Startup

Prominente Unterstützung an Bord Überwachungs-Start-up setzt auf Expansion

smartfrog.PNG

Durch die günstigen Preise soll das von Smartfrog angebotenen System massentauglich werden.

Ein bekannter Risikokapitalgeber pumpt Millionen in die Hausüberwachungs-App eines Berliner Start-ups. Der Kurs ist klar: Smartfrog strebt die Marktführerschaft an. Dabei könnte das Unternehmen auch von der aktuellen Sicherheitsdebatte profitieren.

Das Technologie-Start-up Smartfrog setzt rund 10 Monate nach dem Start seiner Hausüberwachungs-App auf Expansion. "Wir gehen jetzt in die Wachstumsphase über", kündigte Mitgründer Andreas Rudyk an. Helfen soll dabei eine neue Finanzierungsrunde, die sich laut Rudyk gerade in der Schlussphase befindet und "deutlich" mehr Geld in die Kassen spülen soll.

Das "Internet der Dinge" gilt seit einiger Zeit als der nächste Megatrend. Smartfrog hat eine App mit dazugehöriger internetfähiger Kamera entwickelt, mit der die Nutzer ihr Zuhause von unterwegs überwachen können. Prominentes Vorbild ist dabei das kalifornische Automatisierungsunternehmen Nest - mittlerweile im Besitz des US-Konzerns Google, der Anfang 2014 rund 3,2 Milliarden US-Dollar für den Anbieter von Überwachungskameras, intelligenten Thermostaten und Rauchmeldern hinblätterte.

Metro, Otto und Rewe als Unterstützer

*Datenschutz

Dabei hat sich das Berliner Start-up prominente Unterstützung an Bord geholt: Der global agierende Risikokapitalgeber E.Ventures hat Millionen in einer ersten Finanzierung in Smartfrog gepumpt. Details geben die beteiligten Unternehmen nicht preis. An E.Ventures sind auch die Handelskonzerne Metro, Otto und Rewe beteiligt, die so auf der Suche nach neuen Ideen sind. Aber auch Unternehmen wie Prosiebensat1 oder Porsche gehören dazu.

E.Ventures ist mittlerweile der größte Investor von Smartfrog. Wie hoch die Beteiligung ist, wollte Rudyk jedoch nicht verraten. E.Ventures soll auch bei der laufenden Finanzierungsrunde wieder dabei sein, jedoch ist Smartfrog auch nach der Suche nach neuen strategischen Partnern.

Über das angepeilte Volumen wollte sich Rudyk ebenfalls nicht äußern. Es soll allerdings deutlich mehr eingenommen werden als in den zwei Runden zuvor, in denen zusammen rund 7 Millionen Euro zusammenkamen. Branchenbeobachter schätzen das Volumen auf einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Mit dem Geld soll die weitere Expansion finanziert werden. Zwar gibt es bereits Nutzer in 120 Ländern, bislang ist Smartfrog aber vor allem auf Deutschland konzentriert. Der europäische Markt soll nun folgen.

Aktuelle Sicherheitsdebatte

Mit der bisherigen Entwicklung ist Rudyk "sehr zufrieden". Die Mitarbeiterzahl habe sich auf 60 verdoppelt, eine weiteren Verdoppelung sei in der nächsten 12 Monate geplant. Smartfrog sei dabei seit der Markteinführung stark gewachsen. Dabei profitiert das Unternehmen auch von der aktuellen Sicherheitsdebatte, wie der Gründer einräumt. "Alles, was mit Sicherheitsthemen zu tun hat, ist derzeit sehr relevant", sagte der Manager.

Aktuelle Nutzerzahlen will Rudyk nicht preisgeben. Branchenbeobachter schätzen, dass Smartfrog bislang eine 5-stellige Kundenzahl erreicht hat. Dabei bleibt viel Luft nach oben. So schätzt die Investmentbank Goldman Sachs den weltweiten Markt für Überwachungs- und Sicherheitslösungen auf 18 Milliarden US-Dollar bis 2017.
Smartfrog strebt dabei die Marktführerschaft in diesem Bereich an, wie Rudyk ankündigte. "Wir wollen die Firma schnell so groß wie möglich machen." Wachstum habe Vorrang, eingenommenes Geld werde komplett reinvestiert. Günstige Preise sollen Markt massentauglich machen.

System auch für Schwellenländer interessant

*Datenschutz

Smartfrog ist in diesem Segment Preisbrecher, andere Systeme sind deutlich teurer. Durch den günstigen Preis soll das angebotene System "massentauglich" werden, erhofft sich Rudyk. Etwa 90 Prozent der Smartfrog-Kunden entscheiden sich dabei für das Abonnementenmodell, bei dem der Kunde für App und Kamera 5,95 Euro pro Monat bezahlt. Die Kamera ist aber auch separat erhältlich. Die Hardware wird aktuell in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Irland und Großbritannien angeboten.

Dabei ist die - kostenlose - App unabhängig von der Hardware. Smartfrog sei das erste Unternehmen, dass dies anbiete, sagte Rudyk. Auch ein Smartphone oder die Webcam eines Laptops können dafür genutzt werden. Diese Flexibilität mache das System auch für die Schwellenländer interessant, hofft Rudyk.

Eigentlich ist das System für den Privatnutzer gedacht: Die Werbung auf der Homepage zeigt die klassische Situation, bei der die Kamera das Kinderzimmer mit einem spielenden Kind überwacht. Umfragen zufolge nutzen Privatleute die Smartfrog-Lösung vor allem zur Überwachung ihrer Haustiere oder als Babymonitor. Zunehmend sei das System aber auch bei kleinen Unternehmen beliebt. Läden wie etwa Pizzerien oder Coffeshops wollen damit Einbrechern auf die Spur kommen. 30 Prozent der Kunden kommen laut Rudyk aus diesem Bereich. Technische Probleme wie eine zu geringe Reichweite oder häufige Verbindungsabbrüche hat Smartfrog mit einer überarbeiteten Kamera aufgegriffen, die vor kurzem auf den Markt kam.

Kooperation mit Amazon

Positiv wirken sich dabei die Partnerschaften mit großen Handelskonzernen aus. So kann die Kamera bei den Elektronikketten Media Markt und Saturn gekauft werden. Beide Handelsketten gehören zur Metro. Wenige Wochen alt ist der jüngste Coup: Die Verbindung mit Amazon: Über die Online-Plattform kann der Kunde neben der Kamera auch das Abo-Modell erwerben. Aber auch über den Versandhändler Otto oder den Elektronikhändler Conrad ist der Abo-Abschluss inzwischen möglich.

Ein weiterer prominenter Partner ist der Energiekonzern EnBW. Nach ersten Tests soll die Zusammenarbeit über sämtliche Vertriebskanäle ausgeweitet werden, sagte Rudyk. So erhalten EnBW-Kunden mit ihrer Rechnung besondere Angebote, wie etwa einen kostenlosen Probemonat. Der Manager kündigte zudem weitere Partnerschaften mit Energieversorgern in Europa für die kommenden Monate an.

Einen Bekannheitsschub erwartet sich Rudyk auch von der Internationalen Funkausstellung IFA, die am Freitag für die Öffentlichkeit ihre Tore öffnet. Das Unternehmen wird dort erstmals als Aussteller teilnehmen.

Quelle: n-tv.de, Natali Schwab, DJ

Mehr zum Thema