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Mofi, Sofi und Merkurtransit 2019 bietet astronomische Höhepunkte

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Der Blick in den Himmel lohnt immer wieder.

(Foto: dpa)

Sternengucker können sich für 2019 bereits einige Termine in den Kalender eintragen. Das neue Jahr bietet gleich zwei Mond- und Sonnenfinsternisse, im November schaut dann alles auf Merkur.

Drei besondere astronomische Höhepunkte hat das Jahr 2019 zu bieten: im Januar eine totale Mondfinsternis, im Juli eine partielle und einen speziellen Blick auf den Planeten Merkur. Am 21. Januar findet in den frühen Morgenstunden eine totale Mondfinsternis statt, die von Mitteleuropa aus beobachtbar ist. Eine partielle Mondfinsternis lässt sich am 16. Juli in der ersten Nachthälfte beobachten.

Eine partielle Sonnenfinsternis am 6. Januar, eine totale am 2. Juli und eine ringförmige Sonnenfinsternis am 26. Dezember sind hingegen von Deutschland aus nicht zu sehen. Am 11. November zieht Merkur als dunkler Punkt vor der hellen Sonnenscheibe vorbei. Wer dieses seltene Ereignis verpasst, erhält erst wieder am 13. November 2032 eine Chance: Dann wird der sonnennächste Planet abermals von der Erde aus gesehen vormittags vor die Sonne treten.

Venus ist der Morgenstern

Venus beginnt das Jahr als Morgenstern. Am 6. Januar erreicht sie ihren größten westlichen Abstand von der Sonne. Von Januar bis Ende Juni ist unser innerer Nachbarplanet am Morgenhimmel vertreten. Dann beendet die Venus ihre Morgensichtbarkeit. Am 14. August holt sie die Sonne ein. Sie bleibt dann nachts unsichtbar. Ende Oktober taucht Venus am Abendhimmel auf und beginnt ihre Abendsternperiode. Ihre Rolle als Abendstern spielt sie dann bis Mai 2020.

Mars ist zu Jahresbeginn Planet der ersten Nachthälfte. Er wandert im Januar durch das Sternbild Fische. Am 13. wechselt er in das Sternbild Widder. Anfang Juni wird der Rote Planet unbeobachtbar, da er schon in der hellen Abenddämmerung untergeht. Am 2. September holt ihn die Sonne ein - er steht in Konjunktion mit ihr. Er hält sich somit am Taghimmel auf und bleibt nachts unsichtbar. Ende Oktober taucht Mars am Morgenhimmel auf und ist bis Jahresende am Morgenhimmel sichtbar.

Jupiter ist zu Jahresanfang am Morgenhimmel zu sehen. Am 10. Juni kommt der Riesenplanet im Sternbild Schlangenträger in Opposition zur Sonne. Er ist dann das dominierende Gestirn am Nachthimmel. Zur Opposition nimmt Jupiter seine kleinste Entfernung von der Erde ein. Es trennen ihn dabei 641 Millionen Kilometer von uns, also die mehr als vierfache Distanz Sonne-Erde. Dies entspricht einer Lichtlaufzeit von 35 Minuten und 38 Sekunden. Bis Anfang November kann der Riesenplanet am Abendhimmel gesehen werden. Am 27. Dezember trifft er mit der Sonne zusammen und steht unbeobachtbar am Taghimmel.

Saturn bleibt im Januar unsichtbar. Um Mitte Februar taucht der Ringplanet am Morgenhimmel tief im Südosten auf. Bis Sommer wird er zum Planeten der gesamten Nacht. Er steht am 9. Juli im Sternbild Schütze in Gegenschein zur Sonne. Bis Ende November ist der Ringplanet am Abendhimmel vertreten.

Merkur zeigt sich Mitte Februar bis Anfang März sowie im Juni am Abendhimmel. Mitte August und Ende November bis Anfang Dezember bietet er eine Morgensichtbarkeit. Der sonnennächste Planet ist schwierig zu beobachten. Er zeigt sich immer nur wenige Tage entweder in der Abenddämmerung tief am Westhimmel oder in der Morgendämmerung knapp über dem Osthorizont für jeweils etwa eine halbe Stunde. Am 11. November 2019 zieht der flinke Planet als dunkler Punkt für einige Stunden vor der Sonne vorbei: Es findet das seltene Ereignis eines Merkurtransits statt.

Merkurtransit am 11. November

Manchmal erscheint der Merkur als winziges, dunkles Pünktchen vor der grell leuchtenden Sonnenscheibe. In wenigen Stunden zieht er vor der Sonne vorbei. Eine solche Passage wird Merkurdurchgang oder -transit genannt. Mit freien Augen ist ein solcher Merkurdurchgang nicht zu beobachten. Um das dunkle Merkurscheibchen vor der Sonne zu erkennen, ist ein Teleskop auf stabiler Montierung mit mindestens 15-facher Vergrößerung zu empfehlen - unbedingt mit geeignetem Filter oder speziellen Einrichtungen zum Schutz vor dem Sonnenlicht.

Merkur und Venus laufen auf Bahnen innerhalb der Erdbahn, wobei sie schneller sind als die Erde. Alle vier Monate überholt Merkur die Erde auf der Innenbahn. Dabei steht er von uns aus gesehen zwischen Sonne und Erde. Doch nicht bei jedem Überholvorgang passiert der Götterbote die Sonne. Merkurtransite ereignen sich viel seltener als Sonnen- oder Mondfinsternisse. Im 21. Jahrhundert kommt es lediglich zu 14 Merkurtransiten.

Da Merkur der Sonne im November näher ist, sind Novembertransite häufiger als die im Mai. Von 1600 bis 2300 gibt es insgesamt 94 Merkurtransite, davon finden 31 im Mai, aber 63 im November statt. Anders als bei einer Sonnenfinsternis, bei der sich der Neumond von West nach Ost über die Sonne schiebt (von der Nordhalbkugel aus gesehen also von "rechts" nach "links"), erfolgt der Eintritt des Merkur- oder Venusscheibchens am östlichen ("linken") Sonnenrand. Von Europa aus ist der Merkurtransit vom 11. November nur teilweise zu sehen: An den meisten Orten geht die Sonne unter, bevor der Transit endet. Merkur läuft recht schnell, da er am 16. November durch seinen sonnennächsten Punkt eilt. Das gesamte Ereignis dauert nur 5 Stunden, 28 Minuten und 48 Sekunden.

Beste Zeit für Sternschnuppen

Asteroiden, Kometen und Meteoroiden

Millionen von Asteroiden und Kometen rasen durch das Sonnensystem. Unterschieden werden sie vor allem anhand ihrer Zusammensetzung; ganz klar definiert ist der Unterschied allerdings nicht. ASTEROIDEN sind die kleineren Geschwister der Planeten, sie bestehen aus Gestein und Metallen. Weil sie klein und leicht sind, bleibt ihre Bahn um die Sonne nicht unbedingt konstant, sondern kann sich durch die Gravitationskräfte anderer Körper verändern. KOMETEN sind Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems und bestehen aus Gestein sowie flüchtigen Stoffen wie Wasser und Gasen. Die "schmutzigen Schneebälle" entwickeln darum in Sonnennähe typischweise einen oft Millionen Kilometer langen Schweif. Für sehr kleine Objekte mit weniger als einigen Dutzend Metern Durchmesser wurde die Bezeichnung METEOROIDEN eingeführt. Verglühen sie beim Eintritt in die Erdatmosphäre nicht komplett, sondern erreichen noch den Boden, werden sie METEORITEN genannt. Jeden Tag gelangen etliche Tonnen kosmischen Materials auf die Erde, allerdings zum größten Teil als Staub.

Die meisten Sternschnuppen sind in den Monaten Mai, August und November zu sehen. Neben sporadischen Meteoren treten mehr oder minder regelmäßig Sternschnuppenschwärme auf, wenn die Erde den Pulk eines Meteoroidenstromes kreuzt. Grundsätzlich gilt: In der zweiten Nachthälfte sind meist mehr Sternschnuppen zu beobachten. Gleich zu Jahresbeginn sind die Quadrantiden zu erwarten. Ihr scheinbarer Ausstrahlungspunkt oder Radiant liegt im Sternbild Bootes. Vom 1. bis 10. Januar flammen sie in der zweiten Nachthälfte auf. Es lohnt, vor allem in den Morgenstunden nach den Quadrantiden Ausschau zu halten. In der Nacht vom 3. auf 4. Januar tritt nach Mitternacht das Maximum auf: Rund hundert Objekte tauchen dann pro Stunde auf. Helle Sternschnuppen kommen dabei nur selten vor.

Die Mai-Aquariden flammen von Monatsbeginn bis etwa 28. Mai auf. Die ersten Exemplare dieses Stromes erscheinen bereits Ende April. Das ausgeprägte Maximum wird am 6. Mai erreicht. Im Durchschnitt sind etwa zwanzig Sternschnuppen pro Stunde zu registrieren, um die Zeit des Maximums sogar bis zu sechzig. Wegen des horizontnah liegenden Radianten sind die Mai-Aquariden in unseren Breiten allerdings kaum zu beobachten - in südlichen Gegenden sind sie ein auffälliger Strom. Es handelt sich um schnelle Objekte, die mit Geschwindigkeiten um 65 Kilometer pro Sekunde in die Erdatmosphäre eintauchen, wobei sie auffallend lange Leuchtspuren hinterlassen.

Der August gilt auch in Laienkreisen als der Sternschnuppenmonat schlechthin. Die große Zahl der Meteore in den ersten Augusttagen ist auf den Strom der Perseïden zurückzuführen, dessen maximale Tätigkeit zwischen dem 9. und 13. August liegt. Helle Objekte, sogenannte Feuerkugeln oder Boliden, sind keine Seltenheit. Das Maximum ist in der Nacht vom 12. auf 13. August zu erwarten. Als schönster und reichster Strom des Jahres bescheren die Perseïden bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde. Ihren Ursprung führen die Perseïden auf den Kometen 109P/Swift-Tuttle zurück. Die beste Beobachtungszeit liegt zwischen 22 Uhr und 4 Uhr morgens.

Die Perseïden-Sternschnuppen sind mit 60 Kilometer pro Sekunde recht schnelle Objekte. Vom 13. bis 30. November treten am Morgenhimmel die Leoniden in Aktion. Ihr Radiant liegt im Löwen. Das spitze Maximum ist in der Nacht vom 17. auf 18. November zu erwarten. Diesmal ist mit einer Rate von zwanzig Meteoren pro Stunden zu rechnen. Die Sternschnuppen sind außerordentlich schnell - um 70 Kilometer pro Sekunde. Das Erscheinen der Leoniden geht auf den Kometen 51P/Tempel-Tuttle zurück. Diesmal ist mit einer eher bescheidenen Leoniden-Aktivität zu rechnen.

Sonnenlauf und Jahreszeiten

Das astronomische Jahr 2019 beginnt bereits am 31. Dezember 2018 um 16.14 Uhr, wenn die Sonne in ihrer scheinbaren Bahn die Position 280 Grad östlich vom Frühlingspunkt erreicht. In den Morgenstunden des 3. Januar passiert die Erde den sonnennächsten Punkt ihrer Ellipsenbahn, wobei sie um 6 Uhr morgens 147,1 Millionen Kilometer vom Glutball Sonne entfernt ist. Diese Strecke überbrückt das Sonnenlicht in acht Minuten und zehn Sekunden.

Anfang Juli führt uns die Bahn der Erde in Sonnenferne. Am 4. Juli um Mitternacht Sommerzeit wandert die Erde durch den sonnenfernsten Punkt ihrer Bahn. Die Sonnenentfernung beträgt diesmal 152,104 Millionen Kilometer. Das Sonnenlicht benötigt dann 17 Sekunden länger als Anfang Januar, um uns zu erreichen. Um 22.58 Uhr am 20. März überschreitet die Sonne den Himmelsäquator und wechselt von der südlichen auf die nördliche Himmelskugel. Der Schnittpunkt von aufsteigender Sonnenbahn und Himmelsäquator wird Frühlingspunkt genannt. Steht die Sonne im Frühlingspunkt, ist ihr Tagbogen gleich lang wie ihr Nachtbogen. Man spricht von Frühlings-Tagundnachtgleiche. Den Gipfel ihrer Jahresbahn erreicht die Sonne am 21. Juni um 17.54 Uhr Sommerzeit. Der Sommerpunkt liegt im Sternbild Stier und im Tierkreiszeichen Krebs.

Nach Durchgang der Sonne durch den Sommerpunkt sinkt sie wieder zum Himmelsäquator hinab. Von einer aufsteigenden Bewegung wechselt sie in eine absteigende. Am 23. September überschreitet die Sonne abermals den Himmelsäquator, diesmal in südlicher Richtung. Um 9.50 Uhr Sommerzeit passiert sie den Herbstpunkt, die Herbst-Tagundnachtgleiche tritt ein. Anschließend sind bei uns die Nächte wieder länger als die Tage. Schließlich erreicht die Sonne am 22. Dezember im Winterpunkt ihren Jahrestiefststand.

Das Kalenderjahr

Nach dem Gregorianischen Kalender ist das Jahr 2019 ein Gemeinjahr mit 365 Tagen. Merkur ist der Regent des Jahres. Jahresregenten können die sieben klassischen Planeten Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sein. Einst glaubte man, die Jahresregenten würden die Großwetterlage im jeweiligen Jahr bestimmen. Aus Tradition wird immer noch für jedes neue Jahr ein Planetenregent angegeben, obwohl er keinerlei tiefere Bedeutung hat. Auf Kalendermünzen und in manchen Kalenderschriften ist er abgebildet.

Im Jahr 2019 kommt es zu einer Erscheinung, die man als "Osterparadoxie" bezeichnet. Allgemein bekannt ist die Regel: Ostern wird am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert. Doch 2019 beginnt der Frühling am 20. März um 22.58 Uhr, der erste Vollmond im Frühling tritt am 21. März um 2.43 Uhr ein. Demnach müsste am Sonntag, 24. März, Ostern gefeiert werden - Ostersonntag ist jedoch am 21. April. Auch im Jahr 1962 kam es zu einer solchen Osterparadoxie.

Ursache ist, dass die Grundlagen zur Berechnung des Ostertermins nicht immer mit dem tatsächlichen Frühlingsbeginn und dem tatsächlich stattfindenden Vollmond übereinstimmen. Vergeblich waren bisher alle Versuche, das Osterdatum vom Mondlauf abzukoppeln und einen gleichbleibenden Termin im Jahr festzulegen. Vorgeschlagen wurde, Ostern jeweils am zweiten Sonntag im April zu feiern. Bisher hat sich diese Idee aber nicht durchgesetzt.

Quelle: n-tv.de, Hans-Ulrich Keller, dpa

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