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Andere Länder, anderes Tracking Corona-Warnapps sind auf dem Vormarsch

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In der Schweiz lässt sich bereits eine Testversion der App downloaden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Österreich, Frankreich und bald auch Italien - einige unserer europäischen Nachbarn haben bereits eine eigene Corona-Warnapp. In Deutschland kommt sie erst verspätet zum Einsatz. Wo liegen die Unterschiede der Länder?

Mitte Juni soll sie endlich kommen - die Corona-Warnapp für Deutschland. In Asien sind solche Apps schon länger im Einsatz, europäische Staaten ziehen schrittweise nach. Eigentlich sollte die deutsche Variante schon Mitte April veröffentlicht werden, eine Diskussion um die Art und Weise der Datenspeicherung verzögerte allerdings die Entwicklung.

Im Prinzip funktionieren die meisten Warnapps ähnlich: Zwei Handys müssen einen gewissen Zeitraum lang nahe beieinander sein und tauschen dann per Bluetooth sogenannte pseudonyme IDs aus. Manche Apps nutzen auch die GPS-Funktion. Die Verwendung eines zentralen oder dezentralen Ansatzes ist umstritten. Bei ersterem wird nicht wie bei einer dezentralen Speicherung nur die eigene, anonyme ID an einen Server übermittelt, sondern weitere, womöglich sensible Daten.

Zunächst verfolgte die Bundesregierung einen zentralen Ansatz, nach massiver Kritik von Datenschützern schwank man doch noch um. Die Programmierer von SAP und Telekom haben zuletzt den Quellcode der App veröffentlicht, um die Entwicklung möglichst transparent zu gestalten. Solche Fragen des Datenschutzes sind auch ein Grund, dass es in Europa keine einheitliche App gibt.

Per Push-Nachricht zum Verdachtsfall

Andere Länder sind indes schon weiter. Nachbar Österreich kann schon seit Mitte April mit einer Corona-App punkten. Wie der BR berichtet, werden Kontakte erfasst, sobald mehr als 15 Minuten in unter zwei Metern Abstand verbracht werden. Wer 54 Stunden vor Bekanntwerden der Infektion mit einem betroffenen Kontakte hatte, wird per Push-Benachrichtigung informiert. Betreiber ist in Österreich allerdings nicht der Staat, sondern das Rote Kreuz.

Die am Dienstag erscheinende französische App bedient sich dem zentralen System. Eine Kopplung mit einer deutschen Version ist damit wohl kaum möglich, bemängeln Experten. Vor allem Grenzgänger oder Urlauber können daher nicht von der App profitieren.

In Italien startet die App "Immuni" kommende Woche, zunächst in nur vier von insgesamt 20 Regionen des Landes. Trotz eines dezentralen Ansatzes hat es im Vorfeld Kritik von Datenschützern gegeben. Dazu erläutert das Ministerium, die "Immuni"-Anwendung sei im Einklang mit italienischen und europäischen Gesetzen zum Schutz der Privatsphäre entwickelt worden. Weitere europäischer Länder mit einer bereits veröffentlichten Corona-Warnapp sind unter anderem Island, Norwegen, Tschechien und Georgien, die Nutzung ist bei allen freiwillig. In der Schweiz kann die Test-Version einer App heruntergeladen werden.

Zwei Länder in Europa setzen bislang auf alternative Modelle. In der Slowakei gibt es eine anonymisierte App, die den Standort von Infizierten überwacht und andere warnt, sollten sie sich der Person nähern. Auch diese App ist freiwillig. In Polen dagegen ist es verpflichtend, seine Quarantäne via App nachzuweisen. So muss nicht nur dauerhaft der Standort eingeschaltet sein, Betroffene müssen zudem täglich eine Selfie hochladen.

China verteilt digitale Passierscheine

Auch in Asien haben haben einige Länder eigene Corona-Warnsysteme eingeführt. China baute entsprechende Funktionen in beliebte Apps wie WeChat, eine Art WhatsApp, ein. Identitäten und Standorte der Nutzer werden offenbar direkt an die Behörden übermittelt, daraufhin werden Passierscheine erteilt. Nur wer eine grüne Flagge hat, darf sich frei bewegen. Die Farbe ergibt sich aus Gesundheitszustand und Reiseaktivitäten.

Südkoreas bisheriger Erfolg in der Bekämpfung der Corona-Pandemie fußt mutmaßlich auch auf der frühen Entwicklung einer Tracking-App. Allerdings sieht man dort etwaige mögliche Fragen des Datenschutzes eher locker. So wertet der Staat auch digitale Spuren wie bargeldloses Bezahlen und Daten aus Überwachungskameras aus.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa