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US-Börsen geben nach Dax geht zum Wochenende die Puste aus

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(Foto: picture alliance / dpa)

Nichts kann den Dax vor dem Wochenende aus dem Minus befreien - nicht einmal positive Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt. Diese sorgen zwar zwischenzeitlich für etwas Milderung, mehr aber auch nicht. Mit knapp unter 10.900 Punkten scheint der Leitindex derzeit gut bedient.

Der weiter boomende US-Arbeitsmarkt milderte am Nachmittag ein wenig die Verluste beim Leitindex Dax - allerdings verblasste die Wirkung schnell wieder. Im Großen und Ganzen dominierten am letzten Tag einer Handelswoche voller Rekorde die Minus-Zeichen an der Frankfurter Börse. Händler sprachen von einer Konsolidierung auf hohem Niveau. Seit Mittwoch pendelte der Dax zwischen 10.800 und 10.930 Punkten seitwärts. Die griechische Schuldenfrage und die militärische Auseinandersetzung in der Ostukraine sorgten für Zurückhaltung.

"Momentan fehlen die Kaufargumente", sagte ein Aktienhändler. Damit fehlte deutschen Leitindex die Kraft, über die 11.000er Marke zu steigen. Nach einem sehr guten Jahresstart, der Leitindex notiert seit Jahresbeginn 11 Prozent im Plus, sicherten Investoren zum Teil die Performance ab. Dies habe zuletzt dafür gesorgt, dass die Aufwärtsbewegung an Momentum verloren habe. Der Dax schloss mit einem Minus von 0,5 Prozent auf 10.846 Punkten.

Der MDax ließ nach seinem Sprung auf ein neues Allzeithoch bei 19.106 Punkten am Vortag heute 0,6 Prozent nach auf 18.992 Zähler. Mit dem neuen Rekordhoch habe er zum einen ein Kaufsignal geliefert meinte HSBC-Charttechniker Thomas Amend. Er verwies aber auch auf die überkaufte Lage. So habe der kleine Bruder des Dax seit dem Zwischentief im Oktober bereits um über 30 Prozent zugelegt. Dies mache ihn anfällig für einen Rücksetzer. Der technologielastige TecDax sank 0,1 Prozent auf 1507 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 gab 0,3 Prozent ab auf 3398 Zähler.

Die US-Börsen haben Kursverluste verzeichnet. Der Dow-Jones-Index schloss am Abend in New York bei 17.823 Punkten 0,34 Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 ging mit 2055 Zählern 0,34 Prozent tiefer aus dem Handel. Der Composite-Index an der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,43 Prozent und schloss bei 4744 Punkten.

Wichtigster Termin des Tages war die Vorlage des offziellen Regierungsberichts zur Lage am US-Arbeitsmarkt. Im Januar entstanden außerhalb der Landwirtschaft 257.000 Arbeitsplätze. Volkswirte hatten mit 237.000 neuen Stellen gerechnet, dazu wurden die Zahlen für November und Dezember zusammen kräftig um 147.000 nach oben korrigiert. Die Arbeitslosenquote lag mit 5,7 Prozent über der Ökonomenschätzung von 5,5 Prozent. Der durchschnittliche Stundenlohn stieg um 12 Cent auf 24,75 US-Dollar.

Siemens informiert über Konzernumbau

Am deutschen Aktienmarkt standen die angekündigten Details zu den Streichplänen beim Elektrokonzern Siemens im Blick. Das Industrieschwergewicht hat über die Auswirkungen seines radikalen Konzernumbaus informiert: Weltweit werden 7800 Arbeitsplätze gestrichen, davon etwa 3300 in Deutschland.

Die Berichtssaison legt zum Wochenschluss eine Pause ein, von dieser Seite sind kaum Impulse zu erwarten. Angesichts der anhaltenden Stabilisierung beim Öl dürften die ölsensitiven Sektoren ihre Erholungsbewegung weiter fortsetzen.

Mit den Ölpreisen ging es wieder bergauf. Am späten Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 57,53 US-Dollar und damit 0,97 US-Dollar mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 62 Cent auf 51,54 Dollar.

Dow nach Arbeitsmarktdaten leicht im Plus

Der überraschend deutliche Beschäftigungsaufbau in den USA wurde an der Wall Street mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Der Dow-Jones-Index steigt am späten Nachmittag europäischer Zeit um 0,2 Prozent auf 17.925 Punkte. Der S&P-500 gewann 0,3 Prozent, der Nasdaq-Composite stieg um 0,3 Prozent.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,19

Der Dollar erhielt dagegen kräftig Auftrieb von den Daten. Der Euro litt in der Folge unter dem US-Arbeitsmarktbericht - nach der Veröffentlichung der robusten Zahlen aus Amerika fiel Europas Gemeinschaftswährung um mehr als einen Cent auf 1,1326 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag noch auf 1,1447 Dollar festgesetzt.

Mit einer uneinheitlichen Tendenz hatten sich am Morgen die Aktienkurse an den Fernost-Börsen gezeigt. In Tokio ging es für den Nikkei-225 um 0,8 Prozent auf 17.649 Punkte nach oben. In China verlor der Shanghai-Composite 1,9 Prozent, der Hang-Seng-Index schloss lediglich 0,4 Prozent im Minus.

Commerzbank erobern Dax-Spitze zurück

Bei den Einzelwerten im Dax landeten am Ende nur ein Drittel der Aktien auf der Gewinnerseite: Oben standen Commerzbank, die 0,9 Prozent zulegten. Stark auch Deutsche Börse, die 0,8 Prozent gewannen. Auch Volkswagen und Lanxess lagen in der Gewinnzone mit einem Zuwachs von 0,7 und 0,6 Prozent.

Kaum Reaktionen gab es beim Kurs der Siemens-Aktie auf die von Vorstandschef Joe Kaeser vorgestellten Pläne zum Konzernumbau. Der Elektrokonzern Siemens streicht weltweit rund 7800 Arbeitsplätze, davon etwa 3300 in Deutschland. Zahlen in ähnlicher Größenordnung waren bereits im Vorfeld durchgesickert - möglicherweise wurden sie bereits in den Kurs des Titels eingepreist. Die Aktie lag schon vor der Veröffentlichung der Pläne im Minus, am Ende schloss sie mit einem Abschlag von 1,0 Prozent.

Daimler verloren wegen Gewinnmitnahmen 0,5 Prozent. Die Rekordzahlen vom Vortag ließen Analysten aber weiter jubeln: Unter anderen hat die Societe Generale das Kursziel auf 95 von 75 Euro angehoben.

Analystenkommentar schickt Fresenius in den Keller

Die Verlierer waren im Dax in der Überzahl: Heftig erwischte es Fresenius SE, die aufgrund eines Analystenkommentares 2,3 Prozent abgaben.

Lufthansa landeten ebenfalls weit hinten in der Dax-Rangliste und verloren 2,4 Prozent. Händler begründeten die Kurseinbußen zum einen mit dem wieder gestiegenen Ölpreis und zum anderen mit nach wie vor niedrigen Renditen im Passagiergeschäft. "Im vergangenen Geschäftsjahr sind die Durchschnittserlöse der (Lufthansa) Passage um mehr als drei Prozent gesunken", heißt es in einer internen E-Mail, in die Dow Jones Einblick hatte.

Bei Bayer nahmen Anleger Gewinne mit. Die Aktie war am Dienstag auf ein Rekordhoch von 131,70 Euro gestiegen und gibt seitdem nach, am heute um 2,0 Prozent. Nach einem Kursanstieg von in der Spitze 16,5 Prozent Jahresbeginn ist das Papier "kurzfristig ausgereizt", wie ein Händler sagte.

Im MDax fielen Fielmann um 2,5 Prozent zurück. Der erfolgreiche Börsengang der Optiker-Kette GrandVision an der Amsterdamer Börse könnte laut Händlern zur Folge haben, dass Anleger Fielmann-Positionen räumen und stattdessen GrandVision-Aktien ins Portfolio nehmen. GrandVision ist hierzulande durch die Tochter Apollo Optik bekannt.

Im TecDax waren Bechtle der schwächste Wert. Die Aktien gaben trotz einer Steigerung von Umsatz und Gewinn 5,9 Prozent nach

Mit einem Kursgewinn von rund sechs Prozent feierte der finnische Kleinkredit-Anbieter Ferratum seinen Einstand an der Frankfurter Börse. Der erste Kurs lag am Freitag bei 17,50 Euro und damit über dem Ausgabepreis von 17 Euro.

Quelle: ntv.de, kst/wne/DJ/rts/dpa