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Auch Probleme mit den HaarenHäufig ablösende Nägel bei Abnehmspritze beobachtet

14.10.2026, 17:41 Uhr
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Entwickelt als Mittel gegen Diabetes werden GLP-1-Rezeptoragonisten auch als Abnehmmittel genutzt. Dafür zugelassen sind unter anderem Wegovy und Saxenda. (Foto: picture alliance/dpa | Roberto Pfeil)

Millionen Menschen spritzen sich Wegovy oder Ozempic gegen Übergewicht und Diabetes. Eine Untersuchung aus vier Ländern zeigt: Nutzer klagen auffällig oft über abgelöste Nägel. Auch die Kopfhaut der Betroffenen zeigt Auffälligkeiten.

Sie gelten als Hoffnungsträger gegen Übergewicht und Diabetes: Medikamente aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten, die auch als Abnehmspritzen bekannt sind. Sie ahmen ein körpereigenes Darmhormon nach, das satt macht und den Blutzucker reguliert. Präparate wie Ozempic oder Wegovy werden immer häufiger verschrieben.

Dass die Mittel Nebenwirkungen haben, war bekannt. Dazu zählen Verstopfung, Übelkeit, Müdigkeit und Bauchschmerzen. Wenig untersucht war bisher, ob sie auch Folgen für Haare, Haut und Nägel haben können. Bisher lagen zumindest für Nagelprobleme nur einzelne Fallberichte vor. Ein Forschungsteam fand heraus, dass Menschen, die GLP-1-Mittel nutzen, auffallend häufig berichteten, dass sich bei ihnen Nägel vom Nagelbett lösen.

Für die Studie wurden 575 Nutzer von GLP-1-Mitteln mit 1329 Menschen verglichen, die Typ-2-Diabetes oder Adipositas haben, aber nie Medikamente wie Ozempic oder Wegovy genommen hatten. Die Teilnehmer stammen aus Frankreich, den USA, Brasilien und Mexiko. Vorgestellt wurde die Studie auf dem Kongress der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) in Wien. In einem Fachjournal ist sie bislang nicht erschienen.

Zwei Drittel der GLP-1-Nutzer mit Nagelproblemen

Das Ergebnis: 39 Prozent der Abnehmspritzen-Nutzer berichteten, dass sich ein Nagel vom Nagelbett gelöst hatte. In der Vergleichsgruppe waren es nur 9 Prozent. Auch verfärbte Nägel kamen deutlich häufiger vor - bei 46 Prozent gegenüber 17 Prozent. Insgesamt berichteten zwei Drittel der GLP-1-Nutzer von Nagelproblemen, in der Vergleichsgruppe war es gut die Hälfte.

Der Gewichtsverlust allein scheint die Unterschiede nicht zu erklären. Selbst als die Forscher nur Teilnehmer betrachteten, die abgenommen hatten, blieben die Unterschiede zwischen beiden Gruppen statistisch belastbar.

"Bislang gab es im Zusammenhang mit GLP-1-Therapien im Wesentlichen nur vereinzelte Berichte über Veränderungen an den Nägeln", sagte Studienautor Charles Taïeb laut einer Mitteilung. "Unsere Ergebnisse zeigen einen eindeutigen Zusammenhang, unterstreichen aber auch einen wichtigen Punkt: Nicht alles, was während einer GLP-1-Behandlung auftritt, wird zwangsläufig durch die Behandlung selbst verursacht."

Haarausfall und Jucken gemeldet

Tatsächlich mahnen die Autoren selbst zur Vorsicht. Etwa die Hälfte der Nutzer gab an, schon vor Beginn der Behandlung Nagelprobleme gehabt zu haben. Berücksichtigten die Forscher Hauterkrankungen und Nährstoffmängel, schwächten sich manche Zusammenhänge ab. Abgelöste und verfärbte Nägel blieben bei den Nutzern der Abnehmmittel aber zwei- bis dreimal so häufig.

Eine Begleitstudie mit denselben Teilnehmern untersuchte Haare und Kopfhaut. Ungewöhnlichen Haarausfall meldete die Hälfte der GLP-1-Nutzer, aber nur ein Drittel der Vergleichsgruppe. Über dünner werdendes Haar klagten 42 gegenüber 19 Prozent. Haarausfall, der erst nach Behandlungsbeginn einsetzte, kam bei Nutzern mehr als doppelt so oft vor: 26 gegenüber 12 Prozent.

Bei den meisten Betroffenen trat der Haarausfall nicht allein auf, sondern zusammen mit Beschwerden der Kopfhaut: Rötungen traten etwa dreimal so häufig auf. "Eine Entzündung der Kopfhaut war eher die Regel als die Ausnahme", sagte Studienautor Bruno Halioua. Insgesamt deuten die Ergebnisse aus seiner Sicht darauf hin, dass neben dem Gewichtsverlust weitere Faktoren zu den Veränderungen an Haaren, Kopfhaut und Nägeln beitragen könnten.

"Veränderungen in der Regel harmlos"

Allerdings betonen die Autoren, dass die beobachteten Veränderungen an Haaren und Nägeln kein Grund zur Beunruhigung seien. "Diese Veränderungen treten häufig auf, sind in der Regel harmlos und stellen keinen Grund dar, eine wirksame Behandlung aus eigener Initiative abzubrechen", sagte Halioua. "Wer Haarausfall, Juckreiz oder Rötungen der Kopfhaut oder Veränderungen an den Nägeln bemerkt, sollte dies seinem Arzt mitteilen, anstatt die Therapie abzubrechen."

Zudem stellen die Studien nur einen Zusammenhang her - sie sind kein Beweis für Ursache und Wirkung. Beide Studien beruhen auf einer einmaligen Befragung, die Angaben zu den Beschwerden stammten von den Teilnehmern selbst. Als Nächstes wollen die Forscher Patienten von Behandlungsbeginn an begleiten, von Hautärzten untersuchen lassen und Laborwerte kontrollieren. So wollen sie klären, wann die Veränderungen auftreten, warum - und ob sie wieder verschwinden.

Quelle: ntv.de, kst

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