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RKI: Durchschnittlich 9,6 Jahre Forscher beziffern verlorene Lebenszeit durch Corona

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Der Sarg eines Corona-Toten im Krematorium.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach einer RKI-Schätzung kostet die Corona-Pandemie bis zum Dezember mehr als 300.000 Lebensjahre. Jeder verstorbene Patient hat damit etwa 9,6 Jahre verloren. Die Forscher erläutern auch, warum Männer härter betroffen sind als Frauen. Insgesamt entspricht die Einbuße einer schweren Grippewelle.

Geschätzt 305.641 Lebensjahre sind laut einer Studie im vergangenen Jahr in Deutschland durch die Corona-Pandemie verloren gegangen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin in einer Untersuchung, die im "Ärzteblatt" erschienen ist. Dafür berücksichtigten sie verlorene Jahre durch Tod - diese machen den Großteil aus -, aber auch durch gesundheitliche Einschränkungen bei Covid-19-Überlebenden. "Durchschnittlich verlor jede verstorbene Person 9,6 Lebensjahre", schreiben die Autoren. Männer hätten rund elf Jahre verloren, Frauen etwa acht.

Herangezogen wurde für die Berechnung die statistische Restlebenserwartung. Insgesamt betrachtet sei die Krankheitslast durch Covid-19 in West- und Süddeutschland höher gewesen, in Nord- und Nordostdeutschland geringer. Die Wissenschaftler analysierten rund 1,7 Millionen ans RKI gemeldete Corona-Fälle aus dem vergangenen Jahr und Daten zu Schweregraden und Erkrankungsdauer. Betrachtet wurden nur Sterbefälle, bei denen Covid-19 als Ursache übermittelt wurde (rund 31.640). Mögliche langfristige Gesundheitsfolgen von Covid-19 berücksichtigten die Forscher nicht. Auch bestehende Vorerkrankungen seien nicht in die Berechnung eingeflossen, hieß es.

Die Studie berechnet auch gesondert die verlorene Lebenszeit jüngerer Corona-Verstorbener. Weil deren Restlebenserwartung höher ist, entfiel laut RKI-Studie ein relevanter Anteil auf die Gruppe der unter 70-Jährigen. Bei Frauen entstanden demnach 20,6 Prozent und bei Männern 34,6 Prozent der durch Tod verlorenen Lebensjahre vor Vollendung des 70. Lebensjahres. Im Mittel verloren diese Personen 25,2 Lebensjahre.

Männer sterben häufiger und erkranken früher schwer

Die Geschlechterunterschiede im Verlust an Lebenszeit erklären die Forscher damit, dass männliche mit Covid-19-Patienten häufiger als Frauen sterben und der Krankheit vermehrt bereits vor Vollendung des sechsten Lebensjahrzehnts erliegen. Durch die längere Restlebenserwartung jüngerer Menschen schlage sich dies in der Berechnung zuungunsten der Männer nieder.

Laut RKI blieben die Lebenszeitverluste durch Covid-19 im Jahr 2020 allerdings unterhalb des üblichen Verlusts an Lebenszeit durch weitere wichtige Todesursachen. Die Analyse der Übersterblichkeit lege aber nahe, dass die Covid-19-Pandemie am Ende des Jahres 2020 etwa das Niveau schwerer Influenzawellen erreicht hat, schreiben die Forscher.

Quelle: ntv.de, mau/dpa