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Sind wir alleine im Universum? Die US-Regierung geht auf Ufo-Jagd

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Können fliegende Untertassen selbst parken? Darauf erhalten wir vielleicht bald eine Antwort.

(Foto: REUTERS)

Die Geschichte klingt zu irre, um wahr zu sein. Das US-Verteidigungsministerium hat ganz offiziell eine Ufo-Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Das Pentagon soll "nicht identifizierte Luftobjekte" erforschen. Was wirklich dahintersteckt, erklärt Ufo-Forscher Hansjürgen Köhler.

Unbekannte Flugobjekte ziehen uns seit Ewigkeiten in ihren Bann. Gerade in den 1960er und 70er Jahren im Zeitalter der Mondlandungen waren Zeitungen und Fernsehen voll mit Berichten von Menschen, die angeblich ein Ufo gesehen haben. Es war die Hochzeit der Ufologen. So werden Pseudowissenschaftler genannt, die ganz fest daran glauben, dass uns Außerirdische in fliegenden Untertassen besuchen.

"Wir lassen diese Herrschaften in ihrem Glauben, führen auch mal Streitgespräche mit ihnen, aber das bringt definitiv nichts", sagt Hansjürgen Köhler im ntv-Podcast "Wieder was gelernt". Er ist Hobbyastronom und Ufo-Forscher, aber kein Ufologe, kein Verschwörungstheoretiker. Im Gegenteil: Köhler leitet das "Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene", auch Cenap genannt.

Er und seine Mitstreiter haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen über angebliche Ufo-Sichtungen aufzuklären. Wer irgendwas am Himmel beobachtet, das er nicht identifizieren kann, ruft einfach die Ufo-Meldestelle an. "Wir haben im Schnitt 300 bis 400 Meldungen pro Jahr", erzählt Köhler. "Deutlich mehr sind es seit November 2019, als die erste SpaceX-Rakete mit den Starlink-Satelliten gestartet ist. Allein bis Ende des Jahres gab es 254 Meldungen. In diesem Jahr hatten wir bis Ende Mai auch schon über 500 Meldungen vorliegen."

Sterne, Planeten und Ballons

Mindestens 95 Prozent dieser Sichtungen können Hansjürgen Köhler und seine vier Mitstreiter beim Cenap aufklären, häufig sogar noch am Telefon. In den meisten Fällen sehen Menschen, die bei der Ufo-Hotline anrufen, tatsächlich Sterne oder Planeten, aber auch mal Sternschnuppen oder Weltraumschrott am Horizont, keine fliegenden Untertassen. "In letzter Zeit haben wir es auch häufig mit Drohnen-Aktivitäten zu tun", sagt Köhler. "Auch das kann zu Fehlinterpretationen führen. Alle Arten von Ballons und was sonst noch in der Luft fliegt irdischen Ursprungs, kann zu Ufos werden."

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Hansjürgen Köhler hat 1976 das Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene gegründet.

(Foto: Cenap)

Das Cenap ist eine private Organisation. Eine staatliche Behörde, die sich mit Sichtungen unbekannter Flugobjekte auseinandersetzt, gibt es in Deutschland nicht. Anders ist das in den USA. Dort sind Ufos und Außerirdische schon seit langer Zeit - zumindest indirekt - auch in Regierungsbehörden immer wieder ein Thema. "Das geht ursprünglich zurück auf Infrarot-Aufnahmen, die der Musiker Tom DeLonge auf nicht ganz legalem Weg veröffentlicht hat", sagt Köhler. "Dort sieht man, wie eine F18-Maschine ein Objekt verfolgt, es aber nicht erreichen kann. Für die Fanatiker war das der Beweis, dass es Ufos gibt."

Tom DeLonge ist als Frontmann der US-amerikanischen Punk-Band Blink-182 berühmt geworden. Seit sechs Jahren forscht der Musiker nach außerirdischem Leben, 2017 hat er sogar ein spezielles Forschungsteam gegründet. Und für seine Ufo-Videos interessiert sich mittlerweile sogar das US-Militär: Im April dieses Jahres hat das Pentagon die besagten Infrarot-Aufnahmen unbekannter Flugobjekte veröffentlicht. Fliegende Untertassen sind darauf aber nicht zu sehen, stellt Köhler klar: "Diese Aufnahmen haben auch andere F18-Kampfjet-Piloten gesehen. Das liegt daran, dass die Technik, mit denen sie gemacht werden, Probleme mit der Optik hat und Verzerrungen mit sich bringt. Dadurch gibt es diese spektakulären Bilder."

Lieber Aliens als ausländische Drohnen

Um herauszufinden, was auf diesen Aufnahmen tatsächlich zu sehen ist, hat das US-Verteidigungsministerium Mitte August offiziell eine Ufo-Arbeitsgruppe eingerichtet. "Dass sie Untersuchungen vornehmen, liegt natürlich im Interesse des Landes. Das ist nicht der Hinweis darauf, dass man davon ausgeht, dass irgendwelche Marsmännlein in Untertassen vorbeikommen", erzählt Köhler. "Wenn unbekannte Flugkörper in den eigenen Luftraum eindringen, will man wissen, wer oder was da rumfliegt. Daher gibt es diese Einrichtung, gerade im Hinblick auf die aktuellen Spannungen zwischen den Weltmächten."

In der Tat ist die US-Regierung besorgt: Zuletzt seien häufiger nicht identifizierbare Flugobjekte über Militärstützpunkten in den Vereinigten Staaten gesichtet worden, hat Floridas Senator Marco Rubio in einem Interview bei CBS Miami bestätigt: "Wir wissen einfach nicht, was es ist. Offen gesagt wäre es vielleicht sogar besser, wenn es etwas von außerhalb dieses Planeten ist, als die Tatsache, dass wir eine Art technologischen Sprung im Namen der Chinesen oder der Russen oder eines anderen Gegners erlebt haben."

Lieber Aliens als Drohnen aus China oder Russland, das ist der Stand in den USA. Dieses Wunschdenken heißt aber natürlich nicht, dass die US-Amerikaner an fliegende Untertassen glauben, sagt Hansjürgen Köhler: "Ufo ist eigentlich nur eine neutrale Bewertung. Nur bei den ganzen Verschwörungsmenschen wird Ufo mit Untertasse und außerirdischen Besuchen gleichgesetzt, was natürlich Blödsinn ist. Es gibt nämlich definitiv keinen Beweis, dass uns mal jemand von außerhalb besucht hat."

Sind wir also ganz allein im Universum? Möglich, aber rein statistisch gesehen ist diese Annahme sehr unwahrscheinlich. Dafür ist das Weltall einfach zu groß.

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Quelle: ntv.de