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Riesiges Eisschild analysiertEinfluss des Menschen ließ Kaltzeit vorzeitig abbrechen

22.10.2026, 20:08 Uhr
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Der Laurentidische Eisschild
Der letzte Überrest des Laurentidischen Eisschildes, die Barnes-Eiskappe, sowie die Linie, die die Eisausdehnung um 1960 vor Beginn des heutigen Rückgangs markiert. (Foto: Nicolás Young/dpa)

Jahrtausendelang folgte der riesige Eispanzer Nordamerikas einem natürlichen Rhythmus. Nun belegen Forscher, wie Treibhausgase diesen uralten Takt endgültig aus dem Gleichgewicht bringen. Die Folgen reichen weit über das Eis hinaus.

Eine Analyse des größten Eisschilds Nordamerikas deutet darauf hin, dass der menschengemachte Klimawandel inzwischen die natürliche Dynamik des Erdklimas überlagert. Der Laurentidische Eisschild bedeckte auf dem Höhepunkt der vorigen Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren fast ein Drittel von Nordamerika - darunter den größten Teil des heutigen Kanadas. Danach schrumpfte der Eispanzer und erreichte sein Minimum vor etwa 3.600 Jahren, wie ein überwiegend US-amerikanisches Forschungsteam im Fachjournal "Science" schreibt.

Demnach begann der Eisschild vor etwa 2.000 Jahren wieder zu wachsen bis etwa zum Jahr 1960. Seitdem hat sich der Eisrand bis 2022 um etwa 200 bis 800 Meter zurückgezogen, vor allem als Folge deutlich gestiegener Sommertemperaturen durch Treibhausgas-Emissionen. Dies veranschauliche die Folgen der Erderwärmung durch die vom Menschen ausgestoßenen Treibhausgase, berichtet das Team um Nicolás Young vom Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in Palisades im US-Bundesstaat New York.

Der Laurentidische Eisschild (1)
Die Markierungslinie zeigt die maximale Ausdehnung der Barnes-Eiskappe um 1960 vor dem Beginn des heutigen Rückgangs. Der um 1960 einsetzende Rückgang machte die Netto-Eisausdehnung der letzten rund 2.000 Jahre zunichte. (Foto: Nicolás Young/dpa)

"Richtwert, wie Eisschilde auf Klimaveränderungen reagieren"

Die zeitliche Entwicklung des Eisschilds rekonstruierte die Forschungsgruppe durch Analysen in der Umgebung der Barnes Ice Cap auf der Baffininsel im Nordosten von Kanada. Diese etwa 6.000 Quadratkilometer große Eiskappe bildet den Rest des einst mächtigen Eisschilds - einschließlich unterschiedlich alter Schichten -, der sich bis heute erhalten hat.

Wie der Eispanzer wuchs und schrumpfte, rekonstruierte das Team anhand von Felsen vor allem mit dem seltenen Beryllium-Isotop 10. Dieses zerfällt bei Exposition zu kosmischer Strahlung - und gibt somit Aufschluss darüber, wann sich der Eispanzer zurückgezogen hatte. Zudem verrät das Kohlenstoff-Isotop 14 (C-14), wann die Vegetation wieder von Eis bedeckt wurde.

Der Laurentidische Eisschild (2)
Kürzlich (im letzten Jahrzehnt nach dem Ende der letzten Eiszeit) freigelegtes Grundgestein vor der Barnes-Eiskappe. (Foto: Nicolás Young/dpa)

"Rückkehr zu glazialen Bedingungen äußerst unwahrscheinlich"

Mit der Analyse liefere die Studie einen wichtigen Richtwert dafür, wie Eisschilde auf Klimaveränderungen reagierten, schreibt der Geowissenschaftler Shaun Marcott von der University of Wisconsin in Madison, der nicht an der Untersuchung beteiligt war, in einem "Science"-Kommentar. Die Untersuchung zeige, "wie schnell der Gletscher auf Veränderungen der Sommertemperatur reagiert", betont der Experte.

"Der Mensch ist inzwischen zu einem geologischen Akteur geworden, der in der Lage ist, über Jahrmillionen ablaufende natürliche Gletscherzyklen zu durchkreuzen und das Erdklima für die kommenden Hunderttausende von Jahren aus dem Gleichgewicht zu bringen", schreibt Marcott. Das Fehlen künftiger Gletscherzyklen werde Auswirkungen haben auf andere biologische und physikalische Erdsysteme, die sich zusammen mit den Eiszeiten entwickelt hätten. Die Studie biete einen Anlass, "darüber nachzudenken, was eine eisfreie Welt bedeuten könnte".

Davon geht auch das Forschungsteam selbst aus: "Da die atmosphärischen CO2-Konzentrationen weiter ansteigen, ist eine Rückkehr zu glazialen Bedingungen äußerst unwahrscheinlich", betont es.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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