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Hinweise auf extrem heißen SommerDroht ein besonders starker "Super-El-Niño"?

18.03.2026, 13:11 Uhr
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Für viele Regionen der Welt, wie hier in Simbabwe, hat El Niño dramatische Folgen. (Foto: picture alliance / Matrix Images)

Steigende Wassertemperaturen und ungewöhnliche Windmuster alarmieren Forschende. Im Pazifik könnte sich ein neuer, besonders starker El Niño anbahnen - mit potenziell weitreichenden Folgen.

Im tropischen Pazifik mehren sich die Hinweise auf ein mögliches Comeback des Klimaphänomens El Niño - und das nur wenige Jahre nach dem letzten starken Ereignis. Klimamodelle und aktuelle Messdaten deuten darauf hin, dass sich im Sommer 2026 erneut eine ausgeprägte Warmphase entwickeln könnte. Sowohl die US-amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA als auch europäische Klimaüberwachungszentren schließen sogar einen besonders intensiven "Super-El Niño" nicht aus.

Noch zeigt sich die Meeresoberfläche im zentralen Pazifik leicht kühler als im langjährigen Mittel - ein Nachhall der kürzlich abgeklungenen La Niña. Doch unter der Oberfläche zeichnet sich bereits eine gegenteilige Entwicklung ab.

In Tiefen von etwa 100 bis 250 Metern hat sich im westlichen Pazifik eine große Menge ungewöhnlich warmen Wassers angesammelt, welche sich nach Osten bewegt und bald die Oberfläche erreichen könnte. "Diese sogenannte Kelvinwelle breitet sich nach Osten aus und wird dann als Wärmeanomalie zutage treten", erklärt der Meteorologe Andrej Flis von der Plattform Severe Weather Europe (SWE).

Winde drehen sich - ein klassisches Warnsignal

Ein weiteres Indiz liefern die Winde über dem Pazifik. Normalerweise treiben Passatwinde warmes Oberflächenwasser nach Westen. Doch aktuell registrieren Meteorologen vermehrt Windstöße in die entgegengesetzte Richtung. "Wir haben bereits mehrere dieser anomalen Westwind-Schübe beobachtet", berichtet Flis. In den Prognosen zeichne sich ein anhaltender Trend ab: "Die gesamte Region steuert damit auf einen El Niño zu."

El Niño verändert nicht nur die Temperaturen im Pazifik, sondern beeinflusst das Wetter weltweit. In solchen Jahren steigen die globalen Durchschnittstemperaturen häufig an, und extreme Wetterereignisse nehmen zu - etwa Dürren und Brände in Australien oder Starkregen in Südamerika.

Ein besonders starker "Super-El Niño" tritt auf, wenn die Meerestemperaturen über längere Zeit mehr als zwei Grad über dem Durchschnitt liegen. Solche Ereignisse wurden in den vergangenen 30 Jahren nur zweimal beobachtet - 1997/98 und 2015/16. Sollte sich ein ähnlich starkes Ereignis entwickeln, könnten die Auswirkungen weitreichend sein. "Eine so intensive Erwärmung des tropischen Pazifik kann den Jetstream grundlegend ändern und einen Domino-Effekt verursachen, der sich auf Nordamerika, Europa und den Rest der Erde auswirken wird", so Flis.

Klimawandel verstärkt Extremereignisse

Nach Einschätzungen des NOAA Climate Prediction Center steigt die Wahrscheinlichkeit für El-Niño-Bedingungen im Verlauf des Jahres 2026. Für ein besonders starkes Ereignis liegt die Wahrscheinlichkeit derzeit bei rund 13 bis 15 Prozent. Auch europäische Dienste wie Copernicus Climate Change Service sehen entsprechende Hinweise.

Allerdings betonen Fachleute, dass Prognosen zu diesem Zeitpunkt noch mit Unsicherheiten behaftet sind. Ähnliche Frühjahrs-Signale hätten sich in der Vergangenheit nicht immer bestätigt. Sollte sich tatsächlich ein starker El Niño entwickeln, könnten die Folgen heute gravierender ausfallen als früher. Denn Ozeane und Atmosphäre haben sich durch den Klimawandel bereits deutlich erwärmt. Damit steigt auch das Risiko, dass sich Wetterextreme weiter verschärfen - ein Zusammenspiel, das Klimaforscher zunehmend als kritischen Faktor für die kommenden Jahre sehen.

Quelle: ntv.de, hny

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