Marktberichte

Satte Gewinne dank Tsipras Dax beendet Woche mit Paukenschlag

So etwas nennt man wohl "Endspurt hinlegen": An den letzten beiden Handelstagen dieser Woche sprengt der Dax mit einem Plus von rund 570 Punkten alle Krisen- und Crash-Ketten. Neuigkeiten aus Griechenland und China sind die Gründe.

Mit einem Kursfeuerwerk hat sich der deutsche Aktienmarkt ins Wochenende verabschiedet. Dem eingereichten Reformpapier der griechischen Regierung kam dabei eine Schlüsselrolle zu. Da zudem gleichzeitig die chinesischen Börsen erneut kräftige Gewinne verbuchten, ließen sich die Anleger hierzulande nicht lumpen und verhalfen dem Dax zu einem satten Kurssprung - dem zweiten in Folge.

Der Dax ging mit einem Aufschlag von 2,9 Prozent und 11.316 Punkten aus dem Handel. Das Tageshoch hatte er bei 11.324 Punkten markiert - ein Aufschlag von 330 Punkten gegenüber dem Donnerstagsschlusskurs von 10.996. Auch am Donnerstag war der Dax kräftig gestiegen: um 250 Punkte oder 2,3 Prozent. Der MDax verbesserte sich zum Wochenschluss um 2,2 Prozent auf 20.239 Stellen. Am deutlichsten sprang aber der TecDax an, der sich bei 1703 Punkten mit einem Plus von 3,5 Prozent ins Wochenende begab - daran waren SMA Solar nicht ganz unschuldig.

Ein Papier sorgt für Hochstimmung

"Die Angst dominierte in den letzten Tagen und in solchen Phasen sollte man wachsam sein, Gelegenheiten nutzen", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research den letzten Handelstag der Woche. "Das bedeutet nicht, dass alle Risiken vom Tisch wären. Doch sie könnten den Anlegern sogar in die Karten spielen."

Für n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf ist "der Grexit nun unwahrscheinlicher geworden". Allerdings gebe es einige Knackpunkte in dem Athener Reformpapier, das sei zu bedenken, sagte sie. Die Entscheidung sei daher weiter offen, jede kritische Nachricht aus Brüssel könne für einen Dämpfer an den Märkten sorgen. "Aber die Börse feiert vor - und geht von einer Lösung aus", so Marggraf.

Die Athener Regierung hatte fristgerecht neue Reformvorschläge vorgelegt. Vorgesehen ist demnach etwa, die Belastungen für Reedereien zu erhöhen und Steuervergünstigungen für Inseln zu streichen. Im Gegenzug verlangt Griechenland 53,5 Milliarden Euro, um bis 2018 seine Schulden bezahlen zu können. Die Vorschläge werden nun von den internationalen Gläubigern bewertet. Am Samstag sollte die Eurogruppe über die Vorschläge beraten, am Sonntag dann gegebenenfalls ein EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs stattfinden.

"Die Lage in Griechenland bleibt prekär und die Banken mindestens bis Montag geschlossen", kommentierte die Helaba zu rückhaltender. "Die Griechen machen einen Schritt auf die Gläubiger zu. Das war nicht zu erwarten nach dem Referendum am Sonntag. Wir sehen eine deutlich gestiegene Chance auf eine Einigung am Wochenende", sagte dagegen Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. Griechenland habe ein positives Signal ausgesendet, begründete Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel.

Dax: Banken vorn

Bei den Einzelwerten schlossen alle 30-Dax-Werte im Plus. VW wiesen dabei mit rund 1 Prozent den geringsten Aufschlag auf. Hier dürften schwache Daten vom chinesischen Automarkt der Grund gewesen sein. Deutsche-Bank-Papiere gewannen rund 4 Prozent, Coba-Titel etwa 3 Prozent. See profitierten von dem neuen Hoffnungsschimmer in der griechischen Schuldenkrise, europaweit konnten Bankentitel zulegen.

Am deutlichsten verteuerten sich Telekom-Papiere im Dax: Fast 5 Prozent betrug das Plus am Handelsende. Der Bonner Konz ern würde einen Zukauf beim griechischen Telekomkonzern OTE prüfen, wenn die Regierung in Athen ihre verbliebenen staatlichen Anteile zum Verkauf stellt. In der umfassenden Vorschlagsliste mit Reformen willigte die Regierung in die Veräußerung ein. Für die Telekom, die derzeit bereits 40 Prozent an OTE hält, sei der Kauf von weiteren 10 Prozent eine Option, hieß es.

MDax: Kuka auf Allzeithoch

Wegen anhaltend guter Nachfrage erwarteten die Analysten von Baader-Helvea eine Anhebung der Prognose bei Kuka mit Bekanntgabe der Zweitquartalszahlen im August. Anleger vergaben bereits Vorschusslorbeeren. Die Aktie stieg zeitweise bis auf ein neues Allzeithoch von 79,87 Euro. Am Schluss betrug das Plus rund 4,5 Prozent.

TecDax: Sonne scheint über SMA

Im TecDax gingen die Aktien von SMA Solar nach Anhebung der Jahresprognose durch die Decke. Die Titel gewannen zeitweise mehr als 25 Prozent, am Ende betrug das Plus noch satte 23 Pr ozent. "Ein fundamentaler Kurssprung", sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Bei United Internet gefielen die Pläne für einen Börsengang der Webhosting-Sparte. Die Papiere kletterten um rund 6,5 Prozent. Beide Titel führten damit gemeinsam mit Nemetschek ( plus7 Prozent) die Gewinnerliste an.

USA: Dickes Plus an der Wall Street

Griechenland und China - an der Wall Street kletterten die Kurse ebenfalls. So sahen die Analysten von Daiwa Capital Markets Europe den Weg für eine Einigung Athens mit den Geldgebern geebnet. Gleichwohl dürften die anstehenden Verhandlungen kein Selbstläufer werden, weil die Gläubiger möglicherweise weitere Sparmaßnahmen forderten, hieß es mahnend. In China setzte sich die Erholung des Aktienmarktes fort, auch das half den US-Börsen. Allerdings blieben in den USA die Marktexperten ob der Nachhaltigkeit skeptisch. Die Volatilität dürfte weiterhin hoch bleiben, hieß es.

Der Dow-Jones-Index legte zum Wochenausklang um 1,2 Prozent zu und schloss bei 17.760 Punkten. Der S&P-500 verbesserte sich ebe nfalls um 1,2 Prozent auf 2076 Stellen. Der Nasdaq Composite ging um 1,5 Prozent auf 4997 Zähler hoch.

Asien: Shanghai hui, Nikkei pfui

Die Erholung an den chinesischen Börsen hatte sich am Morgen fortgesetzt. Nach etlichen Stützungsversuchen der Regierung ging es für den Shanghai Composite Index bis zum Handelsende um 4,6 Prozent nach oben. Am Donnerstag waren es noch 6 Prozent gewesen. Die Anleger blieben damit aber auf der Hut. "Die Kurse sind wegen der drastischen Maßnahmen der Regierung oben, deswegen geht der Markt noch nicht voll auf Risiko", sagte Devisenstratege Shinichiro Kadota von Barclays in Tokio. Der japanische Nikkei gab allerdings ab und schloss 0,4 Prozent leichter bei 19.780 Punkten.  

Devisen: Euro über 1,11

Am Devisenmarkt schauten die Investoren nicht nur auf die Schuldenkrise Griechenlands. Der Blick richtete sich auch auf die Rede von US-Notenbankchefin Janet Yellen auf einer Veranstaltung in Cleveland/Ohio. Hinsichtlich einer Zinswende in den Vereinigten Staaten hielt sie sich weiter bedeckt. Noch sei die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt nicht ganz zufriedenstellend, so Yellen. Der Euro konnte im Vorlauf zum Dollar deutlich zulegen, überwand am Vormittag die 1,11er Marke und pendelte sich am Abend bei 1,1130 Dollar ein. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1185 Dollar festgesetzt - nach noch 1,1054 Dollar am Donnerstag. 

Rohstoffe: Preisauftrieb vorbei?

Die Ölpreise legten zunächst ebenfalls weiter zu. Händler verwiesen auch hier auf die starken Kursgewinne an der chinesischen Börse, aber auch auf die feststeckenden Gespräche über das iranische Atomprogramm. Am Abend zeigte sich dann ein anderes Bild: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 58,40 Dollar. Das waren 0,6 Prozent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um 0,1 Prozent auf 52,59 Dollar.

Quelle: n-tv.de, bad/bdk/rts/dpa/DJ

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