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Von Rattenart fehlt jede Spur Klimawandel löscht erstmals Säugetier aus

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Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte ist das erste Säugetier, das nachweisbar durch den Klimawandel ausgestorben ist.

(Foto: dpa)

Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte kam nur auf einer einzigen Insel im Great Barrier Reef vor. Der steigende Meeresspiegel hat ihren Lebensraum vernichtet, das Tier gilt als ausgestorben. Forscher warnen: Es könnte der Beginn eines Massensterbens sein.

Was Forscher schon lange befürchten, ist nun passiert: Zum ersten Mal ist eine Säugetierspezies aufgrund des von Menschen verursachten Klimawandels ausgestorben. Die im Great Barrier Reef heimische Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte wurde nun als ausgestorben erklärt, nachdem 2009 zum letzten Mal ein Exemplar gesehen worden war. 2014 startete man eine intensive Suche, bei der kein einziges Tier dieser Gattung mehr gefunden wurde.

Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte gehörte zu den am wenigsten verbreiteten Säugetierarten der Welt und war nur auf der kleinen Bramble-Cay-Insel heimisch, die im Norden des Great Barrier Reefs liegt. Die Insel hatte ursprünglich eine Gesamtfläche von vier Hektar, von denen rund 2,2 Hektar bewachsen waren. Von 1901 bis 2010 stieg der Meeresspiegel allerdings um knapp 20 Zentimeter, wodurch letztendlich nur noch 0,065 Hektar mit Pflanzenbewuchs übrig waren. Insgesamt wurden rund 97 Prozent des Lebensraumes der Ratten zerstört.

Bramble-Cay-Mosaikschwanzratten, auch Melomys genannt, sind zur Familie der Langschwanzmäuse gehörende Nagetiere. Sie werden 14 bis 16 Zentimeter lang und bis zu 100 Gramm schwer. Das Größte an ihren Körpern sind ihre Schwänze, die mit circa 18 Zentimetern länger als ihr Leib sind. Melomys ernähren sich rein vegetarisch und leben in Gemeinschaft mit Seevögeln und Meeresschildkröten, die auf Bramble-Cay ihre Eier legen. Schon als Europäer die Insel 1845 entdeckten, berichteten Seefahrer, dass sie mit Pfeil und Bogen auf "große Ratten" geschossen hätten. 1978 lebten geschätzt mehrere Hundert Ratten auf der Insel.

"Die Spitze des Eisbergs"

Der Umweltschutzexperte John White von der Deakin University sagte dem britischen "Guardian": "Ich habe absolut keine Zweifel, dass wir weitere Arten verlieren werden aufgrund des steigenden Drucks, den der Klimawandel verursacht." Das Aussterben der Melomys sei nur "die Spitze des Eisbergs". Desweiteren warnt er vor einem sechsten Massenaussterben, denn klimatische Veränderungen und das Aussterben seien im Lauf der Weltgeschichte immer Hand in Hand gegangen.

Einen winzigen Hoffnungsschimmer gibt es noch, wenn auch Experten ihn für unwahrscheinlich halten: Bramble Cay liegt recht nahe bei Papua-Neuguinea. Da könnte es sein, dass ein paar Ratten nach Unwettern und Stürmen an die Küste der Insel gespült wurden.

Quelle: n-tv.de

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