Marktberichte

Wall Street schließt kaum verändert Dax verabschiedet sich mit Verlusten

Fünf denkwürdige Handelstage sind beendet. Die Spanne beim Dax beträgt mehr als 1000 Punkte. Am Montag rauscht der Index zeitweise acht Prozent abwärts. Mit einem leichten Minus verabschiedet sich auch der Dow Jones ins Wochenende.

Runter, rauf, runter, rauf, runter - und das Ganze mit einer zum Wochenschluss hin abnehmenden Dynamik. So lässt sich der Handel am deutschen Aktienmarkt beschrieben, am Freitag gab es dem Gesetz der Serie folgend deshalb wieder Verluste. Sie hielten sich aber in Grenzen. "Es war eine turbulente Woche", konstatierte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf. "Jedes Räuspern ist wichtig", sagte ihr Kollege Frank Meyer. "Wer im Ausverkauf mutig war oder in den kommenden Wochen Rückschläge am Markt nutzt, kann in Deutschland durchaus solide Aktien zu vernünftigen Preisen einsammeln", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. Denn es gelte: "Aktiengewinne sind Schmerzensgeld - erst kommen die Schmerzen, dann das Geld."

Gemessen am Wochentief und -hoch wies der Leitindex eine Handelsspanne von mehr als 1000 Punkten auf, am "Schwarzen Montag" sackte er zwischenzeitlich um 8 Prozent ab auf 9338 Stellen. Verantwortlich dafür: die Kursrutsche an den chinesischen Börsen. Am Dienstag feierte der Dax seinen "Turnaround" und auch am Donnerstag ging es deutlich aufwärts, dank der Kursfeuerwerke an der Wall Street und in Shanghai. Auch am Freitag meldet Shanghai einen Kurssprung, aber der Dax konnte die guten Vorgaben nicht nutzen.

Wann kommt die US-Zinswende?

Andreas Paciorek von CMC Markets verwies erneut auf die Risiken in China: Es dürfe "nicht vergessen werden, dass allein Maßnahmen der Regierung und vor allem der Notenbank Schlimmeres verhindert haben. Und das ist ein äußerst wackeliger Strohhalm, an den sich die Börsianer rund um den Globus da klammern". In den USA schürten gute Konjunkturdaten Spekulationen um eine frühere Zinserhöhung, während schlechte Daten die Konjunktursorgen verstärkten. "Keine gute Ausgangslage also", sagte der Stratege.

Der Dax, der am Donnerstag 320 Punkte zulegen konnte, startete zunächst mit Gewinnen in den Freitagshandel, markierte sein Tageshoch bei 10.337 Punkten. Am Mittag war es dann aber bereits mit der Pracht vorbei, der Dax fiel auf ein Tagestief von 10.186 Zählern. Am Ende verabschiedete er sich mit einem Abschlag von 0,2 Prozent und einem Schlussstand von 10.299 Punkten aus dem Handel. Der MDax schloss unverändert bei 19.457 Stellen, der TecDax wiederum 0,1 Prozent leichter bei 1696 Zählern.

Der Fokus der Anleger richtete sich zum Wochenschluss vor allem auf das Notenbanker-Treffen in Jackson Hole. Von dort erhoffen sich die Investoren Hinweise auf den Zeitpunkt der US-Zinswende. Derzeit gehen viele Investoren wegen der jüngsten Turbulenzen in China davon aus, dass die Notenbank nicht schon im September aktiv wird. Am Samtag sollen die erhofften Äußerungen fallen, wenn Fed-Vize Stanley Fischer spricht.

Dax: Banken auf Verliererseite

Bei den Einzelwerten konnte der Dax am Handelsende lediglich zwei nennenswerte Gewinner vorweisen: K+S und Munich Re präsentierten sich jeweils rund 0,5 Prozent fester. Mit negativen Vorzeichen warteten unter anderem die großen Gewinner vom Donnerstag auf: Fresenius gaben mehr als 1 Prozent ab. Deutliche Verluste erlitten auch die Bankenwerte: Deutsche Bank und Commerzbank büßten je rund 1,3 Prozent ein. Daimler und Conti gingen jeweils 1,1 Prozent schwächer aus dem Handel.

Bei den Nebenwerten zeigte sich ein ähnliches Bild: Wincor Nixdorf und Salzgitter konnten mit rund 1,5 beziehungsweise etwa 1 Prozent deutlich zulegen. Auch ProSiebenSat.1 verbesserten sich spürbar. Auf der Verliererseite standen Dürr mit Abschlägen von mehr als 2 Prozent ganz oben.

USA: Dow Jones bricht Erholung ab

Die dynamische Aufwärtsbewegung an der Wall Street vom Vortag ist erst einmal ins Stottern geraten. Unerwartet starke Wachstumsdaten aus Amerika hatten am Donnerstag Käufer an den Aktienmarkt gelockt, doch die Stimmung bleibt laut Händlern gezeichnet von Unsicherheit und Nervosität. Daher agierten die Anleger zurückhaltend.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,1 Prozent auf 16.643 Punkte, der S&P-500 stieg um 0,1 Prozent und der Nasdaq-Composite um 0,3 Prozent.

Während die China-Krise eher im Hintergrund schwelte, rückte die US-Zinspolitik wieder stärker ins Rampenlicht. Bis zur Zinsentscheidung der US-Notenbank Mitte September sind es nur noch wenige Wochen. An den Finanzmärkten wird nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent erwartet, dass die Leitzinsen im September erhöht werden. Allerdings brachte Fed-Vizepräsident Stanley Fischer am Rande des Notenbankertreffens in Jackson Hole nun doch wieder eine Zinserhöhung schon im kommenden Monat ins Spiel.

An der Börse legte die Amgen-Aktie 0,1 Prozent zu. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte einem Cholesterinsenker des Unternehmens die Zulassung erteilt. Ein angehobener Ausblick von Smith & Wesson trieb den Aktienkurs des Waffenherstellers um 11,2 Prozent nach oben.

Eine veränderte Zusammensetzung des S&P-500 beeinflusste ebenfalls die Kurse. Im September werden United Continental und Activision Blizzard in den Index aufsteigen, den Index verlassen müssen die Titel von Pall und von Hospira. Die Aufsteiger gewannen 7 bzw 4,6 Prozent, die Werte der beiden Absteiger tendierten wenig verändert.

Asien: China-Ängste verflogen

Die Erholung an den ostasiatischen Finanzmärkten nach den von China ausgehenden Erschütterungen verfestigte sich zum Wochenschluss weiter. Die guten Konjunkturdaten aus den USA bestätigten die Anleger in ihrer Einschätzung, dass die jüngsten Ängste vor den Folgen e ines langsameren Wachstums in China überzogen waren. Für den Shanghai-Composite ging es nach deutlichen Aufschlägen am Donnerstag um weitere fast 5 Prozent nach oben.

Auch die Börse in Tokio machte weiter kräftig Boden gut. Der Nikkei-Index kletterte wieder zurück über die psychologisch wichtige Kursmarke von 19.000 Punkten. Zum Handelsende notierte das Börsenbarometer einen satten Aufschlag von 3 Prozent und ging bei 19.136 Zählern ins Wochenende. Der breiter gefasste Topix zog ebenfalls deutliche 3,3 Prozent auf 1550 Stellen an. Es war das dritte Tagesplus in Folge. Eine Flut neuer japanischer Konjunkturdaten wurde dabei von der breiten Erholungsbewegung in den Hintergrund gedrängt. Auch an den anderen ostasiatischen Börsenplätzen dominierten Pluszeichen die Kurstafeln.

Devisen: Euro weiter unter 1,13

Der Euro konnte sich zumindest auf dem niedrigen Niveau des Vortages stabilisieren. Die Gemeinschaftswährung notierte am Abend bei 1,1226 Dollar. Den Referenzkurs setzte die Europäische Zentralbank (EZB) auf 1,1268 Dollar fest, nach 1,1284 Dollar am Donnerstag.

Am Montag war sie zeitweise noch über 1,17 Dollar gehandelt worden. Danach hatten besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA den Euro unter Druck gesetzt und den Dollar befeuert. Experten zufolge kommen wieder verstärkt Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung in den USA auf. Eine Leitzinserhöhung in den USA würde den US-Dollar für Anleger attraktiver machen und den Dollar stützen.

Rohstoffe: Ölpreis Brent wieder über der 50-Dollar-Marke

Nach der Rally vom Donnerstag mit einem Preisanstieg um über 10 Prozent machte der Ölmarkt abermals Furore. Obwohl Analysten an der Nachhaltigkeit des Anstiegs zweifelten legten die Preise erneut kräftig zu und überwanden dabei die wichtigen Marken von 45 Dollar für WTI und 50 Dollar für Brent. Das Barrel WTI kostete zum Settlement 45,22 Dollar und damit 6,3 Prozent bzw 2,66 Dollar mehr als am Donnerstag. Für Brent ging es um 5,2 Prozent bzw 2,49 Dollar auf 50,05 Dollar nach oben.

Die Erholungsbewegung nach dem langen Niedergang des Preises wurde am Vortag unter anderem von den starken US-Konjunkturdaten und den festen Aktienmärkten ausgelöst. Zudem hatte Venezuela eine Krisensitzung der Opec gefordert. Dass der Öldienstleister Baker Hughes am Freitag schon die sechste Woche in Folge eine Zunahme der in Betrieb befindlichen US-Ölförderanlagen meldete, schien die Marktteilnehmer nicht zu stören. Seit Oktober 2014, dem Höhepunkt der Ölförderung, ist die Zahl der Bohrlöcher in den USA, an denen tatsächlich Öl gefördert wird, nämlich um 60 Prozent zurückgegangen.

"Fakt ist, dass der Ölmarkt von einem Überangebot und der Angst vor einer nachlassenden Nachfrage aus den Schwellenländern geprägt ist", erläuterte n-tv-Börsenexpertin Marggraf. Einer Erholung in dieser Woche stünde aber auf Monatssicht immer noch ein Minus gegenüber.

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/rts/DJ

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