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Klimadaten seit 1950 analysiert Wo es die extremsten Hitzewellen gab

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Zelte von Menschen, die durch Dürre vertrieben wurden, im April 2022 im Higlo-Lager für Binnenflüchtlinge in der Shabelle-Zone in der Somali-Region in Äthiopien.

(Foto: picture alliance/dpa/UNICEF/AP)

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In einigen Regionen der Welt haben sich Ökosystem und Mensch an heiße Temperaturen gewöhnt. Schon kleinere Schwankungen nach oben können dann heftige Auswirkungen haben. Unter Berücksichtigung dieser relativen Intensität sind viele Hitzewellen der letzten 70 Jahre unbemerkt geblieben.

Eine ungewöhnliche Hitzewelle lässt Menschen in Indien und Pakistan seit Wochen leiden. Darüber wird viel berichtet - einige ähnlich heftige Hitzewellen der vergangenen Jahrzehnte sind Forschenden zufolge hingegen weitgehend unbeachtet geblieben. Wahrscheinlicher Grund sei, dass die Extreme in ärmeren Ländern oder Regionen mit weniger verfügbaren Daten auftraten, schreiben sie im Fachjournal "Science Advances".

Das Team um die Klimawissenschaftlerin Vikki Thompson von der Universität Bristol hatte für die Auswertung die relative Intensität berücksichtigt, also wie extrem eine Hitzewelle im Verhältnis zu üblichen lokalen Temperaturschwankungen war. "Es ist wichtig, den Schweregrad von Hitzewellen anhand der lokalen Temperaturschwankungen zu beurteilen", erläuterte Thompson. Die Wissenschaftlerin begründet das damit, dass "sich sowohl der Mensch als auch das natürliche Ökosystem daran anpassen, so dass in Regionen mit geringeren Schwankungen ein kleineres absolutes Extrem stärkere Auswirkungen haben kann". Einbezogen wurde der Zeitraum von 1950 bis 2021.

Hitzewelle in Nordamerikas: 4,6 Grad über gemessenem Höchstwert

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Ausmaß des größten Extrem-Ereignisses seit 1950 in jeder Region, dargestellt als Abweichung von den Durchschnittstemperaturen, der Klimawandel-Trend wurde herausgerechnet.

(Foto: University of Bristol/dpa)

Berechnet wurde jeweils die Abweichung von den mittleren Schwankungen der Tageshöchsttemperatur in der jeweiligen Region im zurückliegenden Jahrzehnt. Einen Rekord brachte demnach die Hitzewelle im Westen Nordamerikas im letzten Sommer: Am 29. Juni sei in der Stadt Lytton, British Columbia, ein kanadischer Höchstwert von 49,6 Grad gemessen worden. Der bisherige Höchstwert in den Aufzeichnungen seit 1950 sei damit um 4,6 Grad übertroffen worden. Die Hitzewelle sei mit Hunderten Opfern das bisher tödlichste Wetterereignis in Kanada gewesen, die damit verbundenen Waldbrände hätten zu umfangreichen Infrastruktur-Schäden und Ernteausfällen geführt.

Fünf weitere Hitzewellen weltweit seit 1960 seien in ihrer relativen Intensität noch extremer gewesen - über einige sei dennoch kaum berichtet worden. Die drei - relativ zu den üblichen Abweichungen im jeweiligen Zeitraum des Jahres betrachtet - heftigsten Hitzewellen weltweit gab es der Analyse zufolge in Südostasien im April 1998, in Brasilien im November 1985 und im Süden der USA im Juli 1980. Die europäische Hitzewelle von 2003 hingegen zähle nach der gewählten Berechnungsweise zum Beispiel nicht zu den Spitzenereignissen.

Generell handle es sich nicht um eine endgültige Liste der extremsten Ereignisse, betonen die Wissenschaftler. Schon kleine Änderungen der Methodik, etwa der zeitlichen Auflösung oder regionalen Zuordnungen, könnten die identifizierten Ereignisse oder ihre Reihenfolge ändern.

Klimawandel "größtes globales Gesundheitsproblem"

"Der Klimawandel ist eines der größten globalen Gesundheitsprobleme unserer Zeit und wir haben gezeigt, dass viele Hitzewellen außerhalb der entwickelten Welt weitgehend unbemerkt geblieben sind", sagte Mitautor Dann Mitchell, Professor für Klimawissenschaften an der Universität Bristol. Eine Hitzewelle könne für ein Land Tausende Todesfälle bedeuten. Länder, in denen die Temperaturen ohnehin außerhalb des normalen, gut verträglichen Bereichs liegen, seien dafür am anfälligsten.

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Anhand von Klimamodell-Projektionen schlossen die Wissenschaftler auch auf die Entwicklung im weiteren Verlauf des Jahrhunderts. Die Analyse bestätigt demnach Prognosen, denen zufolge die Intensität von Hitzewellen im Zuge steigender globaler Temperaturen zunehmen wird. Regionen, die zufällig in letzter Zeit keine extreme Hitzewelle erlebt haben, seien möglicherweise weniger gut auf potenziell bevorstehende Ereignisse vorbereitet, warnt das Team um Thompson. Dies gelte etwa für Teile von Australien und Zentralafrika.

Zu berücksichtigen sei auch, dass die Auswirkungen von Hitze in Städten noch verstärkt werden. Da Prognosen zufolge fast 70 Prozent der Weltbevölkerung bis 2050 in Städten leben werden, nähmen dort auch die Risiken durch extreme Hitzeereignisse besonders zu.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 09. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, Annett Stein, dpa

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