Marktberichte

Dow schafft Historisches Georgia versetzt US-Anleger in Kauflaune

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Mit der "Blauen Welle" verbinden Börsianer weitere staatliche Hilfspakete.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Erste Prognosen der Senatswahl in Georgia deuten auf einen Sieg der Demokraten hin. An der Wall Street sorgt die Nachricht für Begeisterung. Im Tagesverlauf durchbricht der Dow erstmals die Marke von 31.000 Punkten.

Die Aussicht auf neue Konjunkturstimuli in den USA hat an der Wall Street für Kauflaune und neue Rekorde gesorgt. Der Dow schaffte erstmals in seiner Geschichte den Sprung über die 31.000er Marke. Mit großer Sicherheit haben die Demokraten bei den Stichwahlen die beiden Senatssitze in Georgia erobert. Und mit dieser Demokraten-Dominanz, auch Blaue Welle genannt, verbinden Börsianer laut Teilnehmern "ganz natürlich" die Erwartung weiterer staatlicher Hilfspakete.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass dies mit höheren Schulden und mutmaßlich höheren Steuern verbunden sein dürfte. Zudem gelten die Demokraten als regulierungswilliger als die Republikaner, wobei besonders die Unternehmensgiganten im Technologiesektor im Fokus stehen könnten und auch die Ölbranche.

Etwas relativiert werden diese Erwartungen davon, dass die demokratische Mehrheit hauchdünn sein wird. "Wenn sich die Wolken erst verzogen haben, wird man sehen, dass die blaue Wende nur eine sehr marginale ist", sagte Chefstrategin Seema Shah von Principal Global Investors. Auch Aktienexperte Jeffrey Buchbinder von LPL Financial bezeichnete "drastische Änderungen" als unwahrscheinlich.

S&P 500
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Untermauert wurden die Erwartungen weiterer Konjunkturstimuli von enttäuschend ausgefallenen Arbeitsmarktdaten für Dezember aus der US-Privatwirtschaft und einer gedämpften Geschäftsaktivität in der US-Dienstleistungsbranche.

Proteste in Washington bremsen Indizes

Am Aktienmarkt schlug sich diese Gemengelage in deutlich steigenden Kursen nieder, wobei Technologieaktien hinterherhinkten. Die Nachricht über Tumulte vor dem Kapitol, wo formell der Biden-Sieg bei der Präsidentschaftswahl bestätigt werden sollte und die Sitzung wegen der Gewalteskalation unterbrochen werden musste, ließ die Indizes in der zweiten Handelshälfte deutlicher von den Hochs zurückkommen.

Der Dow-Jones-Index machte am Ende dennoch einen Satz um 1,4 Prozent nach oben auf 30.829 Punkte. Im Tageshoch und Rekordhoch hatte er schon 31.022 Zähler erreicht. Der S&P-500 schloss 0,6 Prozent höher, auch er markierte im Verlauf ein Allzeithoch. Die technologielastigen Nasdaq-Indizes gaben dagegen um bis zu 1,4 Prozent nach.

Gold, Feinunze
Gold, Feinunze 1.733,45

Der Dollar zog nach seiner jüngsten Durststrecke zunächst an, profitierte aber nur kurz von den höheren Zinsen. Im Verlauf litt er zusehends unter der Aussicht auf eine höhere Staastverschuldung. Der Dollar-Index lag zuletzt knapp im Minus. Der Goldpreis stand stark unter Druck, zum einen wegen der steigenden Zinsen, zum anderen, weil das Edelmetall durch den steigenden Dollar für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum teurer wird. Zudem war es auch als sicherer Hafen nicht gefragt. Die Feinunze verbilligte sich um 29 Dollar oder 1,5 Prozent auf 1.919.

Papiere aus dem Finanzsektor im Plus

Die Kurse der Technologieriesen Apple, Amazon, Alphabet, Facebook, Microsoft oder Netflix gaben zwischen 1 und 3,9 Prozent ab. Klar favorisiert wurden Aktien aus dem Finanzsektor. Der S&P-500-Bankindex lag fast 6 Prozent im Plus. Bankaktien waren wegen der Konjunkturreagibilität der Branche gesucht, aber vor allem wegen des deutlich erhöhten Zinsniveaus. Höhere Zinsen machen das Geschäft für die Banken einfacher und lukrativer. Von den höheren Zinsen profitieren auch Versicherer, deren Subindex gut 3,5 Prozent gewann.

Moderna Inc.
Moderna Inc. 128,80

Unter den Einzelwerten stiegen Moderna um 6,5 Prozent, nachdem der Corona-Impfstoff des US-Unternehmens nun auch in Europa eingesetzt werden kann. Der Kurs des Impfstoffwettbewerbers Biontech legte um 5,0 Prozent zu. Change Healthcare machten einen Satz um 30 Prozent nach oben, Unitedhealth gewannen 4,2 Prozent. Der US-Krankenversicherer kauft für rund 7,8 Milliarden Dollar das Technologieunternehmen für das Gesundheitswesen.

Amerisourcebergen sprangen um 8,6 Prozent an. Der Pharmagroßhändler übernimmt für 6,5 Milliarden Dollar die Mehrheit des Pharmagroßhandelsgeschäfts Alliance Healthcare von Walgreens Boots Alliance. Dadurch wird Walgreens größter Einzelaktionär. Der Dow-Wert Walgreens legte um 4,5 Prozent zu.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 62,00

Erneut im Fokus standen die US-Hinterlegungsscheinen der chinesischen Telekomunternehmen China Telecom, China Mobile und China Unicom. Sie verloren zunächst deutlich, gingen dann aber uneinheitlich aus dem Tag. China Mobile verloren 5,5 Prozent, während China Telecom 1,4 Prozent gewannen. Die New Yorker Börse hat eine erneute Kehrtwende gemacht und wird die Notierung der drei Aktien nun doch beenden. Hintergrund ist eine frühere Anordnung von US-Präsident Donald Trump, die darauf abzielt, den Handel mit Wertpapieren von Unternehmen mit Verbindung zum chinesischen Militär zu verbieten.

Am Ölmarkt ging es nach dem kräftigen Vortagesschub weiter nach oben. Nachdem der WTI-Preis am Dienstag erstmals seit Februar kurzzeitig über 50 Dollar pro Barrel gestiegen war, lag er zuletzt mit einem Plus von 0,9 Prozent bei 50,36 Dollar. Nach dem Opec+-Kompromiss über eine nur ganz leicht steigende Ölförderung sorgten deutlich gesunkene US-Ölvorräte in der vergangenen Woche für steigende Preise.

Quelle: ntv.de, jpe/DJ