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Wirksamer bei halber Dosis Astrazeneca veröffentlicht Impfstoff-Tests

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Wirksam und sicher ist der Astrazeneca-Impfstoff - doch der Grund für die höhere Wirksamkeit bei halber Dosierung bleibt weiter unklar.

(Foto: imago images/IP3press)

Astrazeneca und die Uni Oxford veröffentlichen als Erste ihre Daten zum Corona-Impfstoff. Das Urteil anderer Experten stimmt den Hersteller zuversichtlich. Doch die höhere Wirksamkeit bei halber Dosierung sorgt weiter für Verwunderung und könnte ein "Dilemma" für Behörden zur Folge haben.

Eine klinische Studie zum Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca und der Universität Oxford hat die Sicherheit des Vakzins bestätigt und neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit gebracht. Die im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte Arbeit könnte jedoch dazu führen, dass die Auslieferungen des Impfstoffs sich verzögern. Denn unklar bleibt weiter, warum nach den vorliegenden Daten die Effektivität 62 Prozent bei zwei vollen Dosen betragen soll, aber 90 Prozent wenn stattdessen eine halbe und eine volle Dosis gegeben wurden. Dies werde "weitere Forschung erfordern, sobald mehr Daten aus der Studie verfügbar werden", hieß es.

Biontech
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Die in dem renommierten Magazin publizierte Studie legt den Testablauf sowie die Wirksamkeit dar. Die Veröffentlichung zeige, dass die Forscher "die Daten auf transparente Weise gemeinsam nutzen", sagte Andrew Pollard, der Chef der Oxford Vaccine Group. Die Impfstoffherstellung könne "wirklich kein Wettbewerb zwischen den Entwicklern sein, das muss ein Wettbewerb gegen das Virus sein". Die Studien der Astrazeneca-Konkurrenten Biontech aus Mainz mit seinem US-Partner Pfizer sowie Moderna aus den USA wurden noch nicht offiziell publiziert.

Astrazeneca hatte Ende November erklärt, sein Impfstoff habe eine Wirksamkeit von 70 Prozent. Aus der "Lancet"-Studie geht hervor, dass die Gruppe mit der höheren Wirksamkeit keine Menschen über 55 Jahre umfasste. Die Autoren schrieben, sie hätten "The Lancet" jedoch zusätzliche Analysen vorgelegt, die darauf hindeuteten, dass die Ergebnisse nicht auf das Alter zurückzuführen seien. Bei der Konkurrenz sind es über 90 Prozent.

Wirksamkeit anderer Impfstoffe liegt bei 90 Prozent

Der unterschiedliche Wirkungsgrad bei verschiedenen Dosierungen sorgt auch unter Fachleuten für Verwunderung. Im Vergleich dazu hat der konkurrierende Impfstoff von Biontech und Pfizer in Studien bislang eine Wirksamkeit von etwa 95 Prozent gezeigt. Er wurde heute in Großbritannien erstmals bei einer Massenimpfung eingesetzt. Die Daten aus der aktuellen "Lancet"-Veröffentlichung gäben die Zuversicht, eine Notfall-Zulassung des Impfstoffs in Großbritannien und anderswo zu beantragen. Die Gesundheitsbehörden müssten dann entscheiden, welche Dosierung zugelassen werden soll.

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Die Ergebnisse könnten zu Schwierigkeiten bei der Zulassung führen, sagte Simon Clarke außerordentlicher Professor für zelluläre Mikrobiologie an der britischen Universität Reading. Sie würden wahrscheinlich ein "Dilemma" für die Regulierungsbehörden darstellen, die darüber entscheiden müssten, welche Dosis die richtige sei.

Astrazenecas Impfstoffkandidat hat einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Der Vektorimpfstoff baut auf bereits erprobter Technologie auf und ist deshalb kostengünstiger als die mRNA-Impfstoffe des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer sowie der US-Pharmafirma Moderna. Zudem könnte der Impfstoff von Astrazeneca ohne großen Aufwand im Kühlschrank gelagert werden. Somit gilt er als leichter und billiger zu transportieren, was besonders in Entwicklungsländern ein Vorteil wäre.

Quelle: ntv.de, joh/rts/AFP