Wissen

Geschwächtes Immunsystem Frau war 70 Tage ohne Symptome infektiös

imago0105925991h.jpg

Immer wieder wurde die Frau positiv getestet.

(Foto: imago images/imagebroker)

Als zu Beginn des Jahres in einer Reha-Einrichtung in den USA das Coronavirus ausbricht, werden alle Bewohner getestet. Während die meisten Patienten irgendwann wieder negativ wurden, weist eine Frau über Wochen positive Testbefunde auf.

Im Durchschnitt vergehen ab der Infektion mit dem Coronavirus fünf bis sechs Tage, bis bei einer Person Symptome auftreten. Es kann jedoch auch bis zu 14 Tage dauern, so lautet die Auskunft des Robert Koch-Instituts. Daraus ergibt sich die empfohlene Quarantäne von 10 bis 14 Tagen, wobei der Berliner Virologe Christian Drosten auch 5 Tage für ausreichend hält.

Doch nun berichten US-Forscher im Fachjournal "Cell" vom Fall einer Patientin, die weit über diesen Zeitraum hinaus infektiös blieb. Das Team des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten berichtet von einer Patientin in einer Reha-Einrichtung in Kirkland, im US-Bundesstaat Washington. Ende Februar gab es in der Einrichtung einen Covid-19-Ausbruch. Deshalb wurden alle Bewohner auf das Virus getestet. Dabei wurde Sars-CoV-2 auch erstmals in Proben aus den oberen Atemwegen einer 71-jährigen Patientin nachgewiesen.

Die Frau hatte wegen einer Leukämieerkrankung ein geschwächtes Immunsystem. Die chronische lymphatische Leukämie (CLL), an der sie leidet, ist ein Krebs der weißen Blutkörperchen, die im Knochenmark gebildet werden und für die Bekämpfung von Krankheitserregern wichtig sind. Obwohl die Patientin während des gesamten Zeitraums keine Krankheitssymptome hatte, wurde in ihren Proben insgesamt 105 Tage lang immer wieder genetisches Material des Virus nachgewiesen, das jedoch nach 70 Tagen wahrscheinlich nicht mehr ansteckend war. "Dies war etwas, von dem wir erwartet hatten, dass es passieren könnte, aber es war bisher entweder noch nicht geschehen oder wurde nicht berichtet", sagt der Virologe und Mitautor der Studie, Vincent Munster.

Fokus auf Risikogruppe

Die Wissenschaftler glauben, dass die Patientin so lange ansteckend blieb, weil ihr geschwächtes Immunsystem nicht zu einer Reaktion auf das Virus imstande war. Blutuntersuchungen zeigten, dass ihr Körper niemals Antikörper bilden konnte. Einmal wurde sie mit Rekonvaleszenzplasma behandelt, die Behandlung blieb aber vermutlich wegen der geringen Konzentration an Antikörpern wirkungslos. Trotz ihrer Unfähigkeit, eine Antikörperantwort zu entwickeln, entwickelte sie keine deutliche Covid-19-Erkrankung.

Mehr zum Thema

Nach Angaben der Forscher ist es der längste bekannte Fall einer asymptomatischen Infektion. Auch wenn es sich um einen Einzelfall handele, deuten die Daten der Patientin darauf hin, dass immungeschwächte Menschen das infektiöse Virus deutlich länger ausscheiden könnten als bisher angenommen. Dazu gehören beispielsweise Krebspatienten oder Transplantationsempfänger, die Medikamente einnehmen, die die Immunabwehr unterdrücken.

"Mit der weiteren Ausbreitung des Virus werden sich auch immer mehr Menschen mit immunsuppressiven Erkrankungen infizieren. Daher ist es wichtig zu verstehen, wie sich Sars-CoV-2 in diesen Bevölkerungsgruppen verhält", so Munster.

Quelle: ntv.de, sba

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.