Marktberichte

Hoffnung an der Wall Street US-Börse erholt sich trotz Krise

131252900.jpg

Die Krise hält an, die Stimmung an der Wall Street hellt sich trotzdem auf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Aussicht auf bessere Zeiten stimmt die Anleger an der Wall Street positiv. Die Lockerungen in vielen Ländern machen Hoffnung und sorgt für steigende Aktienkurse. Gepusht wird die gute Laune zudem von offenbar weniger stark steigenden Arbeitslosenzahlen und steigenden Exporten in China.

Nach der eher durchwachsenen Entwicklung vom Vortag ist es am Donnerstag an den US-Börsen nach oben gegangen. Zentrales Thema an den Märkten war zwar unverändert die Corona-Pandemie mit ihren heftigen Folgen für die Weltwirtschaft, doch sehen Anleger wieder Licht am Ende des Tunnels. Immer mehr Länder kehren allmählich zur Normalität zurück. Auch US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch angekündigt, die Anstrengungen zum Wiederhochfahren der heimischen Wirtschaft und zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus zu verstärken.

Zudem scheint die Arbeitslosigkeit in den USA nicht mehr ganz so rasant zu steigen wie in den zurückliegenden Wochen. Demnach beantragten in der vergangenen Woche 3,169 Millionen Amerikaner erstmals Arbeitslosenhilfe. Das waren zwar mehr als die 3,05 Millionen, mit denen Volkswirte gerechnet hatten, aber weniger als in der Woche davor, als nach revidierten Angaben 3,846 Millionen Erstanträge gestellt wurden. Am Freitag wird die US-Regierung den offiziellen Arbeitsmarktbericht für April veröffentlichen. Nun hoffen Teilnehmer, dass er weniger schlimm ausfällt als befürchtet.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,9 Prozent auf 23.876 Punkte. Der S&P-500-Index stieg um 1,2 Prozent und der Nasdaq-Composite gewann 1,4 Prozent. Den 2.109 (Mittwoch: 910) Kursgewinnern an der NYSE standen 828 (2.029) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 52 (67) Aktien. Zeitgleich mit den Erstanträgen wurden die Daten zur Produktivität außerhalb der Landwirtschaft aus dem ersten Quartal veröffentlicht. Sie schrumpfte zum Vorquartal um 2,5 Prozent; Ökonomen hatten einen Rückgang um 5,5 Prozent prognostiziert. Gute Nachrichten kamen am Donnerstag auch aus China. Dort sind die Exporte im April wider Erwarten gestiegen, was auf eine Erholung der chinesischen Wirtschaft von dem coronabedingten Einbruch hindeutet.

Paypals Umsatz verfehlt die Erwartungen

Geschäftszahlen hat schon am Mittwoch nach Börsenschluss unter anderem Paypal veröffentlicht. Umsatz und Ergebnis des Zahlungsdienstleisters im ersten Quartal verfehlten die Erwartungen. Auch zog Paypal wegen der ungewissen Folgen der Corona-Krise den Jahresausblick zurück. Allerdings gewann das Unternehmen im Auftaktquartal eine Rekordzahl von Kunden. Zudem habe sich das Geschäft im April wieder belebt. Die Aktie sprang um 14 Prozent nach oben. Leicht positiv wurden auch die Zahlen aufgenommen, die Raytheon am Donnerstagmorgen (Ortszeit) veröffentlicht hat. Der Rüstungskonzern hat im ersten Quartal mehr verdient als erwartet. Für die Aktie ging es um 1,6 Prozent aufwärts.

Die Aktie von Fox kletterte um 1,8 Prozent nach oben. Der Medienkonzern hat in seinem dritten Geschäftsquartal 2019/20 den Umsatz kräftig gesteigert. Der bereinigte Gewinn je Aktie übertraf die Analystenprognosen. Die Lyft-Aktie haussierte um knapp 22 Prozent, nachdem der Fahrdienstvermittler über leichte Verbesserungen bei den Fahrtrends berichtet hat. Der Uber-Konkurrent hat zudem neue Kostensenkungs-Pläne vorgestellt.

Ölpreis drehen nach unten ab

Der Ölmarkt zeigte sich nervös. Zwischenzeitliche kräftige Aufschläge konnten nicht gehalten werden. Zunächst stützte die Hoffnung auf ein Wiederanziehen der Weltwirtschaft und damit der Ölnachfrage gab den Ölpreisen Auftrieb. Stützend wirkte nach Angaben aus dem Handel auch, dass Saudi-Arabien den Preis für Öl zur Lieferung an asiatische Abnehmer im Juni Medienberichten zufolge erhöht hat. Aber Zweifel wegen eine Überangebots kamen wieder auf. So gab es Berichte, dass kleinere OPEC-Länder wie Kasachstan möglicherweise nicht die Produktionssenkungen umsetzen. Das Barrel US-Rohöl der Sorte WTI fiel um 3,1 Prozent auf 23,25 Dollar. Brent-Öl verlor 2,0 Prozent auf 29,12 Dollar.

Staatsanleihen erfuhren trotz der positiven Stimmung an den Aktienmärkten Zulauf. Steigende Notierungen drückten die Zehnjahresrendite um 7,3 Basispunkte auf 0,63 Prozent. Auch Gold machte einen deutlichen Satz nach oben. Anders als am Aktienmarkt wurden die Arbeitsmarktdaten hier eher als negativ angesehen. Der Preis für die Feinunze zog um 1,9 Prozent an auf 1.718 Dollar.

Am Devisenmarkt setzte der Euro zu einer kleinen Gegenbewegung nach den jüngsten starken Verlusten an. Er stieg auf 1,0830 nach einem Tagestief bei 1,0767 Dollar.
Derweil stand die türkische Lira abermals im Fokus. Sie fiel am Donnerstag auf ein neues Rekordtief von 7,2696 je US-Dollar. Die Akteure am Devisenmarkt bezweifeln nach Angaben aus dem Handel, dass die türkische Zentralbank die Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft des Landes durch geldpolitische Maßnahmen lindern kann. Überdies berichtete die Financial Times unter Berufung auf informierte Personen, Finanzminister Berat Albayrak, Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, beharre darauf, dass sich die heimische Wirtschaft erholen werde, und habe einen Bericht des Internationalen Währungsfonds zurückgewiesen, in dem vor einem Abrutschen der Türkei in eine heftige Rezession gewarnt worden sei.

Auch der brasilianische Real fiel zum Dollar auf ein Rekordtief, nachdem die brasilianische Zentralbank den Leitzins Selic am Mittwochabend (Ortszeit) um 75 Basispunkte auf den bisher niedrigsten Stand von 3,00 Prozent gesenkt hat. Der Dollar stieg daraufhin auf bis zu 5,869 Real, fällt aktuell aber leicht zurück auf 5,843.

Quelle: ntv.de, ibu/DJ