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Tier-Training für Covid-Diagnose Können Hunde Corona-Infizierte erschnüffeln?

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Ein Hochleistungsorgan: die Hundenase.

(Foto: imago images/Gottfried Czepluch)

Das Tückische an Sars-CoV-2: Nicht jeder Infizierte hat Symptome, verbreitet aber dennoch den Erreger. Bei vielen Infektionen weiß man deshalb nicht, wo ihr Ursprung liegt. Mit dem Einsatz von Spürnasen könnten Infizierte schnell erkannt werden. Tests dazu laufen bereits in mehreren Ländern.

Drogen, Sprengstoffe und Krankheiten: Der ausgeprägte Geruchssinn von Hunden kann in vielen Situationen helfen, bestimmte Dinge zu entdecken. Der "beste Freund des Menschen" könnte über die Nase sogar Sars-CoV-2-Infizierte ausfindig machen. In mehreren Ländern laufen bereits Trainings und Pilotstudien, die klären wollen, ob Hunde auch in der Corona-Krise helfen könnten. Aus den USA, Großbritannien und jetzt auch aus Finnland gibt es erste Ergebnisse dazu.

"Wir wissen, dass Krankheiten eigene Gerüche haben", erklärt Cynthia Otto von der University of Pennsylvania dazu. Hundetrainer und Forscher gehen davon aus, dass so wie beispielsweise bei Epilepsie, Diabetes oder Krebs auch die durch das Sars-CoV-2 hervorgerufene Covid-19-Erkrankung einen besonderen Geruch bei Infizierten verursacht. Sie hoffen, dass dieser mithilfe von trainierten Hundenasen erkannt werden kann. Ob die Viren selbst spezifische Gerüche absondern oder die virenbefallenen Organismen diese für Hunde wahrnehmbar ausströmen, wie genau diese Veränderung riecht und wie lange sie bei einer Infektion für den Hund wahrnehmbar ist, können Forscher bisher nicht sagen.

Fakt ist jedoch, dass Hunde bis zu einer Million Mal besser riechen können als Menschen. In der Nase eines Menschen gibt es rund fünf Millionen Riechzellen, rund ein Prozent des Gehirns ist mit diesem Sinn befasst. In der Nase eines Dackels hingegen geht man von 125 Millionen, in der Nase eines Schäferhundes sogar von 220 Millionen Riechzellen aus. Beim Schnüffeln atmen Hunde pro Minute bis zu 300 Mal. Auf diese Weise werden ihre Riechzellen mit immer neuen Geruchspartikeln aktiviert. Zudem kann ein Hund die Geruchswahrnehmungen zwischen linkem und rechtem Nasenloch unterscheiden, also räumlich riechen. Nur so ist die Verfolgung von Fährten möglich. Rund zehn Prozent des Gehirns wird beim Hund für diese komplexen Wahrnehmungen benötigt.

Besonderer Geruch im Urin

In Finnland wurden für die Untersuchungen Hunde trainiert, die zuvor bei der Identifizierung bestimmter Krebsarten geholfen hatten. "Es war fantastisch, zu sehen, wie schnell die Hunde auf den neuen Geruch reagierten", erzählt Anna Helm-Björkman von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Helsinki. Zuerst muss den Hunden mit Geruchsproben beigebracht werden, worauf sie mit ihrer hochqualifizierten Nase achten sollen. Dabei müssen die Tiere gar keinen persönlichen Kontakt zu infizierten Personen haben. Sie wurden mit uringetränkten Pads trainiert. Diese speziellen Proben von Covid-19-Patienten mussten allerdings so beschaffen sein, dass einerseits die spezifischen Gerüche für die Infektion erhalten geblieben sind und andererseits keine Ansteckungsrisiken für die tierischen Helfer und ihre Besitzer entstanden.

Die bisherigen Ergebnisse dazu, so die Forscher aus den USA und Finnland, sind vielversprechend. Auch Claire Guest, Geschäftsführerin und Mitbegründerin von Medical Detection Dogs, setzt große Hoffnungen in ihre sechs rekrutierten Spürnasen, die sie auf der Seite der Organisation vorstellt. Doch diese sollen die Veränderungen nicht im Urin, sondern aus der Atemluft von Menschen mit einer Corona-Infektion erkennen. Asher, Digby und Co. werde nach Angaben von Guest auf die gleiche Art und Weise wie andere Hunde trainiert, die biologische Veränderungen bei Personen erkennen sollen. Läuft die Ausbildung der Vierbeiner so, wie die Forscher sich das erhoffen, dann könnte jeder Hund in einer Stunde bis zu 250 Menschen auf eine Infektion überprüfen. Das wäre unschlagbar effektiv.

Ziel: Unterscheidung mit hoher Sicherheit

Ziel aller, die sich mit Hunden als Diagnosehelfer in der Corona-Krise befassen, ist es, dass ausgebildete Tiere mit hoher Sicherheit über ihren Geruch feststellen können, ob jemand mit Sars-CoV-2 infiziert ist oder nicht. Besonders hilfreich wäre, wenn die Hunde auch Infizierte erkennen können, bevor diese selbst Symptome verspüren. Im besten Falle könnten auch symptomfreie Infizierte herausgeschnüffelt werden. Dann könnten Infektionsketten schneller unterbrochen, die Pandemie effektiv bekämpft und unnötig verhängte Quarantäne verhindert werden.

Doch zuvor müssen noch viele Fragen geklärt und die ersten Ergebnisse durch weitere Untersuchungen mit mehr Hunden und einer wesentlich höheren Anzahl von Proben bestätigt werden. Gelingt das, dann könnten Hunde sogar maßgebend bei der Bewältigung der Pandemie helfen. "Wir können dann Menschen identifizieren, die Träger des Virus sind und die wir sonst nicht erkannt hätten", so Otto. Denkbar wäre für die Zukunft auch, so ausgebildete Hunde an Orten mit vielen Menschen wie beispielsweise vor Flughäfen, Bahnhöfen oder Stadien einzusetzen. Ausgebildete Tiere könnten auch eingesetzt werden, um Viren auf Oberflächen in Arztpraxen, Flugzeugen oder Seniorenheimen zu erkennen.

Doch das ist echte Zukunftsmusik, denn bislang gibt es nur sehr wenige medizinische Geruchsspürhunde. Die Mehrheit der Hundehalter in diesem Bereich arbeitet ehrenamtlich. Eine Ausbildung eines Geruchsspürhundes ist zudem teuer. Bei einem Diabetikerwarnhund liegen die Kosten in Deutschland zwischen 25.000 und 30.000 Euro.

Quelle: ntv.de