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"Opportunity" setzt Maßstäbe Die letzte Reise des Mars-Wanderers

Keiner bereiste den Mars, wie er es tat: Nach 15 Jahren endet die Mission des Nasa-Rovers "Opportunity" auf dem roten Planeten. Alle Versuche der Kontaktaufnahme schlagen fehl. Doch der unermüdliche Roboter ist womöglich Wegbereiter für den nächsten großen Schritt der Menschheit.

Nach Monaten des Kampfes geben die Wissenschaftler auf. Verzweifelt hatten sie versucht, den Mars-Rover "Opportunity" wieder zum Leben zu erwecken. Ein letztes Mal probierten Nasa-Forscher am vergangenen Dienstag, Funkkontakt zu "Opportunity" herzustellen. Vergebens. Einen Tag später, am 13. Februar, erklärte die Nasa die Mission des Roboters für beendet - mehr als 15 Jahre nach der Landung am 25. Januar 2004.

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Spuren im Sand: Der Mars-Rover "Opportunity" hinterlässt ein gewaltiges Erbe.

Seit Juni 2018 gab es kein Lebenszeichen mehr von "Opportunity". Doch die Wissenschaftler wollten bis zuletzt die Hoffnung nicht aufgeben - "Opportunity" hatte sich bereits in der Vergangenheit als zäh erwiesen. Ursprünglich war seine Mission nur auf 90 Tage ausgelegt. Doch das 185 Kilogramm schwere, sechsrädrige Kraftpaket ackerte sich fast 14 Jahre lang unermüdlich durch die eiskalte Sand- und Geröllwüste des Mars. Doch vermutlich setzte der globale Staubsturm, der im Sommer 2018 über den Mars tobte, seiner Reise ein Ende.

Mit "Opportunity" tritt ein Superstar unter den Raumsonden von der Bühne. Der kleine Rover setzte neue Maßstäbe bei der Erforschung unseres roten Nachbarn im All. Während ihres 5111 Marstage dauernden aktiven Einsatzes legte die Sonde mehr als 45 Kilometer zurück - ein wahrer Mars-Marathon. Die Nasa hatte ursprünglich nur 1 Kilometer als Zielmarke ausgegeben. Zum Vergleich: Die drei Wochen vor "Opportunity" auf dem Mars gelandete, baugleiche Schwestersonde "Spirit" kam während ihrer Mission nur auf 8 Kilometer. Zu Spirit hatte die Nasa zuletzt im März 2010 Funkkontakt. Ihre Mission wurde schon im Mai 2011 für beendet erklärt.

Spuren von flüssigem Wasser entdeckt

Die Aufgabe von "Opportunity" und "Spirit": Hinweise auf früher vorhandenes Wasser in der scheinbar leblosen Mars-Wüste zu finden. Bereits kurz nach der Landung in einem kleinen, "Eagle" genannten Krater, gelang "Opportunity" dabei ein Coup: Der Rover konnte mit seinem Messgerät im Gestein am Boden das Mineral Hämatit nachweisen. Hämatit entsteht nur in einer wasserreichen Umgebung - ein erster Beleg dafür, dass auf dem Mars einmal Wasser in flüssiger Form existierte.

Es war für "Opportunity" der Auftakt einer langen und erfolgreichen Forschungsreise über den Planeten. Sie führte den rollenden Roboter durch die Einöde einer "Meridiani Planum" genannten Tiefebene, vorbei an Einschlagskratern, hinauf auf kleine Hügel und hinab in Täler.

Und die Hinweise auf einen einst warmen und feuchten Mars verdichteten sich dabei: Der Roboter fand am Rand des "Endeavour"-Kraters Spuren von Gips. Die Nasa sprach von einem "Wunder" - es war ein klarer Beleg dafür, dass in der Vergangenheit des Planeten Wasser durch Spalten im Gestein floss. Und zwar solches, welches dem Trinkwasser eines Sees auf der Erde geähnelt haben muss.

Krater gehörten ohnehin zur Spezialität von "Opportunity". Auf seiner Erkundungstour besuchte der Rover mehr als 100 Einschlagskrater in verschiedenen Größen und studierte ihre Beschaffenheit. Zudem schickte er mehr als 217.000 Bilder vom Mars zur Erde. Aber auch gen Himmel richtete sich sein Blick: Der kleine Wissenschafts-Roboter untersuchte Wolken und Staub in der Marsatmosphäre. Dabei sammelte er für zukünftige Missionen wichtige Erkenntnisse, wie sich das Marswetter auf die Energieversorgung mit Solarzellen auswirkt.

"Wegweisende Mission"

Viele heftige Stürme hat "Opportunity" auf seiner Jahre dauernden Reise überstanden. Doch jener globale Staubsturm im Sommer 2018 war etwas anderes - die Nasa spricht von "historischen Ausmaßen". Zu viel für den altersschwachen Rover. Staubwolken und Sand verwehrten ihm das lebenswichtige Sonnenlicht. Am 10. Juni 2018 sendete die Antenne des Rovers das letzte Signal zur Erde. Danach folgte nur noch Stille. "Opportunity" fehlte die Energie, um weiterzumachen - er versetzte sich selbst in einen Ruhemodus, aus dem er nicht mehr aufwachte. Seine letzte Ruhestätte ist ein kleines Tal - es trägt ausgerechnet den Namen "Tal der Ausdauer".

Doch der Mars-Roboter bleibt eine Legende: "Es sind wegweisende Missionen wie die von 'Opportunity', die es möglich machen, dass eines Tages Menschen auf der Oberfläche des Mars laufen werden", sagte Nasa-Chef Jim Bridenstine nach dem Ende der Mission. "Opportunity" sei "ein kleiner Rover, der allen Widrigkeiten trotzte und so viel für die Erforschung des Mars erreicht hat".

Und somit richtet die Nasa ihren Blick wieder nach vorn. Aktuell sind zwei weitere Sonden auf dem Mars aktiv. 2012 war dort der Rover "Curiosity" dazugekommen, der deutlich größer als "Opportunity" und "Spirit" ist. Er hat bereits rund 20 Kilometer auf dem Mars zurückgelegt. Im vergangenen November landete "Insight" auf dem Mars. Die stationäre Sonde soll vor allem den inneren Aufbau des Mars erkunden. Und 2021 soll es bereits Zuwachs geben. Dann ist die Landung eines weiteren Nasa-Rovers geplant: Mars 2020.

Quelle: n-tv.de

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