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"Einmal auf die Bremse treten" Drosten rät zu kurzem Mini-Lockdown

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"Alle wissen von vornherein, der ist zeitlich befristet", beschreibt Drosten den Vorteil seines Vorschlags eines Mini-Lockdowns.

(Foto: dpa)

Bei steigenden Infektionszahlen, aber einer im europäischen Vergleich noch günstigen Ausgangslage empfiehlt Virologe Christian Drosten eine kurze Auszeit: "Wenn die Belastung zu groß wird, dann muss man 'ne Pause einlegen", so der Charité-Wissenschaftler. Solche Pausen könnten auch in Serie gehen.

Der Virologe Christian Drosten hat sich für einen zeitlich begrenzten Lockdown ausgesprochen. "Wenn die Belastung zu groß wird, dann muss man 'ne Pause einlegen", sagte der Charité-Wissenschaftler in der neuen Folge des Podcasts "Coronavirus-Update" von NDR-Info. "Dieses Virus lässt nicht mit sich verhandeln. Dieses Virus erzwingt bei einer bestimmten Fallzahl einfach einen Lockdown."

Momentan sei die Inzidenz in Deutschland noch vergleichsweise niedrig, Deutschland sei im Vergleich mit anderen europäischen Ländern in einer günstigen Situation. "Wenn wir jetzt einmal auf die Bremse treten würden, dann hätte das einen ganz nachhaltigen Effekt." Drosten beschrieb den Vorteil eines befristeten Lockdowns, der zum Beispiel auch Ausnahmen wie geöffnete Schulen machen könne: "Alle wissen von vorneherein, der ist zeitlich befristet."

Etwa drei Wochen - etwas mehr als eine Quarantänezeit brauche man aus Sicht des Wissenschaftlers dafür. "Die Inzidenz ist danach erheblich gesenkt und ist dann auch unter bestimmten Umständen auf lange Frist gesenkt". Das sei ein Gewinn für alle. Diese geplanten Mini-Lockdowns, auch "Circuit Breaker" (Überlastschalter) genannt, gebe es schon in Teilen Großbritanniens. Sie sollen das System vor Überlastung schützen.

Ein Laster, der den Hang runterrollt

Drosten hält auch eine Serie von Lockdowns nach einem festen Zeitplan für probat, die über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder die Welle bricht - "bis zum Frühjahr, bis die Situation wieder besser ist, bis ein Impfstoff verfügbar ist, bis die Temperaturen wieder besser werden". Ein solcher strikter Plan hätte den Vorteil, dass die Wirtschaft besser planen könne.

Der Virologe verglich solche Mini-Lockdowns in Serie mit der Fahrt eines schweren Lkw mit defekten Bremsen. Fahre man einen Berghang hinab auf eine Kurve zu und könne nur noch fünf Sekunden lang die Bremse betätigen, dann werde man zu dem Schluss kommen: "Es wird nicht reichen, wenn wir nur einmal bremsen, wir müssen das alle paar Hundert Meter machen", so Drosten. Und man müsse vor allem frühzeitig mit den Bremsungen beginnen, wenn der Laster noch langsam fahre.

Der Virologe sprach sich zudem für Schnelltests bei Infektionen in Menschengruppen aus. Wenn ein Infizierter zuvor beispielsweise im Büro gewesen sei, sollten alle Menschen dort einen Antigen-Schnelltest machen, "und in einer Viertelstunde wissen wir, ob wir hier einen Cluster haben oder nicht", sagte er. "Dann isolieren wir die ganze Gruppe." Das gehe schneller als der bislang übliche PCR-Test, auf dessen Ergebnis man Tage warten müsse. Es benötige aber sicher einige Zeit, um diese Entscheidungen für einen solchen Einsatz in Deutschland zu treffen, "und ich habe das Gefühl, dass wir immer weniger Zeit haben".

Quelle: ntv.de, jog/dpa