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Tausende Einschläge überlebt ISS wird unter Gersts Leitung 20 Jahre alt

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Als erstes Bauteil der ISS wurde am 20. November 1998 das russische Modul "Sarja" (Morgenröte) in den Orbit geschickt.

(Foto: picture alliance / Nasa/dpa)

Als erster Deutscher wird Alexander Gerst das Kommando auf der ISS übernehmen. Und das zu einer besonderen Zeit: Denn die Internationale Raumstation wird dann genau 20 Jahre im Dienst sein. Aber wie lange kreist sie noch um die Erde?

Auf der Internationalen Raumstation (ISS) gibt es Grund zu feiern, wenn der Astronaut Alexander Gerst im Herbst das Kommando übernimmt. Nicht nur, weil er der erste Deutsche ist, dem diese Ehre zuteilwird, sondern auch, weil die ISS 20 Jahre alt wird. Als erstes Bauteil der Station wurde am 20. November 1998 das russische Modul "Sarja" (Morgenröte) in den Orbit geschickt. Seither ist die sogenannte Weltraum-WG auf mehr als ein Dutzend Module gewachsen, in denen bis zu sechs Raumfahrer leben und arbeiten.

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Zum zweiten Mal fliegt Astronaut Alexander Gerst ins All. Er wird als erster Deutscher das Kommando auf der Raumstation ISS übernehmen.

(Foto: picture alliance / Pavel Golovki)

"Die Module, die im Orbit zusammengefügt wurden, sind vorher nie probeweise auf der Erde zusammengesteckt worden", sagt Gerst. Die Bauteile müssten aber auf einen hundertstel Millimeter genau passen. "Das ist ein wundervolles Beispiel dafür, dass Menschen noch zusammenarbeiten können."

Die Raumfahrtbehörden der USA, Russlands, Kanadas und Japans sowie die Europäische Raumfahrtagentur Esa loben die ISS als Vorbild der Kooperation in politisch schwierigen Zeiten. "Es ist viel Erfahrung von den früheren Raumstationen Saljut und Mir in die ISS eingeflossen", sagte Wladimir Solowjow, der Flugleiter des russischen Segments. Bei dem Ex-Kosmonauten laufen die Fäden zusammen, wenn Gerst am Mittwoch (6. Juni 2018, ab 12.30 Uhr live bei n-tv) zur ISS startet. Solowjow nennt die Automatisierung von Abläufen und Notfallpläne als Beispiele für das Wissen, das von den alten sowjetischen und russischen Raumstationen übernommen wurde.

Die ISS ist noch gut in Schuss

Vor seiner ersten Weltraummission 2014 hatte sich Gerst gefragt, wie gut die Raumstation wohl in Schuss ist. "Ich war hin und weg, wie gut die aussieht", sagte er bei einem Training in Moskau im Frühjahr. In einem Modul hätten sie mal die Wandverkleidung erneuert. Denn wenn Tomatensoße auf dem Speiseplan steht, dann fliege schon einmal ein Tröpfchen weg und lande an der Wand. "Das sah zwischendurch nicht so gut aus."

Andere Module seien astrein. Die Außenwand sei ein anderes Thema, räumt Gerst ein. "Es gibt Tausende kleinste Meteoriteneinschläge. Das sind ganz kleine Krater", erzählt er. "Aber das betrifft die Funktion nicht." Die Technik unter der Abdeckung sei wie neu. Das habe er bei seinem Außeneinsatz damals selbst gesehen. Diese Außeneinsätze seien wichtig für die Wartung.

Wie lange die ISS noch durchhält, sei eine Frage der Kosten, sagt Flugleiter Solowjow. "Der anfälligste Bereich ist die Konstruktion selbst." Sie hermetisch dicht zu halten, sei eine große Herausforderung. Wenn ein Modul in einem kritischen Zustand sei, könne man dieses ersetzen. Doch dies sei eine Kosten-Nutzen-Frage.

Die Bordsysteme könnten leichter aktuell gehalten werden, sagt Solowjow. Rund 100 Computer seien in einem Netzwerk verbunden. "In den vergangenen 20 Jahren haben wir schon acht Mal "den Intellekt" der Station komplett erneuert." Dies sei wichtig, "damit wir auch zeitgemäße und seriöse Experimente machen können", sagt er.

Trump will die Weltraumstation privatisieren

Kritiker bezeichnen die ISS gerne als das teuerste Gebäude der Welt - die Gesamtkosten seit 1998 liegen nach Schätzungen bei über 100 Milliarden US-Dollar. Zu den exakten Ausgaben halten sich die ISS-Mitglieder bedeckt. Sicher ist aber, dass die USA - noch vor Russland - den Löwenanteil zahlen. Mehr als drei Milliarden Dollar zahlen die USA Berichten zufolge jedes Jahr für den Betrieb. Die Esa gibt etwa 300 Millionen Euro im Jahr aus.

Bis 2024 ist die Finanzierung durch die Mitglieder gesichert. Danach strebt die Regierung von US-Präsident Donald Trump aber einen Schnitt an. Eine offizielle Strategie gibt es bislang nicht, aber Medienberichten zufolge wollen die USA aus der Finanzierung aussteigen und das Weltraumlabor privatisieren. Aus Russland heißt es zwar, man sei mit den internationalen Partnern im Gespräch über eine Verlängerung bis 2028. Aber auch in Moskau gibt es noch keine klare Linie. Die Behörden erwägen ebenfalls den Einstieg privater Firmen.

Weitere Ideen: ein Weltraumhotel oder eine eigene russische Station aus den russischen ISS-Modulen bauen. Die Esa ist interessiert, an der ISS festzuhalten. "Auch über 2024 hinaus werden wir Schwerelosigkeitsversuche im niedrigen Erdorbit brauchen", sagt Esa-Chef Jan Wörner. Von Privatisierung hält er wenig. Dass die ISS auch künftig mit öffentlichen Mitteln unterstützt werde, "davon kann man fest ausgehen", sagt Wörner.

Solowjow beneidet Gerst

Die USA und Russland arbeiten an Plänen für eine bemannte Raumstation, die um den Mond kreist. Dieser "Deep Space Gateway" könnte Ausgangspunkt für Landungen auf dem Erdtrabanten und Flüge zum Mars werden. Russlands Flugleiter Solowjow hält davon nicht viel. "Wir können die Strahlungsbelastung dort nicht abschätzen. Das ist sehr gefährlich für Menschen", sagt der 71-Jährige. Er sei stattdessen für eine neue Raumstation im Erdorbit. "Dort könnten wir Geräte für den Flug zum Mond und zum Mars zusammenbauen", sagt er.

Trotz aller Unwägbarkeiten für die Zukunft: Solowjow beneidet Gerst um die bevorstehende Reise ins All. Der Raumfahrtveteran war in den 1980er Jahren zwei Mal auf der sowjetischen Station Saljut-7. "Wenn ich könnte, würde ich mit größtem Vergnügen alles hinter mir lassen. Ich kenne keinen Kosmonauten, der nicht noch einmal fliegen würde."

Quelle: ntv.de, Thomas Körbel, Christina Horsten und Sebastian Kunigkeit, dpa

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