Marktberichte

Wall Street wartet auf Job-Report Dax-Anleger wagen nichts

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Auf- oder absteigender Ast?

(Foto: picture alliance / dpa)

Gute Rückmeldungen aus der deutschen Industrie, Begeisterung für Osram - es mangelt nicht an guten Nachrichten. Doch die Anleger lassen diese kalt. Sie wollen Hinweise zur Geldpolitik der Fed.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich erneut in Zurückhaltung geübt. Der Leitindex Dax schwankte in einer schmalen Spanne und ging 0,16 Prozent tiefer bei 10 568,80 Punkten aus dem Handel. Die Gewinne vom Wochenauftakt bröckelten damit weiter ab.

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Die Investoren richteten sich in einem vergleichsweise ruhigen Umfeld bereits auf die Veröffentlichung des wichtigen US-Arbeitsmarktberichts ein, sagte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Anlagestratege Christoph Geyer von der Commerzbank machte zudem eine gewisse Lethargie bei den Anlegern aus. So ist der Dax schon seit einigen Wochen unter dem Strich eher richtungslos.

Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax verzeichnete am Donnerstag ein Minus von 0,05 Prozent auf 21 559,08 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gab um 0,08 Prozent auf 1808,52 Zähler nach. "Die Investoren sitzen an der Seitenlinie und warten auf neue Hinweise für die Geldpolitik der Fed bis zum Jahresende", sagt Jamieson Blake von ADS Securities. "Es dreht sich mal wieder alles um den Job-Report."

Positive Signale aus der deutschen Industrie spielten kaum eine Rolle. Der deutsche Auftragseingang ist im August um 1,0 Prozent gestiegen, nachdem nur ein Plus von 0,2 Prozent erwartet worden war. Die Flaute zur Jahresmitte scheine vorerst ausgestanden, erklärte Analyst Christian Lips von der NordLB. Die Wirtschaft habe den ersten Brexit-Schock gut verdaut. Die Commerzbank relativierte allerdings: Der Trend in der Industrie weise eher nach unten als nach oben. "Eine Schwalbe macht noch keinen Aufschwung", so Analyst Ralph Solveen.

Die Investoren positionierten sich für die Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts an diesem Freitag, konstatierte auch Analyst Erlam Oanda. Der Arbeitsmarkt ist wichtig für die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Starke Daten könnten bei den Anlegern durchaus die Sorge wecken, dass die Fed mit einer baldigen Leitzinserhöhung den Geldhahn etwas weiter zudrehen könnte.

Die jüngsten Sorgen, die EZB könnte ihre Anleihekäufe zügiger zurückfahren als erwartet, haben sich mit dem jüngsten Sitzungsprotokoll vom September erst einmal verflüchtigt.

Innogy macht Hoffnung - RWE verliert

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Auf der Unternehmensseite wurde die Übernahmefantasie beim Lichtkonzern Osram weiter angestachelt. Bis Mitte des Monats wolle der chinesische Halbleiterkonzern San'an Optoelectronics ein "qualifiziertes Angebot" vorlegen, berichtete die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Die Rede sei von einem Preis von etwa 70 Euro pro Aktie. Die Osram-Aktien schnellten um 10,38 Prozent auf 59,95 Euro nach oben und waren damit der Spitzenreiter im MDax.

Die Papiere des Industriedienstleisters Bilfinger verteuerten sich angesichts von Millionenaufträgen aus der Öl- und Gasindustrie in Norwegen um 5,68 Prozent. Der Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor überzeugte die Anleger mit der Umsatzentwicklung im abgelaufenen Quartal.

Mit Spannung hatten Anleger am Morgen auf den Emissionspreis von Innogy gewartet: Angesichts der hohen Nachfrage ist die Preisspanne der Aktien der RWE-Tochter auf das obere Ende 35 Euro bis 36 Euro festgelegt worden. Bisher lag die Bandbreite bei 32 Euro bis 36 Euro je Anteil.

Der Börsengang von Innogy, die das Geschäft mit erneuerbaren Energien des Stromkonzerns RWE bündelt, ist für den morgigen Freitag geplant. Heute werden die Bücher geschlossen. Der Kurs von RWE nimmt die Kursbereinigung durch die Abspaltung der Tochter vorweg. Der Kurs büßte zuletzt 1,7 Prozent ein.

Abwärts ging es für die Lufthansa-Aktie. Die Papiere verloren 1,42 Prozent. Ein möglicher Arbeitskampf bei der Lufthansa-Tochter Eurowings belastete den Kurs.

Wall Street: Zinsspekulationen belasten

Nach den Vortagesaufschlägen haben sich die Aktienkurse an der Wall Street kaum bewegt. Der Dow-Jones-Index verlor 0,1 Prozent auf 18.269 Punkte, der S&P-500 stieg um 0,1 Prozent, der Nasdaq-Composite fiel um 0,2 Prozent.

Vor allem die jüngsten Arbeitsmarkt-Daten, die einen unerwarteten Rückgang der Anträge auf Arbeitslosen-Hilfe ausgewiesen hatten, stärkten die Annahme, dass die US-Notenbank im Dezember an der Zinsschraube drehen werde, sagten Händler.

"Gute Nachrichten aus der Wirtschaft können schlechte Nachrichten für die Finanzmärkte sein", sagte der Analyst Phil Davies vom Broker PSW Investments. Höhere Zinsen bedeuten für Unternehmen potenziell höhere Investitionskosten. Zudem verteuert sich für Verbraucher der Kauf auf Pump.

Doch während sich die Verluste am breiten Markt in Grenzen hielten, erlebte die Twitter-Aktie einen regelrechten Absturz um gut 20 Prozent, nachdem sie in den vergangenen Tagen von Übernahmespekulationen profitiert hatte. Wie es aussieht, will nun doch keiner den Kurznachrichtendienst haben: Laut einem Bericht einer auf Technologiethemen spezialisierten Nachrichtenseite ist nicht mit Geboten durch Apple, Alphabet oder Walt Disney zu rechnen.

Die Titel des Software-Unternehmens Salesforce stiegen um 4,2 Prozent. Das Unternehmen gilt als potenzieller Käufer des Kurznachrichtendienstes und war dafür von Analysten heftig gescholten worden, was die Aktie zuletzt stark belastet hatte.

Hurrikan lastet auf Versicherungen

Nach einer Abstufung durch Goldman Sachs büßten die Titel des Elektroautomobilherstellers Tesla 3,6 Prozent ein. Goldman hatte auch den ganzen US-Autosektor auf "Cautious" von "Neutral" zurückgestuft. Eine Verkaufsempfehlung der Nomura-Analysten drückte den Kurs von American Express um 3,8 Prozent.

Der Einzelhandelskonzern Wal-Mart ist nicht sonderlich optimistisch für das kommende Jahr. Der Gewinnausblick ist eher verhalten. Das Unternehmen senkt zudem seine Investitionen weiter und versucht, sich dem für den stationären Handel schwierigen Umfeld anzupassen. Die Aktie gab 3,2 Prozent nach.

Der Pharmakonzern Pfizer verkauft sein Geschäft mit Infusionstechnologie. Die Sparte mit dem Namen Hospira Infusion Systems geht für rund 1 Milliarde US-Dollar an die kalifornische ICU Medical. Pfizer büßten 0,7 Prozent ein.

Hurrikan Matthew lastete schwer auf den Aktien von Versicherern, allen voran auf dem Kurs von Universal Insurance, deren Kurs um gut 12 Prozent einbrach. Universal verfügt über den größten Marktanteil der Branche in Florida. Gefragt waren dagegen die Aktien der Hersteller von Baustoffen und Bedachungsmaterialien.

Asien: Börsen feiern US-Daten

Die Aktienmärkte in Fernost hatten angesichts der jüngsten US-Daten und steigender Ölpreise zugelegt. Wachsende Spekulationen auf eine US-Zinsanhebung drückten den Goldpreis und ließen den Dollar zum Yen steigen.

"Während der US-Wirtschaftstrend noch unklar ist, deutet die Erholung in Japan und China darauf hin, dass der globale Wirtschaftszyklus sich fürs Erste erholt", sagte Chotaro Morita von SMBC Nikko Securities.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gewann 0,2 Prozent. Der Nikkei-Index in Tokio stieg um ein halbes Prozent auf 16.899 Punkte, in Hongkong ging es im Späthandel ebenfalls um ein halbes Prozent nach oben. Sydney schloss knapp 0,6 Prozent höher. Nicht gehandelt wurde erneut an den chinesischen Festlandsbörsen, weil dort die einwöchigen Nationaltagsfeierlichkeiten im Rahmen der sogenannten Goldenen Woche stattfinden.

In Seoul ging es für den Kospi um 0,6 Prozent nach oben. Tagesthema dort war das Rekordhoch des Schwergewichts Samsung Electronics. Die Aktie ging mit einem Plus von 4,3 Prozent aus dem Tag, nur knapp unter dem Tageshoch. Für Kursfantasie sorgte ein Brief des aktivistischen Investors Elliott Management, in dem dieser eine Restrukturierung und eine Aufspaltung der Aktivitäten des Konzerns in zwei Geschäftsbereiche fordert, außerdem eine Dividendenerhöhung. Elliot hält die Samsung-Aktie demnach für 70 Prozent unterbewertet.

In Hongkong stieg die Aktie des Computer-Anbieters Lenovo, der das PC-Geschäft von Fujitsu übernehmen will, um 2,5 Prozent. Fujitsu machten sogar sieben Prozent gut.

Rohstoffe: Ölpreise steigen

Die Rally am Ölmarkt setzte sich derweil fort. US-Leichtöl der Sorte WTI stieg erstmals seit Ende Juni über die wichtige 50-Dollar-Marke. Zum Settlement verteuerte sich WTI um 1,1 Prozent auf 50,44 Dollar. Brent-Öl sprang klar über die Marke von 52 Dollar. Im Handel wurde auf ein weiteres informelles Treffen des Erdölkartells Opec am Wochenende in Istanbul verwiesen. Auch Russland, das nicht der Opec angehört, wird dort vertreten sein, wie aus informierten Kreisen verlautet. Diese neuerliche Zusammenkunft untermauere den Willen, sich auf eine Förderbegrenzung zu verständigen, hiéß es im Handel.

Die Skepsis unter Analysten über einen Erfolg der Versuche bleibt aber bestehen. Einige senkten sogar ihre Preisprojektionen. Doch auch der fortgesetzte Lagerabbau in den USA treibt die Preise. Zudem zieht Wirbelsturm "Matthew" auf die US-Küste zu, auch wenn es zunächst nicht nach einer Beeinträchtigung der Ölindustrie in den USA aussah. Allerdings wurde der Hurrikan auf die Stufe 4 von Stufe 3 hochgestuft, und Präsident Barack Obama verhängte den Ausnahmezustand über Florida.

Devisen: Dollar stärker, Pfund schwächer

Die sich immer deutlicher abzeichnende Leitzinserhöhung in den USA stützte den Dollar, der Euro neigte mit 1,1150 Dollar nach Wechselkursen über 1,12 am Vorabend zur Schwäche. Auch gegenüber anderen Währungen blieb der Greenback auf dem Vormarsch. Das wegen der Sorgen um einen "harten Brexit" zuletzt stark unter Druck geratene britische Pfund fiel abermals unter 1,27 Dollar und ging am Abend mit etwa 1,2615 Dollar um. Über 30 Jahre wurde das Pfund über dieser Marke gehandelt.

Zinserhöhungsfantasien und Dollarstärke drückten den Goldpreis zum Settlement um weitere 1,2 Prozent auf 1.253 Dollar, den tiefsten Stand seit Anfang Juni. Fünf Tage währte die Talfahrt des Edelmetalls nun schon.

Quelle: ntv.de, ddi/bdk/rts/dpa

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