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Lösung für überfüllte Bahnhöfe 1500 Menschen drängeln für die Wissenschaft

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Täglich fahren in Deutschland 36 Millionen Passagiere mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Mit Bus und Bahn zu Stoßzeiten zu fahren, macht keinen Spaß - doch das könnte sich bald ändern. Für eine Studie drängeln sich 1500 Probanden auf fiktiven Bahnsteigen oder in Zügen, um den öffentlichen Nahverkehr in Zukunft besser zu organisieren.

Sie tragen schwarze Kleidung und giftgrüne Kappen, auf denen ein QR-Code befestigt ist: 1500 Versuchspersonen drängeln seit Freitag in Düsseldorf im Dienst der Wissenschaft. In einer Veranstaltungshalle simulieren sie vier Tage lang das Gedränge und Geschiebe auf dem Bahnsteig in unterschiedlichen Situationen. Simuliert wird der Aufenthalt auf einem Bahnsteig oder das Ein- und Aussteigen an Zugtüren. Die Forscher werden mit Kameras über ihren Köpfen die Bewegungen der Probanden aufzeichnen und Daten wie Herzschlag und Stresslevel erfassen.

Ziel sind neue Konzepte zur Steigerung der Sicherheit, des Komforts und der Effizienz in überfüllten Bahnhöfen. Die Bundesregierung fördert die Experimente mit 3,4 Millionen Euro. Bei 36 Millionen Passagieren im öffentlichen Nahverkehr pro Tag - Tendenz steigend - gelte es, Belastungsspitzen abzufedern und die Bahnsteige baulich darauf einzustellen, sagte Armin Seyfried.

Wie verhalten sich die Passagiere?

Wo sollten Bänke, Papierkörbe, Fahrpläne und Wagenstandsanzeiger stehen? Wo warten die Leute am liebsten? "Es gibt Menschen, die lieber im Gefahrenbereich nahe der Bahnsteigkante warten als anderen zu nahe zu kommen. Andere fühlen sich nur mit einer Wand im Rücken wohl", berichteten die Forscher der Universitäten Wuppertal und Bochum sowie des Forschungszentrums Jülich. Berufspendler verhalten sich anders als Fernreisende mit Gepäck oder alkoholisierte Fußballfans.

In anderen Ländern trennen Wände mit Durchlässen die Menschenmenge von den Gleisen. Dies sei in Deutschland wegen der unterschiedlichen Zugtypen nicht möglich. Auch sogenannte "Pusher", die Menschen wie in Japan in die Züge drücken und Nachzügler fernhalten, sind im Versuchsdesign nicht vorgesehen. Eine Lösung könnten aber Füllstandsanzeiger für die Züge sein: Wenn die Passagiere vorher wüssten, in welchen Waggons die leeren Plätze auf sie warten, könnte das Gedränge auf den Bahnsteigen entzerrt und deren volle Länge besser genutzt werden.

Quelle: ntv.de, cls/dpa

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