Marktberichte

Wall Street punktet positiv Dax startet stark, verliert aber am Ende

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(Foto: imago/Sven Simon)

Ins Leere läuft der gute Start des Dax: Schwache Daten zur Konjunktur in den USA lassen den Index am Nachmittag einbrechen. Die Wall Street sieht die Daten nicht ganz so eng.

Die Euphorie über das dritte Hilfsprogramm für Griechenland dauerte an der Börse nur kurz an. In den ersten Handelsminuten schossen die europäischen Aktienmärkte zunächst in die Höhe, um die Gewinne im Verlauf wieder abzugeben. Nachdem der Dax gegen Mittag noch knapp im Plus notierte, fiel er nach enttäuschende US-Daten bis auf sein Tagestief bei 10.819 Punkten. Mit der Eröffnung an der Wall Street erholte er sich etwas und schloss am Ende 0,4 Prozent leichter bei 10.940 Punkten.

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Die 19 Euro-Finanzminister hatten am Freitagabend in Brüssel dem Dreijahresplan mit frischen Krediten in Höhe von 86 Milliarden Euro für Griechenland zugestimmt. Vor der Auszahlung einer ersten Tranche, die sich auf 26 Milliarden Euro belaufen soll, müssen neben dem Bundestag noch weitere nationale Parlamente grünes Licht geben. Die Zustimmung verschiedener nationaler Parlamente wird im Handel nicht als echte Hürde gesehen.

Die Anleger werteten die Entscheidung aus Brüssel als grünes Licht, griechische Staatsanleihen zu kaufen. Die Rally ging weiter, die Renditen der zweijährigen Bonds fielen zwischenzeitlich massiv um 200 Basispunkte auf 10,27 Prozent. "Ich gehe davon aus, dass die Renditen bei den 10-jährigen noch in Richtung 7 Prozent fallen", sagte Dirk Gojny, Anleiheexperte bei der National Bank. Aktuell rentieren die griechischen Staatsanleihen in diesem Laufzeitbereich bei 9 Prozent. Sollte die Griechenland-Krise wieder aufflackern, dürften die Renditen allerdings auch schnell wieder steigen.

Kein einheitliches Bild lieferten die globalen Konjunkturdaten. Der Rückgang des japanischen BIP fiel zwar nicht so stark wie befürchtet aus, deutet aber nicht auf eine Straffung der geldpolitischen Zügel hin. Das Wachstum leidet unter einem schwachen Konsum wie geringer Auslandsnachfrage. Anders zeigt sich das Bild in Europa. Der schwache Euro hatte die Exporte aus der Eurozone im Juni steigen lassen. Die Ausfuhren in die restliche Welt stiegen gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent, binnen Jahresfrist sprangen sie um 12 Prozent.

Entspannt gesehen wurde mittlerweile die Abwertung des chinesischen Yuan, die letzte Woche noch für Schockwellen an den Märkten gesorgt hatte. Beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock sieht man diese als reine Flexibilisierung der Währung.

"Die Zahlen aus dem Industriesektor des Staates New York unterstreichen, dass es um die US-Wirtschaft längst nicht so rosig bestellt ist, wie mancher glauben mag. Wer jetzt noch an eine Zinserhöhung im September glaubt muss schon großer Optimist sein", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research gegenüber n-tv.de das Börsengeschehen. Sorgen um die chinesische Wirtschaft - einhergehend mit Befürchtungen eines schwächeren Exports in Deutschland und dazu maue Daten aus den USA - ließen den stärksten Dax in die Knie gehen. "Wenn dann im August noch die Nachfrageseite gering ist, genügen mittlere Umsätze, um den Markt deutlich unter 11.000 Punkte zu drücken", sagte Saurenz. Bei weiter schwachen Meldungen müsse dies aber nicht das letzte Wort sein - und könnten auch 10.000 Punkte bald zur Sprache kommen.

Deutschland: Infineon sind der Tagessieger

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Der Dax verbuchte schließlich einen Verlust von 0,4 Prozent und fiel auf 10.940 Punkte. Beim MDax zeigte sich ein Minus von 0,1 Prozent auf 20.698 Zähler. Gewinne gab es hingegen beim TecDax, der um 0,2 Prozent auf 1764 Punkte stieg. Nach oben ging es auch für den Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50, der 0,3 Prozent gewann.

Spitzenreiter im Dax waren am Ende die Aktien von Infineon, die 1,1 Prozent zulegten. BMW gewannen 0,6 Prozent, nachdem Barclays die Titel auf "Overweight" nach "Equalweight" erhöht hatte. Schlusslicht im Dax waren die Aktien des Konsumgüterkonzerns Henkel, die 2,6 Prozent nachließen.

Im MDax kletterten die Papiere von Airbus um 1,2 Prozent nach oben. Der zahlenmäßig bisher größte Auftrag für den Flugzeugbauer ist unter Dach und Fach: Die indische Fluglinie Indigo bestätigte ihre Bestellung von 250 Passagiermaschinen vom Typ A320neo.

USA: Wall Street kämpft sich nach oben

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Die US-Börsen gingen nach einem mauen Start mit Aufschlägen aus dem Handel. Der Dow Jones Industrial gewann 0,4 Prozent auf 17 545 Punkte. Der S&P-500 legte 0,5 Prozent auf 2102 Zähler zu. Der technologielastige Nasdaq 100 kletterte 0,8 Prozent auf 4566 Stellen nach oben.

Die auf den höchsten Stand seit November 2005 gestiegene Stimmung der US-Wohnungsbauunternehmen habe für eine Kehrtwende der Investoren gesorgt, sagten Händler. Die zuvor veröffentlichte überraschend schlechtere Laune der Industrie im Bundesstaat New York hatte den Aktienmarkt zunächst belastet.

Unter den Einzelaktien stiegen Rambus um 1,4 Prozent. Das Unternehmen will erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte Halbleiter unter eigenem Namen vertreiben. Dabei handelt es sich um Chips zur Verbesserung der Netzwerkgeschwindigkeit. Netflix plant die Schließung von Datenzentren und will stattdessen die Informationstechnologie vollständig in öffentliche Clouds transferieren. Die Aktie des Streamingdienstanbieters gewann 1,6 Prozent. Tesla Motors zogen um 4,9 Prozent an. Die Analysten von Morgan Stanley zeigen sich äußerst bullisch für die Aktie des Elektroautomobilherstellers. Sie heben das Kursziel um satte 66 Prozent an. Pentair stiegen um 1,5 Prozent, der irische Mischkonzern plant die Übernahme von Erico Global für 1,8 Milliarden Dollar.

Devisen: Euro rutscht unter 1,11 Dollar

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,18

Der Euro ist unter die Marke von 1,11 US-Dollar gefallen. Überraschend schwache US-Konjunkturdaten konnten der Gemeinschaftswährung nur für kurze Zeit Auftrieb verleihen. Am Nachmittag fiel der Euro auf 1,1082 Dollar. Er stand damit etwa einen halben Cent tiefer als am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1100 (Freitag: 1,1171) Dollar festgesetzt.

Der Dollar habe von der etwas optimistischeren Einschätzung zur Lage in China profitieren können, hieß es aus dem Handel. In der Vorwoche hatten noch überraschende Abwertungen der chinesischen Währung die Spekulation verstärkt, dass die US-Notenbank vor dem Hintergrund der angespannten Lage in China ihre signalisierte Zinserhöhung verschieben könnte.

Am Nachmittag hatte der Euro nach sehr schwachen US-Industriedaten aus der Region New York zugelegt. "Dies muss als ein äußerst unerfreuliches Signal aufgefasst werden", sagte Experte Bernd Krampen von der NordLB. Allerdings waren die Gewinne nicht von langer Dauer, da das Thema China die Märkte dominiert und der regionale

Rohstoffe: Öl deutlich billiger

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 74,19

Der Preisverfall am Ölmarkt setzt sich derweil ungebremst fort. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligt sich um weitere 29 Cent auf 42,82 US-Dollar pro Fass. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent hält sich etwas stabiler, gibt aber ebenfalls ab: sechs Cent auf 49,13 US-Dollar das Fass.

Am Freitag hatten aktuelle Daten gezeigt, dass die Anzahl der aktiven Bohrlöcher in den USA die vierte Woche in Folge gestiegen war. Damit ist kein Ende der Ölflut in Sicht. "Wir sind über die fundamentale Situation bei Rohöl und die Preisentwicklung für den Rest des Jahres bzw. 2016 besorgt", sagen die Analysten von Morgan Stanley."

Asien: Nikkei kann ein halbes Prozent zulegen

Schwache Wachstumsdaten aus Japan sind an den ostasiatischen Börsen auf ein unterschiedliches Echo gestoßen. Während die Leitbörsen in Shanghai und Tokio mit 0,7 auf 3994 und 0,5 Prozent auf 20.620 Punkte im Plus schlossen, ging es an vielen anderen Handelsplätzen nach unten.

Die japanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal recht deutlich geschrumpft, allerdings hatten Volkswirte noch Schlimmeres befürchtet. Vor allem ein rückläufiger Privatkonsum und schwache Exporte lasteten auf der Wirtschaft. Im Handel verloren die Daten jedoch vor allem in Schanghai und Tokio ihren Schrecken, weil Anleger auf neue Konjunkturstimuli setzten.

"Die Befürchtungen hinsichtlich eines Abschwungs in China sind im Handel weiter sehr dominant. Daher dürfte der japanische Aktienmarkt kurzfristig kaum in den Risikomodus schalten. Der Nikkei-225 dürfte daher bis auf Weiteres unter der Marke von 22.000 Punkten verharren", sagte Fondsverwalter Mitsushige Akino von Ichiyoshi Asset Management. Für etwas Beruhigung sorgte zudem die chinesische Wechselkurspolitik. Die Notenbank des Landes hatte den Yuan etwas fester als am Freitag gefixt. Der Binnenmarktwechselkurs des Yuan bewegte sich in der Folge kaum.

Unter den Einzelaktien stachen in Tokio Softbank hervor. Die Aktie verlor 1,1 Prozent, nachdem der Soros Fund Management von George Soros einen Großteil seiner Beteiligung an Alibaba verkauft hatte. Der Mischkonzern Softbank hält rund 32 Prozent an Alibaba. Der Verkauf befeuerte die Sorgen von Beobachtern um den Ausblick des Unternehmens. Sony büßten 1,3 Prozent ein. Allerdings rechneten Analysten mit einer deutlichen Erholung am Dienstag, nachdem die Ratingagentur Fitch den Ausblick für den Elektronikriesen nachbörslich erhöht hatte.

Quelle: ntv.de, kst/wne/DJ/rts/dpa

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