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Ursache verschiedener Symptome Forscher finden vier Subtypen für Alzheimer

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Vier Subtypen: Die Bilder zeigen, wie unterschiedlich Tau-Proteine im Gehirn von Alzheimer-Patienten verteilt sein können.

(Foto: Jacob Vogel)

Obwohl sie die häufigste neurologische Erkrankung im Alter ist, weiß man bis heute wenig über Alzheimer. Forscher schauen deshalb genauer hin und finden vier Muster bei der Verteilung von schädigenden Tau-Proteinen in den Gehirnen von Betroffenen.

Wissenschaftler haben bei der Erforschung von Ablagerungen im Gehirn vier Subtypen von Alzheimer identifiziert. Dabei geht es um eine spezifische Verteilung von sogenannten Tau-Proteinen, die sich an verschiedenen Stellen im Gehirn anlagern. Die in "Nature" aktuell vorgestellten Ergebnisse könnten auch erklären, weshalb verschiedene Alzheimer-Patienten unterschiedliche Symptome entwickeln. In den letzten Jahren hatten sich Hinweise vermehrt, dass neben den sogenannten Amyloid-Beta-Proteinen auch Anreicherungen solcher Tau-Proteine im Gehirn eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen.

Aus diesem Grund hat sich ein Forscherteam daran gemacht, Gehirne genauer auf diese Tau-Proteine hin zu untersuchen. "Aktuellen Hypothesen zufolge sind Amyloid-Beta und Tau, entweder einzeln oder gemeinsam, die kausalen Verursacher der Krankheit und ihres Fortschreitens", sagt Jacob Vogel von der McGill University in Montreal laut einer Mitteilung der Universität Lund, die ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war.

Daten von Alzheimer-Patienten in allen Stadien

Für die Studie arbeiteten Forscher aus Schweden, Kanada, den USA und Korea zusammen. In einem ersten Schritt wurden Langzeitdaten von 1612 Personen zusammengestellt. Unter diesen identifizierten die Forscher insgesamt 1143 Personen, die entweder kognitiv normal waren oder Personen, die in verschiedenen Stadien Alzheimer entwickelt hatten.

Die Forscher nutzten für ihre Untersuchungen die moderne medizinische Bildgebungstechnik, um die Anreicherungen der fadenförmigen Proteine im Gehirn von Alzheimer-Patienten sichtbar zu machen. Mithilfe der sogenannten Positronen-Emissions-Tomografie, kurz PET, wurden die Gehirne durchleuchtet. Mit diesen Daten fütterten die Forscher ein Computerprogramm, das mit einem lernfähigen Algorithmus nach auffälligen Mustern bei der Verteilung der Tau-Proteine suchte.

Verschiedene Bereiche, verschiedene Symptome

Dabei stellte sich heraus, dass es vier klar unterscheidbare Muster für die Verteilung von Tau-Proteinen gibt. Die Forscher beschrieben die vier verschiedenen Subtypen und fügten die speziellen Symptome hinzu: Demnach ist Subtyp 1 durch eine Ausbreitung der Tau-Proteine im Schläfenlappen gekennzeichnet. Die Form führt zu ausgeprägten Gedächtnisproblemen. Weitere Hirnfunktionen waren dagegen weniger betroffen. Subtyp 1 trat bei 33 Prozent der untersuchten Alzheimer-Patienten auf.

Im Gegensatz zu Variante eins breiten sich beim Subtyp 2 die Tau-Proteine im Rest der Großhirnrinde aus. Betroffene haben weniger Gedächtnisprobleme im Vergleich zum Subtyp 1. Bei dieser Gruppe, die in 18 Prozent aller untersuchten Fälle auftrat, gibt es größere Schwierigkeiten bei den sogenannten exekutiven Funktionen, wie beispielsweise der Fähigkeit, eine Aktion zu planen und auszuführen.

Subtyp 3 trat bei rund 30 Prozent der untersuchten Alzheimer-Patienten auf, darunter vorwiegend ältere Menschen. Die Tau-Proteinfäden hatten sich vor allem im visuellen Cortex angesiedelt. Das bedeutet: Die Verarbeitung optischer und räumlicher Eindrücke wird gestört. Zudem haben Patienten Schwierigkeiten, sich zu orientieren sowie Formen, Konturen, Entfernungen oder Bewegungen zu erkennen und zu unterscheiden.

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Beim Subtyp 4 waren zwar die Tau-Proteine im gesamten Gehirn zu sehen, es gab jedoch eine Anreicherung in der linken Hirnhälfte und im linken Schläfenlappen. Alzheimer-Patienten mit dieser Verteilung hatten weniger starke Gedächtnisprobleme. Bei ihnen ist jedoch der allgemeine geistige Abbau ausgeprägt und oftmals mit Sprachproblemen kombiniert. Der Subtyp 4 trat in 19 Prozent der Fälle auf.

Die Forscher sind der Überzeugung, dass durch dieses neue Wissen Alzheimer-Patienten in Zukunft individuellere Behandlungsmethoden angeboten werden können.

Quelle: ntv.de, jaz

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