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Nach mehreren Monaten bei Delta Biontech-Impfschutz wird instabiler

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Wegen der hohen Impfraten in Israel ist dort die Datenlage für Studien besonders gut.

(Foto: REUTERS)

Wie lange hält der Schutz der Corona-Impfungen und nutzt er auch gegen die Mutationen? Diese Fragen treiben Wissenschaftler in der Pandemie bereits seit Längerem um. Mit neuen Studienergebnissen aus Israel fällt die Antwort wieder ein bisschen genauer aus, wenn auch nur für einen Impfstoff.

Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer verliert nach einigen Monaten stärker an Wirkung als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt ein israelisches Medizinerteam in einer Studie, die vorab veröffentlicht wurde. Die Forscher hatten in einer Beobachtungsstudie drei Gruppen verglichen: zweifach Biontech-Geimpfte, die zuvor nicht infiziert waren, ungeimpfte Corona-Infizierte und Corona-Infizierte, die eine Biontech-Dosis bekommen hatten.

Die Wirkung wurde nach vier Kriterien beurteilt: Sars-CoV-2-Infektion, symptomatische Erkrankung, Covid-19-bedingter Krankenhausaufenthalt und Tod. Der Beobachtungszeitraum reichte vom 1. Juni bis zum 14. August 2021. In dieser Zeit war in Israel die Delta-Variante dominant. Dabei zeigte sich, dass vor sechs bis acht Monaten Geimpfte ein 13-fach höheres Risiko einer Delta-Infektion hatten als in diesem Zeitraum Genesene. Das erhöhte Risiko wurde auch für symptomatische Erkrankungen nachgewiesen und sogar für Krankenhauseinweisungen.

Genesene, die eine Biontech-Gabe bekommen hatten, hatten den Forschern zufolge einen besonders hohen Schutz vor einer erneuten Infektion. "Diese Studie zeigt, dass die natürliche Immunität einen länger anhaltenden und stärkeren Schutz vor Infektionen, symptomatischen Erkrankungen und Krankenhausaufenthalten bietet, die durch die Delta-Variante von Sars-CoV-2 verursacht werden, im Vergleich zur BNT162b2-Zwei-Dosen-Impfstoff-induzierten Immunität", schreiben die Autoren. Personen, die sowohl zuvor mit Sars-CoV-2 infiziert waren als auch eine Einzeldosis des Impfstoffs erhielten, haben demnach einen besonderen Schutz gegen die Delta-Variante.

Auch wenn die Studie bisher als ungeprüfter Preprint veröffentlicht wurde und die Erkenntnisse daraus noch keine Auswirkungen auf die klinische Praxis haben, stehen die Ergebnisse doch im Widerspruch zu bisherigen Annahmen. Darin wurde davon ausgegangen, dass der Impfschutz bei vollständig Geimpften mit dem von Genesenen und Geimpften weitgehend identisch ist. Außerdem wurde in der aktuellen Studie nur Biontech/Pfizer berücksichtigt, andere Impfstoffe wie Moderna oder auch Astrazeneca blieben außen vor.

Argument für Boosterimpfungen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der die Studie bei Twitter teilte, leitete aus den Ergebnissen eine klare Schlussfolgerung ab. "Eine besonders hohe Impfquote plus Boosterimpfungen für Ältere und Kranke", schrieb Lauterbach, müsse die Folge sein. Biontech/Pfizer hat für die Einschätzung der Auffrischungsimpfungen, wie sie in Israel bereits seit einigen Wochen verabreicht werden, bereits neue Studiendaten angekündigt.

Andererseits sollte man aus diesen Ergebnissen nicht schließen, dass eine Corona-Infektion plus anschließender Impfung erstrebenswert ist. Eine große Studie mit fast zwei Millionen Menschen in Israel zeigt, dass eine Covid-19-Infektion gegenüber der Biontech-Impfung das Risiko einer Herzentzündung deutlich erhöht. Hinzu kommt das erhöhte Risiko von Blutgerinnseln, Herzinfarkten und anderen tödlichen Ereignissen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung.

Es ist die erste große Studie, die die Risiken einer Impfung mit einer Infektion in derselben Population zur gleichen Zeit vergleicht, erklären die Forscher um Ran Balicer vom Clalit Research Institute in Tel Aviv. Sie zeige, dass die Risiken einer Infektion die Risiken des Impfstoffs bei Weitem überwiegen, so die Wissenschaftler, deren Ergebnisse im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden.

Quelle: ntv.de, sba

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