Antwort auf Welthunger?Forscher backen Kekse aus Plastikmüll

Plastikmüll landet noch immer häufig in der Verbrennung. US-Forscher zeigen nun einen alternativen Weg: Sie verfüttern im Labor PET-Flaschen an spezielle Mikroorganismen. Diese erzeugen daraus eine Nährstoffmasse, aus der Kekse gebacken werden können.
Plastik ist aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Allerdings hat das auch seine Schattenseiten: Plastikmüll sammelt sich im Meer an, wird klimaschädlich verbrannt oder deponiert. Forscher zeigen nun eine Alternative auf: Warum Plastikmüll nicht einfach aufessen? Und ließe sich damit zugleich der weltweit steigende Nahrungsmittelbedarf decken?
Hört sich verrückt an - doch ein Forschungsteam aus den USA hat nun tatsächlich einen Keks vorgestellt, der aus Plastikmüll und anderen organischen Abfällen hergestellt wurde. Dabei wurden spezielle Hefen, also Mikroorganismen aus dem Reich der Pilze, so umprogrammiert, dass sie Plastik in Proteine, Vitamine und Aromastoffe umwandeln. Als Rohstoff dient unter anderem die weitverbreitete Kunststoffart Polyethylenterephthalat (PET), die etwa zur Herstellung von Getränkeflaschen verwendet wird.
"Wir haben versucht, Technologien für das Upcycling von Kunststoff zu entwickeln, um hochwertigere Produkte herzustellen", erklärt Lahiru Jayakody, Leiter des Forschungsteams, laut einer Mitteilung. "Da dachten wir uns: Warum konzentrieren wir uns nicht auf die Herstellung von Lebensmitteln? Denn Kunststoff besteht aus Kohlenstoff, und Lebensmittel bestehen ebenfalls aus Kohlenstoff."
Geruchstest bereits bestanden
Der Weg vom Müll zum Gebäck läuft in drei Schritten: Zuerst werden PET-Plastik, weggeworfene Maisstängel und -blätter sowie weitere Biomasse mit einem speziellen Verfahren behandelt, bei dem das Material bei hoher Temperatur und hohem Druck aufgespalten wird. Die entstandenen Fragmente bekommen dann die umprogrammierten Hefen zu fressen. Diese stellen daraus Proteine, Fette und Vitamine her. Zum Schluss werden noch Ballaststoffe, Stärke und Süßungsmittel hinzugefügt, die Masse durch einen 3D-Drucker gepresst und in der Mikrowelle gebacken. Das Ergebnis heißt µBites, gesprochen "Microbites".
Obwohl diese Kekse laut Jayakody und seinem Team unbedenklich verzehrt werden können, warten die Forscher noch auf die behördliche Genehmigung zur Durchführung von Geschmackstests. Die Bewertung des Geruchs fiel laut dem Team bereits positiv aus. Zudem hätten menschliche Tester angegeben, zum Teil aus Plastik hergestellte Kekse in Notlagen tatsächlich essen zu wollen.
Müll gegen den Welthunger?
Jayakody rechnet damit, dass die µBites in wenigen Jahren als Lebensmittel verfügbar sein könnten - auch ein Einsatz an Bord von U-Booten oder in Weltraumsiedlungen sei denkbar. Das Keks-Projekt entstand im Rahmen eines Nasa-Programms, dessen Ziel es war, Nahrungsmittel für Weltraummissionen zum Mond und dem Mars zu entwickeln, bei denen Ressourcen effizient genutzt werden müssen.
Die Forscher hoffen, in Zukunft alle Hauptzutaten der Kekse mithilfe von Mikroben herstellen zu können, darunter auch die zugesetzte Stärke sowie Ballaststoffe und Süßungsmittel. Jayakody betonte gegenüber dem Portal "Science Alert" zudem, dass es nicht bei der Produktion von Keksen bleiben müsse: "Die Zutaten können auch zur Herstellung anderer Lebensmittel verwendet werden, die Protein, Aromastoffe und Vitamine benötigen, wie beispielsweise Milch- und Fleischalternativen."
"Der weltweite Nahrungsmittelbedarf wird bis zum Jahr 2050 voraussichtlich um 35 bis 56 Prozent steigen, und etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung werden in Zukunft von Hunger bedroht sein", so Jayakody. "Der Weg, dies zu bewältigen, liegt meiner Meinung nach im Einsatz von Mikroben."