Marktberichte

Wall Street schließt im Plus Dax fängt sich nach US-Jobdaten-Schock

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Noch mal gut gegangen: Nach zwischenzeitlich deutlichen Verlusten kann der Dax am Ende sogar zulegen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kräftig durchgeschüttelt wird der Dax am Nachmittag von enttäuschenden Daten zum US-Arbeitsmarkt. Nach einem steilen Fall auf unter 9800 Punkte berappelt sich der deutsche Leitindex wieder. Auf Wochensicht bleibt ein Minus von rund 170 Punkten.

Nur kurzzeitig schockte der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht - auch Payrolls genannt - die Anleger am deutschen Aktienmarkt. Die US-Wirtschaft hat im April außerhalb der Landwirtschaft lediglich 160.000 neue Stellen geschaffen statt der erwarteten 205.000. Nach einem Ausrutscher und Fall um minus 1,1 Prozent erholte sich der deutsche Leitindex aber wieder und schloss am Ende 0,2 Prozent höher auf 9870 Punkten.

"Nach phasenweise über 700 Punkten Minus innerhalb von nur 12 Handelstagen ist der Markt stark überverkauft", so ein Händler. Nach dem US-Arbeitsmarktbericht hätten dann noch letzte Anleger auf den Verkaufsknopf gedrückt, nun sei der Markt "sauber". Positiv sei dem Arbeitsmarktbericht zu entnehmen, dass die Zinserhöhungsspekulation weiter nachlasse. Goldman habe die Erwartung an die nächste Zinserhöhung von Juni auf September verschoben.

Auch nach dem US-Arbeitsmarktbericht bleibt die zukünftige Geldpolitik in den USA unklar. "Das Fischen im Trüben geht weiter", sagte Dwight Bolden vom Bankhaus Metzler. Die Zinserhöhungserwartungen seien nun aber weiter gedämpft worden. Die Zinsfalken hätten ein weiteres Argument verloren.

Im Vorfeld der Daten hatte der Präsident der Federal Reserve Bank of Dallas, Robert Kaplan, gesagt, dass er eine Anhebung der Leitzinsen im Sommer unterstütze, wenn die Konjunktur weiter an Fahrt gewinne. Der Präsident der Federal Reserve Bank of San Francisco, John Williams, hält es für angebracht, die US-Leitzinsen im laufenden Jahr zwei- bis dreimal zu erhöhen. An der Börse wird dagegen allenfalls mit einer Zinsanhebung am Ende des Jahres gerechnet.  Arcelormittal unter Druck - Schulden deutlich gestiegen

Wenig Überraschendes lieferten die Erstquartalszahlen von Arcelormittal für Jefferies-Analyst Seth Rosenfeld. Das Ebitda sei mit 927 Millionen Dollar leicht oberhalb der Markterwartung von 914 Millionen Dollar ausgefallen, habe allerdings die eigene Schätzung von 945 Millionen Dollar verfehlt. Überzeugt habe das Geschäft in der Nafta-Region, Europa und Brasilien hätten dagegen die Erwartung knapp verfehlt. Arcelormittal verloren mit Gewinnmitnahmen 2,0 Prozent.

Frankfurt: Evonik starten nach Übernahme im MDax durch

VW Vorzüge
VW Vorzüge 186,82

Der Dax konnte am Nachmittag nach seinem Tagestief bei 9737 Punkten wieder Boden gutmachen und schloss 0,2 Prozent im Plus auf 9870 Punkten. Für den MDax ging es hingegen 0,1 Prozent nach unten auf 20.042 Zähler. Leichte Verluste auch beim TecDax, der 0,1 Prozent nachgab auf 1600 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 verlor ebenfalls 0,1 Prozent auf 2938 Zähler.

Größte Gewinner im Dax waren Volkswagen, die 2,8 Prozent zulegten. Eine Investoren-Veranstaltung in London ist laut Marktteilnehmern gut angekommen und löst Käufe aus. Der Stoxx-Auto-Index hielt sich mit einem Minus von 0,8 Prozent vergleichsweise gut.

SAP verloren 0,3 Prozent. "Einen direkten Kurstreiber für SAP sehe ich nicht in der Nachricht", so ein Händler zu der Kooperation mit Apple. SAP habe hier keine Alleinstellungsmerkmal, Apple arbeite bereits mit Unternehmen wie IBM und Cisco zusammen. Positiv für Apple sei dagegen, dass das Unternehmen nun ein Zielgruppe erreiche, die dem Unternehmen in dieser Weise bisher verschlossen war.

Evonik
Evonik 28,36

Evonik standen im MDax auch nach der Bekanntgabe der Übernahme der Performance-Materials-Sparte von Air Products auf der Gewinnerseite. Der Kurs zog um 4,5 Prozent an. "Der Kaufpreis liegt im Rahmen der Erwartungen", sagte ein Händler. Mit 3,8 Milliarden Dollar treffe er die Prognosen und sei für ein Spezialunternehmen in Ordnung. Insgesamt sei die Übernahme positiv: "Der neue Bereich passt zu Evonik", sagte er.

Nach anfänglichen Gewinnen drehten Rhön Klinikum ins Minus und schlossen am Ende 2,3 Prozent tiefer. Es dürfte sich um Gewinnmitnahmen gehandelt haben: Der Klinikbetreiber äußerte sich zufrieden über den Jahresauftakt. Der Umsatz habe bei 291,5 Millionen Euro gelegen und der operative Gewinn bei 68 Millionen Euro.

USA: Wall Street verzeichnen weiter leichte Verluste

Dow Jones
Dow Jones 35.609,34

Die US-Börsen notieren nach einem unerwartet schwachen Arbeitsmarktbericht auch im weiteren Handel im Minus. Im April entstanden in der US-Wirtschaft nur 160.000 Jobs. Volkswirte hatten aber mit 205.000 gerechnet. Die US-Wirtschaft hat sich zuletzt merklich abgekühlt. Rasche Zinserhöhungen der Notenbank Fed werden dadurch unwahrscheinlicher. "Das ist eine enttäuschende Zahl", sagte Ökonom Russell Price von Ameriprise Financial Services. Die Nachfrage sei schwach, weswegen Unternehmen jetzt zögerten.

Der Dow Jones ging mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 17.740 Punkten aus dem Handel. Er pendelte zwischen 17.580 und 17.744 Zählern. Der breiter gefasste S&P legte um 0,3 Prozent auf 2057 Stellen zu. Der Nasdaq gewann 0,4 Prozent auf 4736 Zähler. Im Wochenverlauf verlor der Dow 0,2 Prozent, der S&P-500 0,4 Prozent und der Nasdaq-Index 0,8 Prozent.

Titel des Bewertungsportals Yelp legten um knapp 24 Prozent zu. Das Online-Unternehmen hatte einen Gewinn über den Erwartungen der Experten bekanntgegeben. Um fast den gleichen Wert nach unten ging es dagegen für den Mobilzahldienst Square, der vom Twitter -Chef Jack Dorsey geleitet wird. Hier war der Verlust im Quartal größer als erwartet.

Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik kauft für 3,8 Milliarden Dollar eine Sparte des US-Konzerns Air Products, um stärker in Nordamerika präsent zu sein. Air-Products-Aktien verteuern sich daraufhin um 1,1 Prozent.

Asien: Vor US-Jobbericht fallen Indizes ins Minus

Nikkei
Nikkei 29.161,27

An den Börsen in Fernost haben sich die Anleger vor der Veröffentlichung von US-Arbeitsmarktdaten abwartend gezeigt. An den Aktienmärkten dominierten die negativen Vorzeichen: Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index in Tokio schloss mit einem Minus von 0,25 Prozent bei 16.106 Punkten, nachdem dort am Donnerstag feiertagsbedingt nicht gehandelt worden war.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um knapp ein Prozent. Der Leitindex der Börse in Shanghai sank um zwei Prozent.

In Japan gehörte Sharp zu den größten Verlierern. Die Aktien des Elektronik-Konzerns gaben 8,5 Prozent nach, nachdem die Wirtschaftszeitung "Nikkei" von einem Nettoverlust im abgelaufenen Geschäftsjahr in Höhe von umgerechnet knapp 2,5 Milliarden Euro berichtet hatte. Die Aktien des Airbag-Herstellers Takata fielen nach einer erneuten Rückruf-Aktion in den USA ebenfalls um rund 8,5 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise vollziehen Kehrtwende

Die Ölpreise erholten sich nach Verlusten wieder und profitierten damit nochmals von den verheerenden Waldbränden in Kanada und der politischen Lage in Libyen. Ungeachtet der Lieferausfälle aufgrund dieser Ereignisse besteht allerdings immer noch ein Überangebot an Öl, nicht zuletzt deshalb, weil nach dem Ende der Sanktionen iranisches Öl den Markt überschwemmt. Daher neigte der Preis am Freitag zu Volatilität. Zum Settlement stieg er für ein Barrel Rohöl der US-Sorte WTI dann um 0,8 Prozent auf 44,66 Dollar.

Aufgrund starker Waldbrände in Kanada waren die Ölpreise bereits am Donnerstag deutlich gestiegen. Viele in der Provinz Alberta angesiedelte Unternehmen, die vornehmlich Ölsande fördern, haben ihre Produktion eingestellt oder gedrosselt.

Devisen: Euro sinkt nach Jobdaten-Sprung

Der US-Arbeitsmarktbericht hat den Kurs des Euro zwar kurzzeitig an die 1,15-Dollar-Marke herangeführt, aber nicht nachhaltig bewegt. Mit 1,1405 Dollar notierte der Euro wieder ungefähr auf dem Niveau vom späten Donnerstag.

Der Eurokurs stieg kurz nach der Veröffentlichung des amerikanischen Arbeitsmarktberichts bis auf 1,1479 Dollar, gab seine Gewinne jedoch rasch wieder ab. Die US-Wirtschaft hatte im April so wenig Arbeitsplätze geschaffen wie seit sieben Monaten nicht mehr. Die Beschäftigungsentwicklung war zudem merklich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Quelle: ntv.de, kst/mbo/DJ/rts

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