Marktberichte

"Giftpille für den Markt" Dax ist im Crash-Modus

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Dax bricht zu Handelsbeginn um mehr als fünf Prozent ein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Angesichts der Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie bricht der Deutsche Aktienindex erneut massiv ein und fällt auf den tiefsten Stand seit vielen Jahren. Selbst die drastischen Maßnahmen der US-Notenbank zeigen keine Wirkung.

Der Ausverkauf an der deutschen Börse geht weiter: Der Dax fällt wegen der Coronavirus-Krise rund 8 Prozent auf 8498 Zähler. So tief hatte der Leitindex zuletzt 2013 gestanden. Auch die Maßnahmen verschiedener Notenbanken rund um den Globus konnten die Kursverluste nicht bremsen.

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Gestern hatte die US-Notenbank angesichts der Rezessionsängste wegen der Virus-Krise zu drastischen Mitteln gegriffen. In einer Notfallaktion senkte sie den Leitzins überraschend um einen ganzen Prozentpunkt auf fast null Prozent und kündigte ein Maßnahmenpaket in Koordination mit anderen Notenbanken an. Doch auch dies beruhigte die Marktteilnehmer am Montag nicht - im Gegenteil. Die Notmaßnahmen tragen eher noch zu den Sorgen bei, als dass sie beruhigen.

Nicht nur die Fed, auch EZB, Schweizer Notenbank, Bank of England und andere sorgen für Liquidität an den Märkten. Dies wird mehr als "Zeichen der Verzweiflung" gesehen denn als hilfreich. In Japan fährt die Zentralbank derweil ihre Käufe von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) hoch. Alle Augen sind nun auf die EZB gerichtet und ob es von ihr weitere Maßnahmen gibt.

"Die überraschende Zinssenkung der amerikanischen Notenbank wirkt wie eine Giftpille für den Markt", sagt ntv-Börsenreporterin Sabrina Marggraf. "Es setzt sich die schmerzhafte Erkenntnis durch, dass billiges Geld und niedrige Zinsen kein Allheilmittel sind und Kursverluste nicht verhindern können."

Erst am Donnerstag hatte der Dax mit dem zweitgrößten prozentualen Tagesverlust in seiner gut 30-.jährigen Geschichte unter der Marke von 10.000 Zählern geschlossen. Auf Wochensicht ergab sich ein Minus von rund 20 Prozent.

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Börsianer bezweifeln, dass die jüngste Runde von Zinssenkungen und Geldspritzen großer Notenbanken der Weltwirtschaft in der aktuellen Coronavirus-Krise den notwendigen Rückenwind geben können. Wichtiger seien staatliche Konjunkturprogramme. Einige Experten werten zudem die zweite drastische US-Zinssenkung binnen zwei Wochen als Zeichen für wachsende Nervosität bei der Notenbank Fed.

Robert Halver, Finanzexperte bei der Baader Bank, sieht sie Schritte als Notmaßnahme. Sie seien richtig, sagte er im Gespräch mit ntv. "Lieber frühzeitig etwas machen, um dann später nicht noch mehr machen zu müssen."

Tui leidet

Die quasi-Einstellung des Geschäftsbetriebs bei Tui und die massiven Kapazitätskürzungen bei der British-Airways-Mutter IAG um drei Viertel ziehen auch den Sektor aller Luftfahrtfirmen und Flugzeughersteller nach unten. Tui brechen 37 Prozent ein, IAG um 23 Prozent. Im Dax geben Lufthansa 14 Prozent nach. "Das ist die größte Branchenkrise seit 9/11", sagt ein Händler: "Wer kauft schon neue Flugzeuge, wenn er vorhandenen Kapazitäten zusammenstreicht“.

Am Morgen waren bereits die Kurse in Asien weiter abgerutscht. Der japanische Leitindex Nikkei-225 verlor gut 2,5 Prozent auf 17.002 Punkte. In China ging es für den CSI mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen um 4,3 Prozent auf 3728 Zähler nach unten. China meldete dramatische Wirtschaftszahlen für die ersten beiden Monate: Die Industrieproduktion sank im Januar und Februar um 13,5 Prozent im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Einzelhandelsumsätze gingen in diesem Zeitraum um 20,5 Prozent zurück - auch dies war die schlechteste Bilanz seit Jahrzehnten.

Drägerwerk-Aktien schießen nach oben

Unterdessen setzten die Aktien von Drägerwerk ihren Höhenflug fort und verbuchten mit einem Plus von 24 Prozent den zweitgrößten Kurssprung der Firmengeschichte. Am Freitag hatte die Bundesregierung 10.000 Beatmungsgeräte bei der Medizintechnik-Firma bestellt. Auch andere Länder reißen sich um solche Apparate, die zur Behandlung von Coronavirus-Patienten benötigt werden.

Am heutigen Nachmittag wollen die Finanzminister der Eurogruppe in einer Videokonferenz über ein umfassendes Krisenpaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie beraten. Dies hatte Eurogruppenchef Mario Centeno am Wochenende angekündigt.

Die EU-Kommission hatte bereits ein milliardenschweres Notprogramm vorgeschlagen, um Unternehmen und Bürgern in der Coronavirus-Krise zu helfen. So sollen europäische Schulden-, Defizit- und Beihilferegeln so großzügig wie möglich ausgelegt werden, damit die EU-Staaten eigene Nothilfen auflegen können. Darüber hinaus sollen Milliarden aus dem EU-Haushalt umgewidmet werden, um Unternehmen zahlungsfähig zu halten und Investitionen zu ermöglichen.

Quelle: ntv.de, jwu/jga//dpa/rts/DJ