Marktberichte

Gewinne an der Wall Street Dax geht im billigen Öl unter

Der Verfall der Ölpreise ist eigentlich gut für Industrienationen - an den Aktienmärkten werden die negativen Effekte derzeit jedoch höher bewertet. Daher folgt der Dax den Ölpreisen zum Wochenbeginn nach unten - und büßt fast zwei Prozent ein.

Mit dem Ölpreis ging es auch für den deutschen Aktienmarkt zu Beginn der Handelswoche nach unten. Während der Preis für den Rohstoff neue Tiefstände erreichte, musste der Dax ebenfalls kräftig einbüßen und näherte sich bedrohlich der 10.000-Punkte-Marke. Am Ende blieb ein Minus von 1,9 Prozent und der Fall auf 10.139 Punkte.

Dabei ist billiges Öl erst einmal gut für das Wachstum in Europa. Allerdings gibt es Nebeneffekte, die momentan schwerer wiegen. Dies ist zum Beispiel der Markt für Hochzinsanleihen, an dem sich vor allem viele US-Fracking-Unternehmen refinanziert haben. Zudem trifft es vor allem die Schwellenländer schwer, die das schwarze Gold fördern. Aber auch die reichen Ölländer in Nahen Osten halten ihr Geld zusammen, wenn der Ölpreis langfristig fällt.

So ist nicht verwunderlich, dass die Börsen am Mittag ihr Tief gesehen haben, als ein Barrel der Sorte WTI erstmals seit Februar 2009 unter die Marke von 35 Dollar gefallen war - im Tief bis auf 34,53 Dollar. Inzwischen hat sich der Ölpreis um einen Dollar erholt, auch die Börsen haben das Minus minimiert. Doch eines scheint für die kommenden Tage klar: die Entwicklung an der Börse hängt momentan vom Ölpreis ab.

Allerdings gab es auch Zeichen der Hoffnung, am Morgen waren es gute Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte. In China überraschten vor allem Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze positiv. Die Stimulierungsmaßnahmen der Regierung scheinen damit langsam zu greifen. Damit könnte mittelfristig die Nachfrage nach Industriemetallen steigen. Übergeordnet sind die Blicke vor allem auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch gerichtet. Es wird mehrheitlich mit der ersten Zinserhöhung seit knapp zehn Jahren gerechnet.

Auch im Einzelhandel setzte sich der positive Trend fort und nährt damit die Hoffnung, dass sich China von einer Industrie- zu einer konsumgetriebenen Gesellschaft wandelt. Auch in Japan fiel der wichtige Tankan-Bericht besser als erwartet aus. Zudem überrascht die Industrieproduktion der Eurozone, die etwas stärker in Schwung gekommen ist als erwartet. Spürbare Produktionszuwächse gab es insbesondere bei Investitions- und Gebrauchsgütern.

Frankfurt: Windkraft- und Solar-Aktie im TecDax gefragt

Der Dax schloss mit einem Minus von satten 1,9 Prozent und sank auf 10.139 Punkte. Verluste auch beim Nebenwerte-Index MDax, der um 1,2 Prozent auf 19.962 Zähler nachgab. Mit einem Minus von 1,4 Prozent schloss der TecDax bei 1742 Punkten. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 verlor 1,9 Prozent auf 3143 Punkte.

Keine Gewinner mehr gab es am Ende im Dax  - am besten hielten sich noch Adidas, die lediglich 0,7 Prozent abgaben. Vergleichsweise gut hielten sich trotz Verlusten auch die Aktien von Beiersdorf und Heidelbergcement, die zwischen 0,9 und 1,1 Prozent abgaben.

Größter Dax-Verlierer waren RWE, die am Ende der Index-Liste 4,3 Prozent verloren. Auch Volkswagen ließen stark nach und sanken um rund 4,1 Prozent.

Gewinner waren im TecDax die Erneuerbare-Energien-Unternehmen - die Ergebnisse des Klimagipfels in Paris sorgten für gute Laune. Die dortigen Vorgaben ließen Marktteilnehmer vermuten, dass noch mehr Geld in erneuerbare Energien gepumpt werden soll. SMA Solar und Nordex legten 1,1 und 1,7 Prozent zu.

USA: Wall Street nach Öl-Absturz im Minus

Dow Jones
Dow Jones 20.943,51

An der Wall Street agierten die Anleger nervös. Zwar wurde der weitere Verfall der US-Ölpreise etwas abgebremst, doch Kauflust wollte am Aktienmarkt nicht aufkommen. In der vergangenen Woche hatte das immer billigere Öl die Aktien mit sich nach unten gerissen.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,6 Prozent auf 17.369 Punkte. Der S&P-500 gewann 0,5 Prozent auf 2.022 Punkte. Zwischenzeitlich war der Index erstmals seit Mitte Oktober unter 2.000 Punkte gefallen. Der Nasdaq-Composite rückte um 0,4 Prozent vor auf 4.952 Punkte.

Etwas gestützt wird die Stimmung am Aktienmarkt durch überraschend positive Daten zu Industrieproduktion und Einzelhandel in China. Die Aufmerksamkeit gilt aber darüber hinaus immer stärker der US-Notenbanksitzung. Die Federal Reserve dürfte am Mittwoch die erste Leitzinserhöhung seit knapp zehn Jahren verkünden.

Keine Notenbank in der entwickelten Welt hat einen solchen Schritt seit der Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 nachhaltig vollzogen. Das schließt die Zentralbanken der Eurozone, Schwedens, Israels, Kanadas, Südkoreas und Australiens mit ein. "Sie mussten letztlich revidieren, was sie getan hatten", sagt Analystin Susan Sterne von Economic Analysis Associates. Daher mehren sich die kritischen Stimmen zur wahrscheinlichen Zinswende in den USA am Mittwoch.

Am Aktienmarkt stand eine Milliardenübernahme in der Konsumgüterbranche im Blick: Newell Rubbermaid übernimmt den Konkurrenten Jarden für 13,21 Milliarden US-Dollar in bar und Aktien. Während Jarden um 2,7 Prozent zulegten, gaben Newell um 6,9 Prozent nach. Atmel zogen um 3,1 Prozent an. Der Halbleiterkonzern, der eigentlich von Dialog Semiconductor übernommen werden soll, hat ein Gegengebot erhalten, welches über jenem von Dialog liegt.

Rohstoffe: Gold folgt den Ölpreisen nach unten

Gold, Feinunze
Gold, Feinunze 1.589,48

Ein weiterer Verfall der Ölpreise wurde vorerst gestoppt. In der vergangenen Woche hatte das immer billigere Öl die Aktien mit sich nach unten gerissen. Nun sorgte die Volatilität am Ölmarkt weiter für Unsicherheit. Eine größere Trendwende am Ölmarkt ist ohnehin nicht in Sicht. US-Leichtöl der Sorte WTI war zwischenzeitlich erstmals seit Februar 2009 unter die Marke von 35 US-Dollar gefallen, bevor es sich erholte. Zum Settlement gewann das schwarze Gold 1,9 Prozent auf 36,31 Dollar je Fass. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent stieg um 0,1 Prozent auf 37,96 Dollar.

Es war bei US-Öl der erste Tagesgewinn nach sechs Tagen Verlust in Folge. Die spekulativen Shortpositionen auf Öl hätten einen Rekordstand erreicht, sagte Rohstoffexperte Matthew Smith, von ClipperData: "Der Markt ist offenbar reif für eine Erholungsbewegung." Es sei allerdings fraglich, ob dies von Dauer sein werde.

Im Fahrwasser schwächelnder Rohstoffpreise sank auch der Goldpreis auf 1065 Dollar nach 1076 am späten Freitagabend. Die Aussicht auf steigende US-Leitzinsen macht das zinslose Edelmetall unattraktiver.

Devisen: Euro erobert die 1,10-Dollar-Marke zurück

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,09

Am Devisenmarkt setzte der Euro seine jüngste Aufwärtsbewegung fort und stieg im Tageshoch bis auf 1,1050 Dollar. Doch gab er einen großen Teil der Gewinne wieder ab und fiel unter 1,10 Dollar zurück. Auch hier herrschte laut Händlern Nervosität vor der Fed-Entscheidung, vor allem mit Blick auf die  begleitenden Aussagen.

Robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone gaben dem Eurokurs etwas Auftrieb. Die Industrieproduktion im Euroraum hatte im Oktober stärker zugelegt als erwartet. Die meisten Anleger würden sich allerdings vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank an diesem Mittwoch zurückhalten, schrieb die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Nach Meinung vieler Fachleute dürfte die Fed am Mittwoch ihre seit der Finanzkrise praktizierte Nullzinspolitik beenden.

Starke Gewinne verbuchte zum Wochenstart der Südafrikanische Rand, nachdem es am Wochenende einen abermaligen Wechsel an der Spitze des Finanzministeriums gegeben hatte. Gegen Mittag legte der Rand zu Dollar und Euro um jeweils knapp vier Prozent auf. Am Sonntag hatte Südafrikas Präsident Jacob Zuma den erst vor wenigen Tagen ernannten und weitgehend unbekannten Finanzminister David van Rooyen durch den ehemaligen Finanzminister Pravin Gordhan ersetzt.

Asien: Shanghai hui, Tokio pfui

Der fortgesetzte Verfall der Ölpreise und Zweifel an der Stabilität der Märkte für Hochzinsanleihen (Junk Bonds) lasten zu Wochenbeginn auf den Börsen in Ostasien. Anleger fürchten, dass Öl- und Gaskonzerne wegen der extrem niedrigen Preise ihre Anleihen nicht zurückzahlen können. Besonders deutlich geht es mit den Aktienkursen in Tokio nach unten, nachdem die japanische Landeswährung Yen zum Dollar aufgewertet hat. Dass der Tankan-Bericht der japanischen Notenbank besser als erwartet ausgefallen ist, hilft dem Markt nicht. Der Nikkei-225 fällt um 1,8 Prozent zurück und schließt bei 18.883 Punkten.

Dagegen kann sich die Börse in Shanghai dem Abwärtstrend in der Region entziehen - der Shanghai Composite legt um 2,5 Prozent zu und beendet den Montaghandel bei 3521 Punkten. Die am Wochenende veröffentlichten Daten zu Industrieproduktion und Einzelhandel in China waren überraschend positiv ausgefallen. In Hongkong geht es hingegen mit dem Hang Seng um 1,1 Prozent auf 21.464 Zähler nach nach unten. Die rohstofflastige australische Börse, an der der Handel schon beendet ist, verliert im Sog der Ölpreise 2 Prozent.

Die Anleger scheinen Insideraussagen keinen Glauben zu schenken, wonach der chinesische Milliardär Guo Guangchang an einer unternehmensinternen Veranstaltung seiner Fosun-Gruppe in Shanghai teilgenommen hat. Überdies sei unklar, ob Ermittlungen der chinesischen Behörden gegen Guo beendet sind, heißt es. Nach Angaben der Fosun Group hatten die Ermittlungen nichts mit dem Unternehmen zu tun, sondern betrafen private Angelegenheiten des Chairman. In Hongkong brechen Fosun International Ltd. und Shanghai Fosun Pharmaceutical um 11,1 und 10,2 Prozent ein.

Quelle: ntv.de, kst/wne/DJ/rts/dpa