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Kein Nutzen für Privatpersonen Bluttest weist zuverlässig Alzheimer nach

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Wie oft der Bluttest bereits an Privatpersonen verkauft wurde, ist bisher nicht bekannt.

(Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Blend Images)

Noch immer braucht es mehrere Verfahren, um Alzheimer zuverlässig zu diagnostizieren. Einige davon sind sehr teuer und invasiv. Ein neu entwickelter Bluttest, der in den USA bereits zugelassen ist, könnte das ändern.

Seit Jahren wird nach einem kostengünstigen und einfachen Test zur Alzheimer-Diagnose gesucht. Forschenden ist es nun gelungen, einen Bluttest zu entwickeln, der mit hoher Präzision die für Alzheimer verantwortlichen Proteine, die sogenannten Beta-Amyloide, anzeigt. Ganz konkret handele es sich dabei um Abeta 42 und Abeta 40, schreibt das Forscherteam zu den Studienergebnissen, die im Fachjournal "Neurology" veröffentlicht wurden.

Möglich ist das, weil Beta-Amyloide über die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, den sogenannten Liquor, in geringen Mengen auch ins Blut gelangen. Allerdings ist die Punktion des Rückenmarks zur Diagnose von Alzheimer ein relativ invasiver und kostenintensiver Eingriff, der mit Risiken verbunden ist.

Die Zuverlässigkeit des neuen Tests, der bereits in den USA zugelassen worden ist, wurde in einer Untersuchung an insgesamt 464 Studienteilnehmern aus Australien, den USA und Schweden geprüft. In den jeweiligen Ländern wurde dann das Ergebnis des Tests mit dem Ergebnis der sogenannten Positronen-Emissions-Tomografie (PET) gestellt. Bei dieser wird mithilfe von schwach radioaktivem markierten Wirkstoff der Blutfluss im Gehirn untersucht. Bei den Studienteilnehmern handelte es sich um Personen mit und ohne kognitive Beeinträchtigungen.

Wissen um Alzheimer-Risiko ist für Privatpersonen fragwürdig

In der Praxis wird die PET zur Diagnose von Alzheimer nur sehr selten angewandt. Die Untersuchung mit Kosten von 5000 bis 8000 Dollar ist sehr teuer und insgesamt sind nur wenige Kliniken oder Praxen mit diesen Geräten ausgestattet. Ein weiterer Punkt: Für die kostenintensive Diagnose gibt es keinen Grund, da es derzeit auch noch keine Therapie gibt, mit der Alzheimer wirklich geheilt oder nachhaltig gestoppt werden kann. Daran hat auch die Zulassung des Wirkstoffs Aducanumab in den USA nichts geändert, dessen Wirkung umstritten ist.

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Mit dem Bluttest können in Kombination mit genetischen Risikofaktoren 93 Prozent der Menschen mit erhöhtem Alzheimer-Risiko erkannt werden, schreibt die Washington University School of Medicine in St. Louis in einer Mitteilung. Der Nutzen des Bluttests für Privatpersonen, der in den USA für rund 500 Dollar auf dem Markt ist, bleibt angesichts fehlender Therapiemöglichkeiten jedoch fraglich.

Er könnte allerdings in der Zukunft für die Forschung gute Dienste leisten und beispielsweise zum Finden von Probanden für Alzheimer-Studien eingesetzt werden. Mithilfe des Bluttests wäre es möglich, mit hoher Präzision diejenigen zu identifizieren, die bereits die für Alzheimer typischen Veränderungen im Gehirn haben, noch bevor sie Symptome entwickelt haben.

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 25. Februar 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, jaz

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