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WHO-Studie wirft Fragen auf Ist Mikroplastik im Trinkwasser ungefährlich?

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Wenn Mikroplastik-Teilchen im Trinkwasser vorkommen, sind sie oft so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind.

(Foto: dpa)

Plastik ist überall: im Meer, im Schnee und im Trinkwasser. Doch wie gefährlich ist Mikroplastik, wenn es in den menschlichen Körper gelangt? Die Weltgesundheitsorganisation versucht darauf, eine Antwort zu finden. Und scheitert.

Als Plastik in den 50er-Jahren in die Massenproduktion ging, wurde es noch gefeiert: Es war besonders günstig in der Herstellung, je nach Bedarf formbar und in allen Farben erhältlich. 8,3 Milliarden Tonnen Plastik wurden seitdem produziert, schätzten Forscher. Und obwohl Plastik mittlerweile ein schlechtes Image hat, wird es immer noch in Massen hergestellt. Allein im Jahr 2017 sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit rund 348 Millionen Tonnen Plastik angefallen. Das Resultat: Kunststoff ist mittlerweile überall auf dem Planeten Erde anzutreffen: im Meer, im Schnee und sogar im menschlichen Stuhl.

Auch im Trinkwasser haben Forscher auf der ganzen Welt Mikroplastik nachgewiesen, sowohl in Leitungswasser als auch im Mineralwasser aus Flaschen. Die WHO hat nun analysiert, welche gesundheitlichen Folgen das Mikroplastik im Wasser hat. Das Resultat: "Basierend auf den begrenzt verfügbaren Informationen scheint Mikroplastik im Trinkwasser auf dem jetzigen Niveau kein Gesundheitsrisiko darzustellen", so die WHO-Expertin Maria Neira. Ein - auf den ersten Blick - unerwartetes Ergebnis. Auf den zweiten Blick fällt jedoch auf, dass die Studienlage auf dem Gebiet sehr dürftig ist. Und aus den wenigen verfügbaren Daten gar eine Auswirkung auf die Gesundheit des Menschen abzulesen, scheint unmöglich zu sein.

Für ihre Untersuchung hat die WHO die Ergebnisse von 50 aktuellen Studien analysiert. Doch nur neun davon beschäftigen sich mit der Thematik Mikroplastik im Trinkwasser. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Umweltbundesamt handelt es sich bei Mikroplastik um Kunststoffe, die kleiner als fünf Millimeter sind. Die im Trinkwasser vorkommenden Plastikteilchen sind Partikel, deren Größe gemeinhin nur in Mikrometern angegeben wird. Das sind sogar nur tausendstel Millimeter. In dem WHO-Bericht heißt es, dass es unwahrscheinlich sei, dass sich Plastikteilchen im Körper anlagern, die größer als 150 Mikrometer seien. Bei noch kleineren Teilen könnte dies jedoch anders sein. Studien dazu gibt es bislang so gut wie keine.

Wie gut kann ein Körper Mikroplastik abwehren?

Nach Angaben australischer Forscher nehmen Menschen täglich Mikroplastik zu sich - durch Nahrung, Trinkwasser oder durch bloßes Atmen. Bis zu fünf Gramm der winzigen Teilchen kommen so pro Woche in den Körper - abhängig von den Lebensumständen. Zum Vergleich: Eine Kreditkarte wiegt in etwa fünf Gramm. Zwar verfügt der Mensch über natürliche Mechanismen, Plastikpartikel abzuwehren. Aber auch hier besteht Forschungsbedarf. Denn wie steht es um das Barriereverhalten von erkrankter Haut oder Schleimhaut - zum Beispiel nach Verletzungen oder bei Entzündungen? Auch darauf wissen Wissenschaftler bislang keine Antwort.

Aufgrund der dürftigen Studienlagen fordert die WHO, das Vorkommen von Mikroplastik im Trinkwasser und seine etwaigen gesundheitlichen Auswirkungen noch viel genauer zu untersuchen. Das gelte für die Verbreitung dieser Partikel und auch für die Risiken.

Vermutlich wäre es auch hilfreich, wenn kein Mikroplastik in den Wasserkreislauf gelangt. Laut WHO könne das Abwasser mit einer fachgerechten Reinigung von 90 Prozent des Mikroplastiks gereinigt werden. Das gelte auch für die Behandlung von Trinkwasser. Doch auch hier gibt es ein entscheidendes Problem: Ein großer Teil der Weltbevölkerung komme aktuell nicht in den Genuss einer adäquaten Wasser- und Abwasserbehandlung, so die WHO.

In deutschem Leitungswasser sei erheblich weniger Mikroplastik entdeckt worden als in Mineralwasser, sagte Martin Wagner von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Es sei davon auszugehen, dass Kläranlagen den Großteil der Plastikpartikel entfernen. "Das Problem hierbei ist allerdings, dass sich das Mikroplastik dann im Klärschlamm befindet und wieder in die Umwelt gelangt, wenn der Klärschlamm zur Düngung in der Landwirtschaft verwendet wird." Auch in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland scheint es aktuell also unmöglich zu sein, den Plastikkreislauf aufzuhalten.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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