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Wall Street mit Kursgewinnen Dax rettet die 10.000 ins Ziel

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(Foto: picture alliance / dpa)

Diesmal bleibt ein später Einbruch wie am Vortag aus und der deutsche Leitindex kann seinen ordentlichen Gewinn bis zum Ende halten. Damit ist er wieder mehr als 10.000 Punkte wert. Stützend wirken die Nullzinspolitik der USA und der schwache Euro.

Er hat es geschafft: Bis zum Handelsende konnte der Dax die bereits zur Mittagszeit eingefahrenen Gewinne verteidigen. Damit ist die am Vortag aus den Augen geratene 10.000er-Marke wieder zurückerobert. Der deutsche Leitindex stieg letztendlich um 1,5 Prozent auf 10.065 Punkte.

Dax
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Laut Marktteilnehmer sorgte die Spekulation für gute Stimmung, dass die US-Notenbank erst später im Jahr die Leitzinsen anheben dürfte. Dafür spreche, dass die US-Konjunktur laut dem "Beige Book" der Notenbank gegen Ende des dritten Quartals nur moderat gewachsen sei. Unterstützung kam aber auch vom schwächeren Euro. Er ist günstig für die Unternehmen aus dem Euroraum, weil er deren Exportaussichten verbessert.

Der Euro verlor zum Dollar gegenüber dem Tageshoch von fast 1,15 über einen Cent und handelte bei 1,1372. Händler verwiesen auf Aussagen von Ewald Nowotny, Gouverneur der Europäischen Zentralbank (EZB). Er hatte am Vormittag erneut thematisiert, dass die Inflation deutlich unter dem Ziel der EZB liege und die EZB über Instrumente zum Gegensteuern verfüge. Einen zweiten noch kräftigeren Abwärtsschub erfuhr der Euro am Nachmittag nach Bekanntwerden neuer US-Konjunkturdaten.

Vor allem der stärker als erwartet ausgefallene Anstieg der Verbraucherpreise in der Kernrate hatte Spekulationen über steigende US-Zinsen wieder Nahrung verliehen - zumindest am Devisenmarkt. Zuletzt waren Zinserhöhungserwartungen wegen schwacher US-Konjunkturdaten immer mehr ausgepreist worden und hatten den Euro kontinuierlich nach oben getrieben. In die gleiche Kerbe schlugen besser als gedacht ausgefallene wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die im Vierwochen-Durchschnitt auf dem niedrigsten Niveau seit gut 40 Jahren liegen.

Die Ölpreise hatten am späten Nachmittag deutlich nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete 48,71 US-Dollar. Das waren 84 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel hingegen um 0,6 Prozent auf 46,38 Dollar.

Frankfurt: Zalando rutschen nach roten Zahlen ab

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Der deutsche Leitindex Dax schloss 1,5 Prozent höher auf 10.065 Punkten. Beim MDax zeigte sich nach anfänglichen leichten Verlusten ein Plus von 0,6 Prozent auf 19.698 Zähler. Für den TecDax ging es stolze 2,2 Prozent nach oben auf 1729 Punkte, beim Euro-Stoxx-50 gab es ein Plus von 1,5 Prozent auf 3239 Stellen.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten Infineon mit einem Plus von 5,1 Prozent. Bei Infineon trieb laut Händlern die Aussicht auf ein Zusammengehen mit Fairchild Semiconductor. "Zwar gibt es noch einen anderen Interessenten, aber der Markt honoriert jetzt schon, dass Infineon zusammen mit Fairchild in eine neue Liga beim Marktanteil aufsteigen könnte", sagte ein Händler.

Auf der Verliererseite im Dax standen VW-Aktien mit einem Minus von 3,5 Prozent. Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller hatte in der Krise um manipulierte Abgaswerte das bislang gültige Absatzziel des Autokonzerns relativiert. Einige Beobachter und Mitarbeiter hätten bisher "nicht richtig verstanden, dass es bei der Strategie 2018 um viel mehr geht als um Stückzahlen", sagte Müller während eines Führungskräftetreffens in Leipzig. Müller sagte laut dem Redemanuskript gleichwohl: "Die Eckpunkte der Strategie 2018 bleiben gültig."

Im MDax fanden Anleger Gefallen an den höheren Mittelfristzielen des Medienkonzerns ProSiebenSat.1. Die Aktien verteuerten sich um 3,3 Prozent. Zalando wurden dagegen abgestraft. Das Unternehmen senkte die Prognose für die Ebit-Marge im Gesamtjahr auf drei bis vier Prozent. Zuvor hatte der Online-Händler 4,5 Prozent angestrebt. Die Aktie verlor am Ende nach anfangs deutlicheren Verlusten 5,1 Prozent.

Wall Street: US-Börsen erholen sich zum Handelsstart leicht

Dow Jones
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Im Spannungsfeld guter internationaler Vorgaben und einer Reihe neuer US-Konjunkturdaten behaupten sich die US-Börsen mit moderaten Gewinnen. Der Dow-Jones-Index stieg um 1,3 Prozent auf 17.141 Punkte. Der S&P-500 rückte um 1,5 Prozent vor, die Nasdaq-Indizes um 1,8 Prozent.

In Asien und Europa stützte unter anderem ausgerechnet der US-Konjunkturbericht "Beige Book", der am Vortag an der Wall Street eher mit wenig Begeisterung aufgenommen worden war. In den USA hatte sich ein ähnliches Muster am Mittwoch nach enttäuschenden Konjunkturzahlen zwar auch schon gezeigt, allerdings nur im frühen Handel, ehe die Kurse dann doch den Rückzug antraten.

Die aktuellen US-Konjunkturdaten sind insgesamt eher positiv ausgefallen und liefern somit den Befürwortern einer Zinserhöhung in den USA Munition. Der Dollar legt denn auch zu auf 1,1380 je Euro, nachdem er im Tagestief schon bei fast 1,15 gelegen hatte.

Auch auf Unternehmensseite gibt es wieder eine ganze Reihe frischer Zahlen zu verarbeiten. Aus dem Dow haben Goldman Sachs und United Health ihre Bücher geöffnet. Goldman Sachs hat im dritten Quartal nur noch 1,43 Milliarden US-Dollar verdient, während es im Vorjahreszeitraum noch 2,2 Milliarden Dollar waren. Der Kurs legte nach anfänglichen Verlusten um 3,0 Prozent zu.

Der Krankenversicherer United Health ist dank einer gestiegenen Anzahl Versicherter und einer jüngst erfolgten Übernahme kräftig gewachsen. Der Gewinn blieb jedoch im Vergleich zum Vorjahr nur stabil. Der Kurs gab um 1,6 Prozent nach.

Gut kommen die Ergebnisse der Citigroup an. Sie hat ihren Gewinn deutlich gesteigert und die Erwartungen übertroffen, vor allem dank geringerer Rechtskosten. Die Aktie steigt um 4,4 Prozent. Auch Philip Morris legen zu und zwar um 1,9 Prozent. Der Zigarettenhersteller hat seinen Gewinnausblick für das Gesamtjahr leicht angehoben.

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Die Netflix-Aktie gibt um über 8,3 Prozent nach, nachdem der Streaming-Anbieter enttäuschende Zuwächse bei den US-Kundenzahlen gemeldet hat. Am Vorabend war die Aktie in einer ersten Reaktion zunächst um gut 15 Prozent abgestürzt, ehe sie sich wieder berappelte.

Wal-Mart können sich nach dem 10-prozentigen Kursdebakel am Mittwoch nicht erholen. Im Gegenteil: Sie verlieren weitere 1,2 Prozent. Die schmerzhaften Schritte, mit denen Wal-Mart sich unter zunehmend digitalen Vorzeichen behaupten will, stoßen zumindest bei einigen Akteuren an der Wall Street auf Wohlwollen. Sterne Agee spricht vom Beginn eines Resets für den Handelskonzern.

Asien: Nikkei wieder über 18.000 Punkten

Nikkei
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Die Aussicht auf weiterhin niedrige Zinsen in den USA hat die asiatischen Aktienmärkte beflügelt. Einige Kurse erreichten am Donnerstag den höchsten Stand seit zwei Monaten.

Händler nannten die unerwartet schwachen US-Konjunkturdaten vom Mittwoch als Grund. Denn angesichts stagnierender Konsumausgaben und einer fallenden Inflation dürfte es der US-Notenbank Fed schwerfallen, die Leitzinsen für die weltweit größte Volkswirtschaft noch in diesem Jahr zu erhöhen, sagte Kathy Lien von der Fondsgesellschaft BK Asset Management. Billiges Geld aber kommt dem Aktienmarkt zugute.

In Japan schloss der Nikkei-Index knapp 1,2 Prozent fester bei 18.097 Punkten. Die Konjunktur in dem Land schwächelt, einer Umfrage zufolge trübte sich die Stimmung in der Industrie den zweiten Monat in Folge ein. Das weckte ebenfalls Hoffnungen, dass Regierung und Notenbank den Geldhahn noch weiter öffnen.

Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik ohne Japan legte um 1,9 Prozent zu und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Monaten. Die Aktienkurse in China gewannen 1,8 Prozent. Anleger hoffen, dass die Regierung in Peking den Geldhahn öffnet, um die Wirtschaft in Schwung zu bekommen. "Es gibt die Erwartung, dass es weitere Konjunkturstützen gibt, was den Deflationsdruck mindern könnte", sagte Gerry Alfonso von Shenwan Hongyuan Securities.

Devisen: Starke US-Daten lassen Euro unter 1,14 Dollar sinken

Der Kurs des Euro hat nach robusten Konjunkturdaten aus den USA deutlich nachgegeben. Im späten Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1377 US-Dollar und damit etwa einen Cent weniger als im Tageshoch. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,1439 (Mittwoch: 1,1410) Dollar festgelegt.

Nach einer Reihe von schwachen Wirtschaftsdaten konnten neue Zahlen vom US-Arbeitsmarkt am Donnerstag überzeugen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die als sehr zeitnaher Indikator für den Jobmarkt gelten, waren in der vergangenen Woche weiter gefallen. Im vierwöchigen Durchschnitt liegen sie derzeit so tief wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr. Das belegt die gute Verfassung des Arbeitsmarkts und erhöht die Chancen auf eine baldige Zinsanhebung der US-Notenbank. Davon profitierte der Dollar.

Schon vor den US-Daten war der Eurokurs unter Druck geraten. Österreichs Notenbankchef und EZB-Rat Ewald Nowotny hatte während eines Auftritts in Warschau gesagt, die EZB werde ihr Inflationsziel auch im kommenden Jahr verfehlen. Er plädierte für den Einsatz zusätzlicher Instrumente, womit aber wohl weniger eine abermalige Lockerung der EZB-Geldpolitik gemeint war. Vielmehr sprach Nowotny von "strukturellen Maßnahmen" zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit. Der Eurokurs reagierte dennoch mit Verlusten.

Quelle: ntv.de, kst/wne/DJ/rts/dpa

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