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Unterscheidung ist schwierig Erkältung, Grippe oder Corona?

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Viele sind geradezu dankbar, wenn es nur eine Erkältung ist.

(Foto: picture alliance/dpa)

Tropfende Nase, ein Kratzen im Hals - ist das jetzt nur ein harmloser Infekt, die Grippe oder doch Covid-19? Das ist nicht so leicht zu entscheiden, denn die Symptome fühlen sich recht ähnlich an. Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede.

Mit dem Herbst beginnt wieder die Infekt- und Grippezeit. Sie trifft in diesem Jahr auf die Corona-Pandemie. Wer Husten oder Halsschmerzen bekommt, stellt sich also unweigerlich die Frage: Habe ich mir eine ordentliche Erkältung eingefangen, bekomme ich eine Grippe oder bin ich mit dem Coronavirus infiziert?

"Für Laien ist es in den ersten Tagen nicht möglich, zu unterscheiden, ob sie an Covid-19 oder einer Erkältung erkrankt sind", sagt der Infektiologe Bernd Salzburger der "Apothekenumschau". Die Symptome ähneln sich nicht nur sehr, sie können auch oft unspezifisch sein.

Häufigste Anzeichen für eine Covid-19-Infektion sind dem Robert-Koch-Institut zufolge Husten, Fieber und Schnupfen. Allerdings können alle diese Symptome auch durch eine normale Erkältungserkrankung ausgelöst werden. Auch der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, der als typisch für eine Corona-Infektion gilt, taugt nur bedingt als Unterscheidungsmerkmal. Denn bei einer Erkältung können viele Menschen ebenfalls nicht richtig schmecken und riechen.

Auch die weiteren Symptome treffen sowohl bei Erkältungen als auch bei Covid-19 zu: Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, außerdem Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Erbrechen. Unter all diesen Symptomen können auch Grippekranke leiden.

Unterscheidung ist Herausforderung

Als "einigermaßen sicheren Hinweis" für eine Grippe nennt Salzburger das "schlagartige Krankheitsgefühl". Betroffene fühlen sich "wie von einem Baum erschlagen, können nicht mehr aufstehen und fühlen sich von einer Minute auf die andere schwerkrank". Der Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 scheine bei den meisten Patienten hingegen langsamer fortzuschreiten. Das liegt möglicherweise an der Inkubationszeit, die bei Grippe im Durchschnitt bei ein bis zwei Tagen liegt, beim Coronavirus aber bis zu 14 Tage erreichen kann.

Welche Krankheit für den einzelnen Menschen gefährlicher ist, lässt sich nur schwer sagen. "Die Gefahr, an Covid-19 zu sterben, ist nämlich sehr stark altersabhängig", sagte die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. "Insgesamt kann man festhalten, dass bei älteren Menschen Covid-19 noch viel gefährlicher ist als Influenza." Die Corona-Pandemie müsse deshalb ernst genommen werden und sei nicht mit einer Grippewelle zu vergleichen.

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Die Unterscheidung von Erkältungskrankheiten und Covid-19 werde die Ärzte in diesem Jahr vor Herausforderungen stellen, meint Ciesek. Besonders zu Beginn lasse sich oft nicht eindeutig sagen, ob eine Grippe oder eine Infektion mit Sars-CoV-2 vorliege. Letztendlich bringt also nur ein Corona-Test Sicherheit.

Der Test ist auch deshalb eine wichtige Maßnahme, weil Sars-Cov-2 erheblich ansteckender ist als Grippe. Ein Grippeinfizierter steckt im Schnitt einen anderen Menschen an. Doch ein Corona-Infizierter gibt die Infektion im Schnitt an zwei bis vier andere Personen weiter. Besonders tückisch ist dabei, dass die Personen, die andere mit dem Coronavirus anstecken, oft selbst noch gar keine Symptome haben. Das Grippevirus trifft zudem auf eine gewisse Grundimmunität innerhalb der Bevölkerung, die für das Coronavirus noch nicht gegeben ist.

Quelle: ntv.de, kse/sba