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Zulassungen wohl erst 2022 Bund setzt auf diese Covid-Medikamente

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Neutralisierende Antikörper können die Ausbreitung des Virus im Körper verhindern - nur einer von verschiedenen Ansätzen gegen Covid-19.

(Foto: imago images/Science Photo Library)

Bis zu 150 Millionen Euro will der Bund in die Entwicklung von Medikamenten gegen Covid-19 investieren. Sechs Ansätze aus Deutschland werden dafür ausgewählt. Sie sollen ein breites Wirkungsspektrum abdecken. Doch klar wird auch: Das Corona-Wundermittel ist wohl nicht dabei.

Es gibt bereits Medikamente, die im Kampf gegen Covid-19 eingesetzt werden. Zugelassen sind in Deutschland bisher Remdesivir, ein antivirales Mittel, das gegen Ebola entwickelt wurde, und der Entzündungshemmer Dexamethason. Doch beide haben ihre Schwächen, die Forschung an wirksamen Mitteln geht also weiter. In Deutschland will der Bund nun die Entwicklung von sechs erfolgversprechenden Kandidaten fördern - mit bis zu 150 Millionen Euro.

Das Ziel dahinter: "Corona wird bei uns bleiben und wir werden Medikamente benötigen, um mit Covid-19 erkrankte Menschen zu behandeln", sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in Berlin. Mit der Förderung der sechs Ansätze werde auch in die Zukunft investiert, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. "Weil wir damit auch den deutschen Forschungs- und Entwicklungsstandort im Bereich Biotechnologie stärken."

Doch wie wirken die auserwählten Kandidaten? Die Ansätze sind recht unterschiedlich: Einige der Arzneien könnten etwa in der Frühphase der Infektion eingesetzt werden, um eine Ausbreitung von Sars-CoV-2 im Körper zu verhindern, erklärte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. Andere Wirkstoffe greifen eher bei den auf die Infektion folgenden "schädigenden Prozessen" an - wie etwa der überschießenden Immunreaktion, die Gewebe in der Lunge und den Gefäßen zerstört.

Es handelt sich um die Ansätze folgender Hersteller:

  • AdrenoMed: In Entwicklung ist ein monoklonaler Antikörper, der die Schädigung von Lungen, Gefäßen und Gewebe stoppen und sogar rückgängig machen soll.
  • Apogenix: Arbeitet an einem sogenannten Antikörper-Fusionsprotein. "Es gibt bestimmte Rezeptoren an einer Zelle, die bewirken, dass diese abgetötet werden", erklärte Cichutek. Während der Coronavirus-Infektion führe dies zu einer Gewebe- und Organschädigung. Dieses Protein soll genau das jedoch verhindern.
  • Atriva Therapeutics: Dabei handelt sich um "ein chemisches Arzneimittel, das gezielt in einen Mechanismus innerhalb der infizierten Zellen eingreift", sagte Cichutek. Es stoppe damit die Virusvermehrung in bereits infizierten Zellen. Das Mittel könne aber auch gegen die überschießende Entzündungsreaktion eingesetzt werden.
  • Corat Therapeutics : Arbeitet mit einem neutralisierenden Antikörper, der das Virus abfangen soll, bevor es andere Zellen infiziert.
  • InflaRX: Entwickelt einen Antikörper, der die Schädigung von Lungen und Gefäßen verhindern soll.
  • DRK Baden-Württemberg-Hessen: Hierbei handele es sich um Rekonvaleszentenplasma, also Blutplasma von Genesenen, das "in der Frühphase der Infektion eine Verminderung der Ausbreitung erreichen kann", so Cichutek.

"Dürfen keine Wunder erwarten"

Teilweise wurden die Arzneimittel bereits für die Behandlung anderer Erkrankungen wie Krebs oder Sepsis erforscht. Nun soll getestet werden, ob sie auch einen Effekt auf eine Corona-Erkrankung haben. Es sind derzeit Studien sowohl an mittelschwer als auch an schwer erkrankten Patientinnen und Patienten geplant.

Deutlich wird jedoch auch, dass ein Rundum-sorglos-Medikament gegen Covid-19 derzeit nicht in Sicht ist. "Es wird nicht das eine Medikament gegen Covid-19 geben", so Karliczek. "Wir dürfen keine Wunder erwarten." Vielmehr benötigten die Patientinnen und Patienten je nach Stadium und Entwicklung verschiedene Therapien. Auch werde die Entwicklung der Arzneien noch einige Zeit dauern - normalerweise nehme dies Jahre, nicht Monate in Anspruch. Wenn alles gut läuft, könnten die ersten Medikamente jedoch im kommenden Jahr eine Zulassung in Deutschland erhalten, so Karliczek.

Mit dem Medikament will sich der Bund auf die nächste Phase nach der Pandemie vorbereiten - wenn Sars-CoV-2 zu einem endemischen Erreger geworden ist. Ein oder mehrere wirksame Medikamente gegen Covid-19 zu finden, sei daher auch "ein weiterer wichtiger Schritt raus aus der Pandemie, und einen Schritt hin zu einer Situation, in der wir mit dem Virus leben wollen und leben müssen", sagte Spahn.

Quelle: ntv.de

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