe nach China waren im Mai erneut rückläufig. Wenig Beachtung fanden dagegen die besser als erwartet ausgefallenen Daten zum japanischen Wirtschaftswachstum.

Deutsche Bank: Befreiungsschlag

Mit einem Kurssprung reagierten die Aktien der Deutschen Bank auf die Ankündigung eines neuen Chefs und den ba ldigen Abgang von Co-Chef Anshu Jain. Der Kurs der Anteilsscheine der Bank schoss zeitweise mehr als 8 Prozent in die Höhe und kratzte an der 30-Euro-Marke. Danach pendelte er sich um 5 bis 6 Prozent fester ein, schloss dann bei rund 4 Prozent.

"Der Vorstandswechsel ist klar positiv", sagte Heino Ruland von Ruland Research. Der neue Co-Vorstandsvorsitzende John Cryan habe eine erfolgreiche Laufbahn im Investmentbanking hinter sich. Er habe den Verkauf der ABN Amro an die RBS gemanagt und später als Finanzvorstand der UBS Asset-Verkäufe von mehr als einer Billion Dollar auf den Weg gebracht. Ruland glaubt nicht, dass er einfach nur die eingeleitete Strategie fortführt.

Commerzbank-Titel hielten sich im Sog zunächst im positiven Bereich, drehten am Nachmittag aber ins Minus. Dort lagen sie auch zum Handelsende: etwa 1 Prozent schwächer. Continental und BMW warteten mit Abschlägen von 1,9 und 1,8 Prozent auf. Sie führten die Verliererliste an.

Deutsche Post: Unbefristeter Arbeitskampf

Bei der Deutschen Post begann ein unbefristeter Streik: Das Unternehmen habe sich in den bisherigen se chs Verhandlungsrunden "keinen Millimeter in Richtung einer Lösung" bewegt und darüber hinaus ein von Verdi vorgelegtes Angebot "ignoriert", so die Gewerkschaft. Man müsse deshalb nun "den Druck erhöhen". Die Post-Aktien büßte rtwa 0,8 Prozent ein.

USA: Die Wall Street und die Zinswendeg

DDie US-Börsen haben mit leichten Kursverlusten geschlossen. Der Markt suche weiter nach einer Richtung, hieß es von Börsianern. Die guten US-Jobdaten vom Freitag haben zwei Seiten: Konjunkturerholung auf der einen und Zinserhöhungssorgen auf der anderen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,5 Prozent auf 17.766 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,7 Prozent auf 2079 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,9 Prozent auf 5021 Punkte.

Bei den Einzelwerten legten Monsanto 0,1 Prozent zu, nachdem der schweizerische Wettbewerber Syngenta auch das zweite Gebot des US-Agrochemiekonzerns zurückgewiesen hat. Die Apple-Aktie lag 0,7 Prozent im Minus. Der iPhone-Konzern hält am Montag eine Entwickler-Konferenz ab, wo unter anderem ein neuer Musikstreaming-Service vorgestellt werden dürfte. Der Technologiekonzern General Electric (GE) schreitet mit dem Ausverkauf seiner Finanzsparte GE Capital energisch voran. GE steht jetzt offenbar kurz davor, einen Geschäftsteil, der Finanzierungen für Beteiligungsgesellschaften bietet, an Kanadas größten Pensionsfonds zu veräußern. Die Aktie tendierte nahezu unverändert.

Devisen: Beruhigung beim Euro, Lira unter Druck

Die Wahlschlappe der AKP sorgte indes für Turbulenzen an der Börse in Istanbul - der Leitindex fällt zeitweise um mehr als 8 Prozent - und bei der türkischen Währung. Die Lira gab im Handel mit dem US-Dollar zeitweise um 5,4 Prozent nach und erreichte ein neues Rekordtief. Für einen Dollar mussten knapp 2,80 Lira gezahlt werden - so viel wie noch nie.

Am Devisenmarkt nahm der Euro an Fahrt auf und stieg auf rund 1,1290 Dollar. US-Präsident Barack Obama hatte auf dem G7-Gipfel angeblich gesagt, dass der starke Dollar für die USA zu einem Problem geworden sei. Obama dementierte später, dies gesagt zu haben, was den Fall des Greenback aber nicht bremste.

Asien: Shanghai Composite knackt 5000er Marke

Die Börse in Schanghai war zum Wochenausklang in Rekordlaune. Der Shanghai-Composite kletterte erstmals seit sieben Jahren wieder über 5000 Punkte und schloss auch über diesem Niveau. Damit scheint er vorerst eine Phase höchst volatiler Handelstage zu beenden, die zuletzt für heftige Ausschläge gesorgt hatten. Mit dem Anstieg auf ein Rekordhoch untermauere der Index seinen Status als einer der besten Performer 2015, so ein Beobachter. Der Shanghai-Composite stieg um 1,5 Prozent auf 5023 Punkte. "Die Volatilität ist nicht aus dem Markt verschwunden, doch wir sehen nun eine Neuverteilung der Liquidität", merkte Analyst Li Lei von China Minzu Securities an 

Leicht abwärts ging es dagegen mit dem Nikkei-225 in Tokio, der um 0,1 Prozent auf 20.461 Punkte fiel. Hier verwiesen Teilnehmer auf verstärkte Zurückhaltung im Vorfeld der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts für Mai am Freitag. "Die Arbeitsmarktdaten sind zwar immer auf dem Radar der Anleger, doch dieses Mal sind sie besonders wichtig, denn sie könnten entscheidend für die weitere Zinspolitik der US-Notenbank sein", sagte Stratege Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

Rohstoffe: Gold wieder teurer

Der Goldpreis erholt sich etwas von den deutlichen Abgaben am Freitag. Die Feinunze wurde zum Settlement mit 1.173,60 Dollar bezahlt. Das waren 0,5 Prozent bzw 5,50 Dollar mehr als am Freitag. Der Ölpreis profitierte nicht von der Abwertung des Dollar, der Öl für Käufer aus anderen Währungsgebieten wie etwa der Eurozone billiger macht. Vielmehr schürten enttäuschende chinesische Importdaten Befürchtungen, dass die Nachfrage zurückgehen könnte. Das Barrel der Sorte WTI ermäßigte sich um 1,7 Prozent bzw 0,99 Dollar auf 58,14 Dollar. Für die europäische Sorte Brent ging es um 1 Prozent bzw 0,62 Dollar auf 62,69 Dollar nach unten.

Quelle: ntv.de, bad/wne/DJ/rts/dpa

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