Für Weibchen attraktiverHöhere Temperaturen versetzen Frösche in "Turbo-Modus"

Steigende Temperaturen lassen männliche Frösche "verzweifelter" quaken. Eine neue Studie zeigt, dass ihr "Gesang" dadurch für Weibchen attraktiver wird. Die Rufe senden dabei offenbar unbewusste Signale über den Zustand der Umwelt und den Klimawandel aus.
Erst mal warmquaken - und zur Paarungszeit zu gesanglicher Hochform auflaufen: Dies ist einer im Fachblatt "Frontiers in Ecology and the Environment" veröffentlichten Studie zufolge bei Fröschen der gängige Lauf der Dinge. Zu Beginn der Saison klingen die männlichen Frösche noch träge, bei wärmerem Wetter sind ihre quakenden Gesänge schneller und flüssiger - was bei den Weibchen besser ankommt.
"Das Quaken der Frösche hängt stark von der Umgebungstemperatur ab", erklärte die federführende Studienautorin Julianne Pekny von der University of California in Davis. "Wenn sich die Teiche erwärmen, klingen männliche Frösche zunächst langsam und träge, dann aber schneller und fast verzweifelt. Ich kann das mit meinen menschlichen Ohren hören, und auch weibliche Frösche achten darauf."
Pekny, die mittlerweile in North Carolina tätig ist, nahm für ihre Forschung bei verschiedenen Temperaturen in einem Naturschutzgebiet die Gesänge von dort heimischen Laubfröschen (Pseudacris sierra) auf und wertete sie aus. Die Erkenntnisse führte sie mit Befunden aus anderen Studien etwa zum Paarungsverhalten bei Fröschen zusammen.
Männchen lange vor Weibchen am Teich
Wenn es auf die Paarungszeit zugehe, sammelten sich die männlichen Frösche an Teichen und anderen Gewässern und sängen beziehungsweise quakten sich warm - und zwar lange, bevor die Weibchen eintrudelten, heißt es in der Studie. Für den Fortpflanzungserfolg ist es demnach entscheidend, dass die Weibchen zum richtigen Zeitpunkt angelockt werden, damit ihre Eier überleben.
Durch den Klimawandel ist es mittlerweile teils schon früher im Jahr deutlich wärmer. Die Frosch-Männchen wechselten dadurch früher in den Turbo-Quak-Modus. "Für mich ist interessant, dass dies ein Prozess sein könnte, mit dem Weibchen verfolgen, wie sich die Saisonabhängigkeit im Laufe der Zeit verändert", erklärte Pekny. "Wenn sich der Teich erwärmt, kommen auch die attraktiveren Rufe der Männchen früher."
Viele Amphibien stark bedroht
Viele Amphibien - nach Angaben der Studienautoren rund 41 Prozent - sind vom Aussterben bedroht. Eric Post, ebenfalls aus dem Forschungsteam der University of California, befasst sich damit, zu welchem Zeitpunkt Insekten auftauchen, Blumen anfangen zu blühen und Tiere anfangen zu brüten.
"Dies könnte die Erforschung der phänologischen Reaktionen auf den Klimawandel revolutionieren", sagte Post mit Blick auf die Frosch-Studie. "Die Frosch-Männchen senden möglicherweise unbewusst Signale zur Eignung der Umweltbedingungen für die Fortpflanzung aus, und Weibchen interpretieren diese Signale über die Absichten der Männchen hinaus."