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Keine Superimmunität Corona-Reinfektionen erhöhen Sterberisiko

Einem Jugendlichen wird ein Nasenabstrich für einen Corona-Test entnommen.

Man kann sich auch mehrmals mit Corona infizieren und mit jeder Infektion steigt das Risiko für Komplikationen.

(Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolb)

Viele Menschen fühlen sich nach der Genesung von einer Corona-Infektion, als könne ihnen nun gar nichts mehr passieren. Doch die Idee von der Superimmunität ist nicht nur trügerisch, sondern falsch, wie eine US-Studie zeigt.

Während immer weniger Menschen noch nie eine Corona-Infektion hatten, nehmen die Zahlen derer zu, die sich bereits zum zweiten oder gar dritten Mal mit dem Virus infizieren. Eine neue Studie aus den USA zeigt, dass diese erneuten Infektionen oft erhebliche gesundheitlichen Folgen haben.

Forschende der Washington University School of Medicine in St. Louis und des Veterans Affairs St. Louis Health Care System fanden heraus, dass wiederholte Sars-CoV-2-Infektionen das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen in mehreren Organsystemen erhöhen. Dazu gehören Krankenhausaufenthalte, Erkrankungen der Lunge, des Herzens, des Gehirns, des Blutes, des Bewegungsapparats und des Magen-Darm-Trakts und sogar der Tod. Eine Reinfektion trägt auch zu Diabetes, Nierenerkrankungen und psychischen Problemen bei. Die Ergebnisse wurden im "Nature Medicine" veröffentlicht.

Für die Studie wurden etwa 5,8 Millionen anonymisierte Krankenakten in einer Datenbank des US Department of Veterans Affairs analysiert, des größten integrierten Gesundheitssystems der USA. Die Patientinnen und Patienten repräsentierten mehrere Altersgruppen, ethnische Gruppen und Geschlechter.

Dazu gehörten 5,3 Millionen Menschen, die vom 1. März 2020 bis zum 6. April 2022 nicht positiv auf eine Corona-Infektion getestet wurden. Im gleichen Zeitraum stellten die Forscher auch eine Kontrollgruppe von mehr als 443.000 Personen zusammen, die positiv getestet worden waren, sowie eine weitere Gruppe von fast 41.000 Personen, die zwei oder mehr dokumentierte Infektionen hatten. Von der letztgenannten Gruppe hatten die meisten Personen zwei oder drei Infektionen, wenige hatten vier Infektionen und niemand hatte fünf oder mehr Infektionen.

Risiken nehmen mit jeder Infektion zu

Mithilfe statistischer Modelle wurden die Gesundheitsrisiken der Wiederholungsinfektionen innerhalb der ersten 30 Tage nach der Ansteckung und bis zu sechs Monate danach untersucht. Die Studie berücksichtigte Covid-19-Varianten wie Delta, Omicron und BA.5.

Insgesamt stellte das Forschungsteam fest, dass Menschen mit Covid-19-Reinfektionen ein doppelt so hohes Sterberisiko und ein dreimal höheres Risiko für einen Krankenhausaufenthalt aufwiesen als Menschen ohne Reinfektion. Darüber hinaus war die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen Lungenprobleme entwickelten, dreimal so hoch wie bei denjenigen, die sich nur einmal mit dem Virus infiziert hatten. Negative Ergebnisse traten sowohl bei den Ungeimpften als auch bei denjenigen auf, die vor der Reinfektion geimpft waren.

Der klinische Epidemiologe Ziyad Al-Aly, der zu den Autoren der Studie gehört, wird in einer Mitteilung der School of Medicine mit der Einschätzung zitiert, dass sich in den letzten Monaten ein Gefühl der Unbesiegbarkeit breitgemacht habe, "vor allem bei Menschen, die eine Infektion durchgemacht haben und auch geimpft wurden". Manche sprächen von einer Art Superimmunität gegen das Virus, so Al-Aly. Die Studie habe jedoch gezeigt, dass eine zweite, dritte oder vierte Infektion zu zusätzlichen Gesundheitsrisiken in der akuten Phase und in den Monaten danach führt.

Das Risiko scheine mit jeder Infektion zu steigen. "Das bedeutet, dass man selbst nach zwei Covid-19-Infektionen eine dritte besser vermeiden sollte", so Al-Aly. "Und wenn man drei Infektionen hinter sich hat, sollte man die vierte vermeiden." Die Forschenden raten dazu, alle zulässigen Auffrischungsimpfungen wahrzunehmen und zu Hause zu bleiben, wenn man krank ist. Außerdem empfehlen sie die Grippeimpfung, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass es in dieser Wintersaison eine Zwillings-Pandemie von Covid-19 und Grippe gibt.

Quelle: ntv.de

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