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Sinkende Heizkosten im Winter? Schieferöl-Boom drückt Ölpreise

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Hier in Kalifornien vermutet das US-Energieministerium rund 15 Milliarden Fässer förderbares Schieferöl.

(Foto: REUTERS)

Öl wird derzeit immer günstiger. Neben der stotternden Weltkonjunktur liegt das auch an dem Schieferöl-Boom in den USA, der den Markt mit dem Rohstoff überschwemmt. Ein Ende des Preisverfalls ist vorerst nicht in Sicht.

Sinkende Heizkosten im Winter - dieser Traum vieler Verbraucher könnte dieses Jahr zumindest in den USA wahr werden. Selbst in der Euro-Zone muss nicht mit explodierenden Kosten gerechnet werden. Daran ändert auch der Euro-Kursverfall nichts. Denn die Ölpreise sind trotz aller Krisen und Kriege im ölreichen Nahen Osten seit Monaten auf Talfahrt.

Der Grund: Der Markt wird dank des Schieferöl-Booms in den USA mit dem Rohstoff überschwemmt. Zudem ist die Nachfrage wegen der schwächelnden Konjunktur in vielen Industrieländern gering. "Es sieht so aus, als ob der Abwärtstrend noch nicht zu Ende ist", sagt Rohstoff-Experte Robin Bieber vom Erdöl-Broker PVM Oil Associates.

Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostet derzeit mit rund 91 Dollar so wenig wie zuletzt im Juni 2012. Der Preis für ein Fass des US-Öls WTI liegt mit gut 87 Dollar auf dem tiefsten Stand seit anderthalb Jahren. Damit haben beide Sorten im Vergleich zu ihren Höchstständen vom Juni etwa 20 Prozent eingebüßt.

Aus Sicht des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch ist ein Abrutschen des Brent-Preises unter 90 Dollar gut möglich. Die Experten der US-Ratingagentur Fitch halten gar Preise von 80 Dollar für denkbar. An den Terminmärkten sind die Anleger ähnlich positioniert: Der US-Börse Intercontinental Exchange (ICE) zufolge gingen die Wetten auf einen steigenden Brent-Preis zuletzt um fast ein Sechstel zurück.

Vormarsch der IS-Milizen verunsichert nur kurzzeitig

Vor einigen Jahren führten Kriege im Irak und anderen Ländern der ölreichen Region regelmäßig zu explosionsartig steigenden Preisen für das "schwarze Gold". Der Vormarsch der radikalen Milizen des Islamischen Staats in dem Golfstaat lösten vor einigen Wochen dagegen nur kurzzeitig Verunsicherung am Ölmarkt aus, selbst als irakische Ölfelder bedroht waren.

Das liegt zum einen an der schwachen Nachfrage: Mit Ausnahme der USA läuft der Konjunkturmotor nicht rund. Chinas Wirtschaft schwächelt, und in der Euro-Zone geht der Wachstumslokomotive Deutschland die Puste aus. Zum anderen steigt das Angebot immer weiter, vor allem dank der USA, wo mit Hilfe neuer Technologien (Fracking) in Schiefergestein eingeschlossenes Öl und Gas gefördert wird. So steigen die US-Rohölbestände seit Monaten: Allein in der vergangenen Woche nahmen sie nach Angaben des Branchenverbands American Petroleum Institute (API) um mehr als fünf Millionen Barrel zu. Das ist mehr als drei Mal so viel wie von Analysten erwartet.

Nun droht noch ein Preiskrieg der Erdöl-Förderländer. Der staatliche saudi-arabische Ölkonzern Aramco gewährt seit Monatsbeginn den asiatischen Kunden Preisnachlässe. Bjarne Schieldrop, Chef-Rohstoffanalyst der SEB, spricht von einer tiefgreifenden Veränderung des Marktes. Saudi-Arabien kommt als weltgrößtem Öl-Exporteur eine Schlüsselrolle zu, was die Angebotsseite betrifft. DZ-Bank-Analyst Axel Herlinghaus rechnet mit einer Förderkürzung.

Starker Dollar ein Grund für Ölpreis-Schwäche

Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank, sieht als einen weiteren Grund für die Ölpreis-Schwäche die Stärke des Dollar. Denn das "schwarze Gold" wird international in Dollar gehandelt und verteuert sich somit für Käufer außerhalb der USA. Der Kurs der US-Währung wird Experten zufolge dank der gut laufenden US-Konjunktur weiter steigen. Dazu dürften auch die Zinserhöhungen beitragen, die in den USA schneller erwartet werden als in der Euro-Zone.

Von den Konjunktursorgen profitieren die "sicheren Häfen" Anleihen und auch der Goldpreis. Der Preis für die Feinunze ist mittlerweile wieder deutlicher über die Marke von 1200 Dollar gestiegen. Aktuell notiert er bei 1217 Dollar und damit fünf Dollar über dem Niveau des Vortages. Noch am Freitag war er mit dem starken US-Arbeitsmarktbericht auf den tiefsten Stand in diesem Jahr bei rund 1185 Dollar abgerutscht.

Quelle: n-tv.de, kst/DJ/rts

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