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Deutschland wetterfester machen DWD warnt jetzt ortsgenau vor Unwettern

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Anschauliches Beispiel aus dem Archiv: ein Gewitter im Westen des Main-Kinzig-Kreises. Künftig werden nur die rot gefärbten, unmittelbar betroffenen Gemeinden gewarnt. Das alte System hätte auch den 70 Kilometer entfernten Nordosten des Landkreises benachrichtigt.

(Foto: DWD)

Der Deutsche Wetterdienst hat sein Warnsystem verbessert: Ab sofort werden nicht mehr ganze Landkreise, sondern die konkret betroffenen Gemeinden vor Unwettern gewarnt. Ein Fortschritt für die Bürger - und den Katastrophenschutz.

Wir erinnern uns noch gut an die extremen Wetter-Wochen von Ende Mai bis Mitte Juni 2016. In dieser Zeit musste der Deutsche Wetterdienst (DWD) rund 3000 Unwetterwarnungen herausgeben. "Noch nie haben Unwetter mit heftigen Regenfällen innerhalb so kurzer Zeit so hohe Schäden verursacht", sagt der Präsident des DWD, Gerhard Adrian. Künftig wird der DWD - dank eines verbesserten Warnsystems, das seit fünf Jahren entwickelt wurde - sehr viel genauere Ortsangaben zu drohenden Unwettern machen können.

Bislang war die Republik in 400 Warngebiete, nämlich die Landkreise, aufgeteilt. "Ab sofort warnen wir so kleinräumig, dass man die Warngebiete einzelnen Gruppen der rund 10.000 Gemeinden in Deutschland zuordnen kann", sagt Hans-Joachim Koppert, Leiter Wettervorhersage des DWD. "Dieser meteorologische Zoom ermöglicht es uns, bei Großstädten wie zum Beispiel Berlin, Warnungen für einzelne Stadteile herauszugeben."

Ab August in der WarnWetter-App

Wichtig sind solch ortsgenaue Warnungen vor allem bei kleinräumigen Wettergefahren wie Gewittern und Starkregen, die womöglich mit Sturzfluten einhergehen. Das detailliertere Vorgehen ermögliche es aber auch, so Koppert, zwischen nahe beieinander liegenden Tal- und Gebirgslagen zu unterscheiden. Das werde zum Beispiel im Winter bei drohendem Schnellfall für die Bevölkerung und die Einsatzkräfte ein großer Fortschritt sein. "Wir sind damit auf dem Stand des technisch-wissenschaftlich Möglichen – auch im internationalen Vergleich", betont Adrian. Ermöglicht wurde die Präzisierung durch mehr Beobachtungsdaten, verbesserte Vorhersagemodelle und ein leistungsstärkeres Großrechenzentrum.

Anfang August wird das präzisierte System auch in die WarnWetter-App des DWD Eingang finden und den Nutzer dann per GPS durch Deutschland begleiten. "Da wir deutlich kleinere Flächen als bisher warnen, sinkt die Anzahl individueller Alarme", sagt Koppert. Dafür sind die Warnungen eben genauer. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Bei einem Gewitter über Berlin-Neukölln werden eben nicht mehr ganz Berlin und das Umland bis hinter Potsdam gewarnt, sondern – bezirksspezifisch – nur noch das betroffene Neukölln.

Eine Garantie gibt es nicht

Natürlich profitiert auch der Katastrophenschutz von detallierteren Warnungen. Für ihn müssen die Hinweise zeitlich und räumlich sehr genau sein, denn oft führen die Warnungen des DWD zum sofortigen Ausrücken der Einsatzkräfte oder zu Straßensperrungen und Evakuierungen. Um diese maximal mögliche Präzision zu erreichen, werden die ortsgenauen Warnungen frühestens 12 Stunden vor dem erwarteten Unwetter herausgegeben, bei manchen Wetterlagen sogar nur wenige Minuten oder eine halbe Stunde vor dem Ereignis. "Bei großflächigen Winterstürmen oder Dauerniederschlägen, die zu Flusshochwasser führen, können 12 oder mehr Stunden Vorlauf machbar sein; bei sommerlichen Gewittern ist für die Vorhersagemeteorologen manchmal schon eine halbe Stunde eine Herausforderung", erklärt Koppert.

Doch bei aller Genauigkeit: Eine Garantie gibt es nicht. Bei dem Unwetter, das Anfang Juni das niederbayerische Simbach traf, hätte "auch das neue System nicht den Durchbruch gebracht", räumt Koppert ein. "Das war eine unglaubliche Wetterlage mit chaotischen Prozessen in der Atmosphäre." Und die könnten von den Vorhersagemodellen grundsätzlich nicht vollständig erfasst werden. Eines muss der Experte daher betonen: "Die hundertprozentig genaue Wettervorhersage wird es nie geben."

Quelle: n-tv.de

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